Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsströme (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Die Weltkarte zeigt farbig eine zu erwartende Zunahme (grün) oder Abnahme (rot) für die einzelnen Länder. Mit Klick auf ein Land öffnet sich eine Grafik mit Details. Geschätzt werden die Handelsströme eines Landes mit dem Rest der Welt. Der Kiel Trade Indicator wird jeweils um den 5. und 20. eines Monats aktualisiert.

+++ Nächstes Datenupdate: 23. August 2022 +++

Datenupdate 5. August 2022

Der globale Handel fällt im Juli gegenüber dem Vormonat zurück (preis- und saisonbereinigt). Auch die Handelsdaten einzelner großer Volkswirtschaften und Regionen sind negativ. Dies geht aus dem jüngsten Datenupdate des Kiel Trade Indicator hervor. Getrieben wird das Handelsvolumen der letzten Monate vor allem durch gestiegene Preise, während es preisbereinigt nur wenig Dynamik zeigt. Derzeit warten 24 Containerschiffe in der Deutschen Bucht auf Abfertigung, der Stau beeinträchtigt den Handel mit Asien spürbar. Aus der Ukraine müssen noch 20 Millionen Tonnen Getreide abtransportiert werden, was rund 570 Schiffsladungen entspricht.

„Die Werte liegen noch im normalen Schwankungsbereich und können als Gegenbewegung nach unten zu den teils hohen Zuwächsen im Juni interpretiert werden. Ein Absturz des Handels droht nicht, allerdings dürfte sich eine Trendwende nach oben und eine Normalisierung der Lieferabläufe auch nicht so bald einstellen. Durch die Inflation öffnet sich die Schere zwischen den offiziellen Statistiken ohne Preisbereinigung und den Daten des Kiel Trade Indicator mit Preisbereinigung immer stärker“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

"Über den ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa ist nach wie vor praktisch kein Handel möglich. „Dass mit der Razoni nun das erste Frachtschiff seit langem ausgelaufen ist, um Getreide aus den übervollen Speichern abzutransportieren, ist zwar eine sehr positive Nachricht. Um die verbleibenden 20 Millionen-Tonnen rechtzeitig abzutransportieren, würden in den ukrainischen Häfen aber kurzfristig rund 570 weitere Schiffsladungen abgefertigt werden müssen, was nicht nur angesichts des Krieges illusorisch erscheint. Gerade weil die Ernte von Getreide jetzt wieder beginnt und die Lager dafür dringend gebraucht werden, müssen auch andere Transportmöglichkeiten wie Züge und LKWs voll ausgeschöpft werden“, so Stamer.

Mehr Informationen in der aktuellen News: Kiel Trade Indicator 07/22: Handel im Juli gedämpft, Getreidemenge aus Ukraine kaum zu verschiffen

Juli 2022*

      Export Import
Deutschland     - 3,2 % - 1,6 %
EU     - 2,1 % - 2,1 %
USA     - 2,2 % - 2,1 %
China     - 3,2 % - 4,1 %
Russland     - 1,2 % - 1,7 %
Welthandel - 1,7 %      

*Veränderung ggü. Vormonat, preis- und saisonbereinigt

Schiffsdaten

Die Grafik zeigt an, wie viel Prozent der globalen Frachtkapazität durch Staus in Seegebieten bis zu 500 Kilometer vor wichtigen Häfen weltweit gebunden ist und weder be- noch entladen werden kann. Die Berechnung erfolgt über Schiffspositionsdaten in Echtzeit und berücksichtigt die technisch mögliche Maximalkapazität der Containerschiffe. Die Regionen beinhalten Georgia und South Carolina (Häfen Savannah und Charleston), Süd Kalifornien (Häfen Los Angeles/ Long Beach und San Diego), Hong Kong und Guangdong (Häfen HK, Yantian, Shenzhen und Guangzhou), Shanghai und Zhejiang (v.a. Shanghai, Ningbo-Zhoushan), Nordsee (Nordsee Häfen der Niederlande, Belgiens, Deutschlands und Großbritanniens). Die Berechnung erfolgt über Schiffspositionsdaten in Echtzeit und berücksichtigt die technisch mögliche Maximalkapazität der Containerschiffe.

Die Grafik zeigt den Anteil an Waren an, die sich global auf wartenden Containerschiffen befinden. Die Berechnung erfolgt über weltweite Schiffspositionsdaten in Echtzeit sowie über die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs.

Die Grafik misst die summierte Kapazität der Containerschiffe, die sich täglich im Roten Meer und im Suezkanal befinden. Wegen der besonderen geografischen Lage des Roten Meeres spiegelt die Schifffahrt hier die Handelsaktivität zwischen Europa und Asien wieder. Der erwartete Wert berechnet sich aus dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, skaliert auf die Jahre 2020 und 2021 mit Hilfe von vergangenen Wachstumsraten.

Die Grafik zeigt die ankommende Containerladung im Vergleich zum Vorjahr für die drei größten Containerhäfen Russlands (St. Petersburg in der Ostsee, Novorossiysk im Schwarzen Meer, sowie Vladivostok im Pazifik) und den größten Hafen der Ukraine Odessa. Die Rückgänge der ankommenden Ladung bilden die Effekte des Ukraine Kriegs und der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab. Die Berechnung erfolgt mithilfe von Schiffspositionsdaten und bezieht Größe und Tiefgang der Schiffe ein.

Die Grafik misst die ablegende Containerladung aus dem Hafen Shanghai und im Vergleich von allen anderen Häfen Chinas, normiert auf den Beginn des Jahres. Der Abstand zeigt den Einbruch, der durch den Lockdown in Shanghai ausgelöst wurde. Die Berechnung erfolgt mithilfe von Schiffspositionsdaten und bezieht Größe und Tiefgang der Schiffe ein.

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Im Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die Schiffsbewegungen in nominale, saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt zweimal im Monat. Um den 20. (ohne Pressemeldung) für den laufenden und den folgenden Monat und um den 5. (mit Pressemeldung) für den vergangenen und den laufenden Monat.

Anlegende und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst. Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen. Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indicators lernt mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

Methodik des Kiel Trade Indicator

Kiel Trade Indicator Working Paper

Fachlicher Kontakt

Medienkontakt

Weitere Publikationen