Konjunkturbericht

Deutsche Wirtschaft im Winter 2021: Erholung vorerst ausgebremst

Kieler Konjunkturberichte, Nr. 86 (2021 | Q4) PDF Download

Die Erholung der deutschen Wirtschaft wird abermals ausgebremst. Das Infektionsgeschehen im Winterhalbjahr hemmt wie in früheren Wellen besonders die Aktivität in den kontaktintensiven Dienstleistungsbranchen. Im Ergebnis wird es zu einem Rückschlag bei den privaten Konsumausgaben kommen und wohl auch zu geringen Rückgängen beim Bruttoinlandsprodukt. Wenn die Belastungen seitens der Pandemie mit dem Frühjahr nachlassen, wird ähnlich wie im laufenden Jahr eine kräftige Erholung einsetzen. Die wirtschaftliche Aktivität dürfte dann auch deshalb besonders viel Schwung entfalten, weil die Lieferengpässe, die die Industrieproduktion derzeit massiv belasten, voraussichtlich nachlassen. Insgesamt wird die durch die Pandemie verursachte Delle im Erholungsprozess wohl größer ausfallen als wir in unserer Herbstprognose unterstellt hatten. Der Rückschlag wird aber bei Weitem nicht so gravierend sein, wie im vergangenen Winterhalbjahr. Im kommenden Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt demzufolge mit 4 Prozent nicht so kräftig zulegen wie vor drei Monaten erwartet (5,1 Prozent), dafür aber im Jahr 2023 mit 3,3 Prozent deutlich stärker (Herbstprognose: 2,3 Prozent). Für das laufende Jahr zeichnet sich ein Anstieg von 2,6 Prozent ab. Die Inflation wird vorerst hoch bleiben, auch weil die Lieferengpässe weiterhin die Herstellungskosten erhöhen und das Konsumgüterangebot verknappen. Gleichzeitig haben die privaten Haushalte seit dem Beginn der Pandemie zusätzliche Ersparnisse in Höhe von rund 200 Mrd. Euro angehäuft und besitzen deshalb eine recht hohe Zahlungsbereitschaft. Der Verbraucherpreisanstieg wird sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr wohl bei rund 3 Prozent liegen, bevor er sich im Jahr 2023 wieder verringert. Das Defizit der öffentlichen Haushalte wird im kommenden Jahr aufgrund der nachlassenden Belastungen durch die Pandemie spürbar von 3,8 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr auf 1,8 Prozent sinken. Voraussichtlich werden die Haushalte jedoch auch das Jahr 2023 mit 1,4 Prozent noch deutlich im Defizit abschließen