COVID19

Datenmonitor Corona-Krise

Der Corona-Datenmonitor des IfW Kiel zeigt laufend aktualisierte Indikatoren, die Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland und Europa und die Ausbreitung der Pandemie zulassen. Er gibt damit Hinweise, wie sich das Verhalten von Unternehmen und Menschen angesichts der einschneidenden Auflagen der Regierungen und möglicher Lockerungen verändert.

Stromverbrauch in Deutschland

Nach dem erheblichen Absturz der deutschen Wirtschaft im April erreichte der Stromverbrauch in den Sommermonaten eine anhaltende Bodenbildung. Nach den ersten Lockerungen Ende April pendelte sich der deutsche Stromverbrauch bei einem Level von 8 bis 12 Prozent unter seinem Normalniveau ein und fiel nicht mehr weiter. Die Industrieproduktion korreliert mit dem Stromverbrauch etwa mit dem Faktor 1,5, daher ist davon auszugehen, dass auch sie nicht mehr weiter zurückging und bei einem Level von 12 bis 18 Prozent unter der normalen Auslastung lag. Der Stromverbrauch in Deutschland hat sich während des Lockdowns immer weiter von seinem zu erwartenden Niveau ohne Corona-Effekt entfernt, welches das IfW Kiel mit Hilfe eines ökonometrischen Modells schätzt, das langfristige Trends, saisonale Einflüsse, das Wetter und Feiertage berücksichtigt. Im Sommer setzte eine Erholung ein und im Oktober erreichte der Stromverbrauch wieder sein erwartetes Niveau, um das er seitdem pendelte. Seit Anfang April bewegt er sich um das Erwartungsniveau.

Übersicht der Indikatoren

Schiffsstaus

Hafenschließungen und anderer Verwerfungen aufgrund der Coronakrise führen vermehrt zu Staus von Containerschiffen. Die Grafik zeigt den Anteil der wartenden Containerschiffe im Perlflussdelta und südlich der Ningbo-Zhoushan Häfen in China, sowie vor den Häfen Los Angeles/Long Beach und Savannah. Sowohl während der ersten Coronawelle 2020 als auch während der Schließung des Hafens Yantian im Frühjahr 2021 waren etwa 5% der globalen Schiffskapazität in den zwei bedeutenden chinesischen Gebieten gebunden. Dies erhöht Frachtraten und somit Handelskosten.

Das Frachtvolumen im Roten Meer

Die Grafik misst die summierte Kapazität der Containerschiffe, die sich täglich im Roten Meer und im Suezkanal befinden. Wegen der besonderen geografischen Lage des Roten Meeres spiegelt die Schifffahrt hier die Handelsaktivität zwischen Europa und Asien wieder. Der erwartete Wert berechnet sich aus dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, skaliert auf die Jahre 2020 und 2021 mit Hilfe von vergangenen Wachstumsraten. Zu Beginn der Krise im März sank das tägliche Frachtvolumen stark ab und erholte sich danach nur langsam. Im September 2020 erreichte es erstmal wieder sein erwartetes Niveau, das es im November teils sogar überschritt. In den folgenden Monaten blieb das Frachtvolumen fragil, bewegte sich aber grundsätzlich um die Erwartungen. Anfang März offenbarte sich eine Schwäche des Handels mit einem Einbruch von etwa 13% unterhalb der Erwartungen, der Ausbruch nach oben Anfang April erklärt sich durch die Havarie im Sueskanal und die Warteschlangen südlich des Kanals. Der positive Ausschlag um 24% spiegelte daher kein höheres Handelsvolumen wider. Seit Juni lag die tägliche Frachtkapazität ca. 10% unter dem Erwartungswert bevor sie Mitte August kurzzeitig auf ca. 20% unter das Normalniveau abgesunken ist.

LKW-Fahrleistung

Während der internationale Handel stockt zeigt sich der innerdeutsche Warenhandel weitgehend stabil. Nach einem Rückgang der durchschnittlichen LKW Fahrleistung, gemessen anhand von Mautdaten, während des ersten Lockdowns, ist der Güterverkehr auf der Straße inzwischen wieder auf Normalniveau und zeigt sich stabiler als prognostiziert. Trotz des „Teil-Lockdowns“ im November und des erneuten harten „Lockdowns“ Mitte Dezember stieg die LKW Fahrleistung weiter an und bewegte sich seit Februar konstant über dem Vorkrisen-Niveau und über der mehrjährigen Prognose. Anfang April kam es zu einem Abfall der LKW- Fahrleistung; jedoch erholte sie sich schnell und bleibt seit Mitte April, mit Ausnahme eines kurzzeitigen Absinkens in der 3. Maiwoche, überwiegend über dem Erwartungswert.

Stromverbrauch in der EU

Der deutsche Stromverbrauch ist gegenüber einer Schätzung seit Mitte März um ca. 10 Prozent an Wochentagen gefallen. Im europäischen Vergleich war dieser Rückgang zunächst eher gering: Durch das Virus hart getroffene Länder wie Spanien und Italien hatten ihren Stromverbrauch Mitte April um fast ein Drittel gesenkt. Im Sommer war der Stromverbrauch in den drei Ländern wieder zu seinem Normalniveau zurückgekehrt. Seit Dezember lag er in Spanien sogar über dem Schätzwert und erreichte Anfang Januar einen neuen Höchststand von ca. 10 Prozent über dem Normalniveau, bevor er Anfang Februar auf das erwartete Niveau gesunken ist. Anfang März 2021 war der Stromverbrauch in Deutschland kurzzeitig um ca 7.5 Prozent gegenüber der mehrjährigen Prognose gesunken. Seit Mitte März liegt der Stromverbrauch in den drei Ländern um das Normalniveau.

