Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsströme (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Die Weltkarte zeigt farbig eine zu erwartende Zunahme (grün) oder Abnahme (rot) für die einzelnen Länder. Mit Klick auf ein Land öffnet sich eine Grafik mit Details. Geschätzt werden die Handelsströme eines Landes mit dem Rest der Welt. Der Kiel Trade Indicator wird jeweils um den 5. und 20. eines Monats aktualisiert.

+++ Nächstes Datenupdate: 06. Juli 2022 +++

Datenupdate 21. Juni 2022

Die Staus in der Containerschifffahrt nehmen noch weiter zu. Laut jüngstem Datenupdate des Kiel Trade Indicator stecken in der Nordsee nun über 2 Prozent der globalen Frachtkapazität im Stau und können weder be- noch entladen werden. Alleine in der Deutschen Bucht warten derzeit 15 große Containerschiffe auf Abfertigung in Hamburg oder Bremerhaven. Für Deutschland und die EU bedeutet dies vor allem Beeinträchtigungen im Überseehandel, speziell mit Asien, von wo etwa Unterhaltungselektronik, Möbel oder Textilien geliefert werden. Weltweit stecken über 12 Prozent aller verschifften Waren fest.

„Ein Ende der Staus in der Containerschifffahrt ist derzeit nicht in Sicht. Für die Nordsee ist dies sehr ungewöhnlich, während beispielsweise vor Shanghai auch schon in der Vergangenheit lange Warteschlangen beobachtet wurden. Die Zahlen des Kiel Trade Indicator weisen darauf hin, dass die Verzögerungen in Deutschland und der EU momentan eher die Exporte stören, als die Importe“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator. „Die Situation in der Nordsee führt noch nicht zu dramatischen Einbrüchen in Deutschlands Seehandel, sie ist speziell für die Schiffsverkehr mit Asien aber sicherlich eine Belastung. Auch weil die Frachtraten dadurch hoch bleiben dürften.“

Juni 2022*

      Export Import
Deutschland     - 3,4 % + 0,7 %
EU     - 0,6 % + 0,5 %
USA     + 0,2 % + 1,6 %
China     - 1,0 % + 1,7 %
Russland     + 2,6 % - 0,4 %
Welthandel + 0,5 %      

*Veränderung ggü. Vormonat, preis- und saisonbereinigt

Schiffsdaten

Die Grafik zeigt an, wie viel Prozent der globalen Frachtkapazität durch Staus in Seegebieten bis zu 500 Kilometer vor wichtigen Häfen weltweit gebunden ist und weder be- noch entladen werden kann. Die Berechnung erfolgt über Schiffspositionsdaten in Echtzeit und berücksichtigt die technisch mögliche Maximalkapazität der Containerschiffe. Die Regionen beinhalten Georgia und South Carolina (Häfen Savannah und Charleston), Süd Kalifornien (Häfen Los Angeles/ Long Beach und San Diego), Hong Kong und Guangdong (Häfen HK, Yantian, Shenzhen und Guangzhou), Shanghai und Zhejiang (v.a. Shanghai, Ningbo-Zhoushan), Nordsee (Nordsee Häfen der Niederlande, Belgiens, Deutschlands und Großbritanniens). Die Berechnung erfolgt über Schiffspositionsdaten in Echtzeit und berücksichtigt die technisch mögliche Maximalkapazität der Containerschiffe.

Die Grafik zeigt den Anteil an Waren an, die sich global auf wartenden Containerschiffen befinden. Die Berechnung erfolgt über weltweite Schiffspositionsdaten in Echtzeit sowie über die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs.

Die Grafik misst die summierte Kapazität der Containerschiffe, die sich täglich im Roten Meer und im Suezkanal befinden. Wegen der besonderen geografischen Lage des Roten Meeres spiegelt die Schifffahrt hier die Handelsaktivität zwischen Europa und Asien wieder. Der erwartete Wert berechnet sich aus dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, skaliert auf die Jahre 2020 und 2021 mit Hilfe von vergangenen Wachstumsraten.

Die Grafik zeigt die ankommende Containerladung im Vergleich zum Vorjahr für die drei größten Containerhäfen Russlands (St. Petersburg in der Ostsee, Novorossiysk im Schwarzen Meer, sowie Vladivostok im Pazifik) und den größten Hafen der Ukraine Odessa. Die Rückgänge der ankommenden Ladung bilden die Effekte des Ukraine Kriegs und der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab. Die Berechnung erfolgt mithilfe von Schiffspositionsdaten und bezieht Größe und Tiefgang der Schiffe ein.

Die Grafik misst die ablegende Containerladung aus dem Hafen Shanghai und im Vergleich von allen anderen Häfen Chinas, normiert auf den Beginn des Jahres. Der Abstand zeigt den Einbruch, der durch den Lockdown in Shanghai ausgelöst wurde. Die Berechnung erfolgt mithilfe von Schiffspositionsdaten und bezieht Größe und Tiefgang der Schiffe ein.

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Im Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die Schiffsbewegungen in nominale, saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt zweimal im Monat. Um den 20. (ohne Pressemeldung) für den laufenden und den folgenden Monat und um den 5. (mit Pressemeldung) für den vergangenen und den laufenden Monat.

Anlegende und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst. Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen. Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indicators lernt mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

Methodik des Kiel Trade Indicator

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