Konjunkturbericht

Aufschwung stößt an Grenzen – Belebung nur temporär

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 50 (2018 | Q4)

Der Aufschwung in Deutschland gerät zunehmend ins Stocken. Im dritten Quartal ging die Wirtschaftsleistung zum ersten Mal seit drei Jahren zurück. Dieser Rückgang war vor allem Sonderfaktoren geschuldet. Insbesondere schlugen die Probleme mit dem neuen WLTP-Zulassungs­verfahren beim Fahrzeugbau zu Buche. Hinzu kamen Produktionsbeeinträchtigungen aufgrund des Niedrigwas­sers im Rhein. Mit dem Auslaufen dieser temporär belas­tenden Faktoren wird sich das gesamtwirtschaftliche Expansionstempo zwar wohl noch einmal beschleunigen. Allerdings stößt der Aufschwung offenbar mehr und mehr an seine Grenzen. So fällt es den Unternehmen ange­sichts der bereits sehr hohen Kapazitätsauslastung zuse­hends schwerer, ihre Produktion weiter in hohem Tempo auszuweiten. Besonders augenscheinlich ist dies in der Baubranche, in der die Produktion ihre Kapazitäts­grenze wohl erreicht hat, so dass die Produktion nur noch in dem Ausmaß erhöht werden kann, wie es den Unter­nehmen gelingt, ihre Kapazitäten auszuweiten. Auch dürften die spürbaren Knappheiten am Arbeitsmarkt Be­stand haben. Diese bremsen den Beschäftigungsaufbau und führen zu kräftig steigenden Löhnen. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften deutlich auf­wärts gerichtet bleiben. Im kommenden Jahr führen um­fangreiche Abga­bensenkungen und Leistungsausweitun­gen zu einem zusätzlichen Schub, sodass die privaten Konsumausga­ben voraussichtlich kräftig anziehen. Die Ausfuhren wer­den ihre jüngste Schwächephase, die nicht zuletzt auf die Probleme beim Fahrzugbau zurückging, zwar rasch hinter sich lassen. Mit der sich allmählich abkühlenden Weltkon­junktur wird aber auch die Dynamik bei den Exporten nachlassen. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Prognose für den Anstieg des Bruttoin­landsprodukts im laufenden Jahr gegenüber unserem Konjunkturausblick vom Herbst um 0,4 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent redu­ziert, für das Jahr 2019 rechnen wir nun mit einer Zu­wachsrate von 1,8 Prozent (Herbst: 2,0 Pro­zent). Im Jahr 2020 dürfte sich die konjunkturelle Dynamik zwar spürbar verringern. Aufgrund der hohen Zahl an Arbeitstagen wird das Bruttoinlandsprodukt aber wohl in ähnlichem Tempo wie im Jahr 2019 zulegen.