Wirtschaftspolitischer Beitrag

Deutschlands Russlandhandel und der Krieg in der Ukraine: Was steht zur Disposition?

Kiel Policy Brief, 163 PDF Download

Die Autoren zeigen, dass die Dynamik des Russlandgeschäfts nach der russischen Krimbesetzung 2014 im Zuge von Sanktionen und Gegensanktionen gebrochen wurde und Russland seitdem als Handelspartner an Bedeutung verloren hat. In einer Analyse nach Warengruppen stellen sie dar, dass einzelne Branchen und Unternehmen abhängiger vom Russlandexport sind, als es sich im Gesamthandel widerspiegelt. Überdurchschnittliche Russlandanteile weisen deutsche Schwergewichte in den Bereichen „Maschinenbau“ oder „Pharma“ auf, ohne dass es aber eine kritische Abhängigkeit vom Russlandexport gibt. Die Achillesferse im deutschen Russlandhandel bleibt der Import von russischem Erdgas, der kurzfristig aufgrund der Leitungsgebundenheit der Lieferungen nicht ersetzbar ist. Statt nach 2014 die Energieimporte stärker zu diversifizieren, stieg die deutsche Abhängigkeit weiter an, was sich an einem Anteil des russischen Erdgases von mittlerweile 55 Prozent zeigt. Aus Sicht der Autoren wäre Russland auf lange Sicht der große Verlierer einer wirtschaftlichen Isolation. Eine wirtschaftliche und politische Entflechtung im Zeitalter der Globalisierung käme Russland teurer als die Autarkiebestrebungen der Sowjetunion während des „Kalten Krieges“.