Stromverbrauch in Österreich

Die Entwicklung Österreichs ähnelt der in Deutschland. Während des harten „Lockdowns“ sank der Stromverbrauch um 10% im Vergleich zum Normalniveau. Seitdem hat er sich nur langsam erholt und zeigt, dass das Hochfahren der Wirtschaft einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Seit dem Anfang November eingeführten „Teil-Lockdown“ stieg der Stromverbrauch zwar weiter an, blieb aber leicht unter dem erwarteten Niveau. Anfang Januar sank der Stromverbrauch erwartungsgemäß stark ab, allerdings blieb er erstmals deutlich über dem Normalniveau. Seit Mitte Januar 2021 hatte er sich wieder unter dem Erwartungswert eingependelt. Nachdem er Anfang März auf ca. 9.3 Prozent unter die Prognose sank, erreichte er Mitte März wieder sein Erwartungsniveau.

Passantendaten

Während des harten „Lockdowns“ kamen durchschnittlich 90% weniger Passanten in deutsche Fußgängerzonen. Seit den Lockerungen sind die Passanten langsam aber stetig zurück in die Innenstädte gekommen. In einigen Städten war man zwischenzeitlich annähernd wieder auf dem Normalniveau. Durch den „Teil-Lockdown“ war das Passantenaufkommen im November wieder deutschlandweit gesunken und hatte sich zeitweilig bei minus 30 bis 50% unter Normalniveau eingependelt. Durch den erneuten harten „Lockdown“ im Dezember sank das Passantenaufkommen noch einmal auf minus 70 bis 90% ab. Damit erreichten die Zahlen im Januar fast in allen Städten den gleichen Tiefstand wie während des harten „Lockdowns“ im März; in Frankfurt a.M. ist das Passantenaufkommen sogar unter das Niveau im März gesunken. Durch den anhaltenden „Lockdown“ stagnierte die Anzahl an Passanten in allen Städten auf tiefem Niveau. Erst Mitte März war das Passantenaufkommen in den meisten Städten wieder leicht angestiegen, um allergings in der 2. Aprilwoche wieder zu sinken. Ab Mitte Mai steigt es deutschlandweit stark an und erreichte im August in den meisten Städten wieder das Normalniveau. Die Abweichung für Dortmund von Juli bis Ende September ist auf eine Baustelle in der erfassten Straße zurückzuführen.

Suche nach einem Eigenheim

Die Suche nach einem Eigenheim beginnt häufig mit einer Suche im Internet. Das Volumen der Google-Suchanfragen nach "Haus kaufen" könnte somit ein guter Indikator für die Nachfrage nach Immobilien sein. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche. Zwischenzeitlich hatte sich die Anzahl der Suchanfragen fast halbiert — seit Ende März hat sie sich weitestgehend wieder stabilisiert und sich in den meisten Städten über dem Durchschnittsniveau der ersten Märzwoche eingependelt. Seit Oktober war das Volumen der Google-Suchanfragen nach „Haus kaufen“ in vielen Städten wieder teilweise unter das Durchschnittsniveau gesunken. Seit Anfang 2021 hat es sich aber in vielen Städten über dem Niveau vom März 2020 eingependelt.

Suchanfragen nach Taxi

Die Maßnahmen des "Lockdowns" haben viele Firmen in ihrem eigentlichen Handeln eingeschränkt, die Bevölkerung war aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Geschäfts- und Privatreisen wurden abgesagt. Das Volumen von Suchanfragen nach einem Taxi spiegelt dies: Im Vergleich zur ersten Märzwoche ist die Anzahl der Suchanfragen zeitweise um ca. 50 Prozent zurückgegangen. Im Juli war sie in vielen Städten zurück auf früheren Niveaus. Allerdings war sie in mehreren Städten bereits seit Anfang Oktober erneut zurückgegangen bevor sie sich Anfang 2021 kurzzeitig wieder um den Durchschnittswert der ersten Märzwoche 2020 einpendelte. Nach Januar 2021 ging die Anzahl der Suchanfragen nach Taxis wieder um ca. 40 Prozent zurück, bevor sie seit April in fast allen Städten kontinuierlich angestiegen ist und sie sich seit Ende Juni in vielen Städten über dem Erwartungsniveau bewegt.

Google Maps Suchanfragen

Google Maps ist ein häufig genutzter Routenplaner für den Nah- und Fernverkehr. Das Volumen der Suche nach dem Dienst ist somit ein guter Indikator für die Mobilität der Bevölkerung in Deutschland. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche, d.h. seit Mitte März sank die Anzahl der Suchanfragen um mehr als die Hälfte — Deutschland blieb zu Hause. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung im Sommer, sind die Suchanfragen seit Oktober allerdings wieder gesunken und erreichten Ende Dezember in einigen Städten neue Tiefpunkte unter dem Niveau des ersten harten „Lockdowns“ im März. Seit Anfang 2021 ist das Volumen der Google Maps Suchanfragen wieder gestiegen und erreichte Mitte Juli fast deutschlandweit wieder das Durchschnittsniveau der ersten Märzwoche 2020.

Nachfrage nach CO2-Zertifikaten

Die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten ist ein Indikator für die von der Industrie erwartete Produktion. Der Preis für 1 Tonne CO2 ist zu Beginn der Krise um fast 40% stark eingebrochen. Seit dem Tiefpunkt Ende März hat er sich aber wieder vollständig erholt und ist seit November 2020 kontinuierlich angestiegen. Ende September 2021 erreichte der Preis einen neuen Höchststand von ca. 63 Euro/Tonne CO2. Dies entspricht einem Anstieg von ca. 150% im Vergleich zum Vorkrisen-Niveau im März 2020. 

Kiel Policy Briefs zum Thema Corona

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