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Weltwirtschaftlicher Preis 2019 verliehen

23.06.2019

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) und seine Partner, die Landeshauptstadt Kiel und die IHK Schleswig-Holstein, haben heute in Kiel zum 15. Mal den Weltwirtschaftlichen Preis verliehen. Die diesjährigen Preisträger hätten gemeinsam, dass sie sich der enormen Bedeutung verlässlicher und fairer Regeln für unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem bewusst seien, und dabei genau wüssten, dass diese einer beständigen Weiterentwicklung bedürfen, sagte IfW-Präsident Felbermayr.

Die Preisverleihung fand am Vormittag im Rathaus der Landeshauptstadt Kiel statt. Ausgezeichnet als Vordenker einer weltoffenen, marktwirtschaftlichen und sozialen Gesellschaft wurden: 

  • Dr. Wolfgang Schäuble MdB (76), Präsident des Deutschen Bundestages, Kategorie Politik.
  • Hikmet Ersek (58), Präsident und Vorstandsvorsitzender, Western Union, Kategorie Wirtschaft.
  • Prof. Daron Acemoglu, Ph.D. (51), Professor für Volkswirtschaftslehre, Massachusetts Institute of Technology , Kategorie Wirtschaftswissenschaft.

Der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Daniel Günther, der Oberbürgermeister der Stadt Kiel, Dr. Ulf Kämpfer, der Vizepräsident der IHK Schleswig-Holstein, Klaus-Hinrich Vater, sowie der Präsident des IfW Kiel, Gabriel Felbermayr, begrüßten die rund 250 Gäste.

Felbermayr betonte in seiner Rede und seinen Laudationes auf die Preisträger die Wichtigkeit von Regeln und Institutionen für eine funktionierende und prosperierende Gesellschaft und dankte den Preisträgern, diese vorangebracht oder das Bewusstsein dafür geschärft zu haben.

Wolfgang Schäuble habe stets nach dem Grundsatz „Regeln schaffen Verlässlichkeit und Vertrauen“ gehandelt. „Sie sind Kopf und Motor der Europäischen Integration, Architekt der deutschen Einheit und erfolgreichster Schuldenbremser in der deutschen Nachkriegsgeschichte – und das in nur einem Leben!“, so Felbermayr. „Wir ehren Sie heute als einen aufrechten Verfechter der regelbasierten Ordnung in stürmischen Zeiten. Nicht nur als einen Verteidiger, sondern auch als einen mutigen Gestalter.“

Daron Acemoglu sei ein echter Superstar der Ökonomie. „Seine Forschung zeigt, dass die institutionelle Qualität eines Landes über sein Wohlergehen entscheidet und wichtiger ist als die geographischen oder klimatischen Bedingungen. Ist ein Land durch demokratische Wahlen, wirtschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten für alle und individuelle Eigentumsrechte geprägt, kann es leichter den Aufstieg schaffen. Übt eine kleine Elite die politische Macht aus und bestimmt die Verteilung ökonomischer Ressourcen, stehen die Entwicklungschancen eher schlecht.“

Über Hikmet Ersek, Sohn türkisch-österreichischer Eltern, sagte Felbermayr: „Er ist ein echter Kosmopolit. Seine Firma Western Union ist für Millionen von Migranten ein vertrauenswürdiger Partner, aber auch nicht frei von Kritik. Er hat in seinen Rollen oft erfahren, dass Gesinnungsethik und Verantwortungsethik in einem schwierigen Spannungsverhältnis stehen, dass stabile Regeln die Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften und für die Erfüllung eines gesellschaftlichen Auftrages sind, dass diese Regeln aber einen moralischen Unterbau benötigen.“

Der Weltwirtschaftliche Preis ist eine Initiative des IfW Kiel und wird jährlich in enger Kooperation mit der Landeshauptstadt Kiel und der IHK Schleswig-Holstein verliehen. Der undotierte Preis soll einen Anstoß geben, die großen weltwirtschaftlichen Herausforderungen durch kreative Problemlösungen zu bewältigen. Ausgezeichnet werden einflussreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die einen besonderen Beitrag zu einer auf Eigenverantwortung basierenden, sozial verantwortungsvollen Gesellschaft geleistet haben.

Dr. Wolfgang Schäuble MdB, Bundestagspräsident:

„Ein handlungsfähiges Europa scheint heute fast die einzige Chance, um in dieser Welt unsere Vorstellungen von der Ordnung, in der wir leben wollen, relevant zu halten. Wir dürfen deshalb nicht bequem werden. Die Gefahr der Complacency, der Selbstzufriedenheit, lauert überall. Barack Obama hat in seiner Abschiedsrede gesagt: Die größte Gefahr für die Demokratie ist, dass wir sie als selbstverständlich gegeben ansehen. Das gilt genauso für die wirtschaftliche Prosperität, unseren Wohlstand und die soziale Sicherheit, um die uns die Welt beneidet – und es gilt eben auch für die Errungenschaften des vereinten Europa.“

Hikmet Ersek, Präsident und Vorstandsvorsitzender, Western Union:

„In Zeiten von Handelskriegen und zunehmendem Nationalismus hat Globalisierung nur eine Perspektive, wenn wir als Führungskräfte Verantwortungsbewusstsein zeigen und uns dazu verpflichten, eine neue und wirklich gerechte Globalisierung zu schaffen, die sich der Einbeziehung aller Menschen als Grundwert verschreibt."

Daron Acemoglu, Professor für Volkswirtschaftslehre, Massachusetts Institute of Technology (MIT):

„In der Begründung, warum ich diese Auszeichnung erhalte, ist meine Forschung zu den Ursachen von Armut erwähnt – in der Tat ist diese eine der Hauptmotivationen für einen Großteil meiner Arbeit, und sie hat sich in die beiden Bereiche verzweigt, die mich in den letzten 25 Jahren beschäftigt haben: Institutionen und Technologie. In beiden Bereichen ist meine Arbeit ein kleiner Teil einer größeren Collage, die von Dutzenden von Wissenschaftlern erstellt wurde, und ich fühle mich glücklich, für diese gemeinsame Anstrengung Anerkennung zu finden. Wenn wir die Armut in der ganzen Welt verstehen wollen, müssen wir die Institutionen verstehen, woher sie kommen und wie sie funktionieren. Die Erforschung politischer und sozialer Institutionen muss im Mittelpunkt der Armutsforschung stehen.“

Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holstein:

„Die Auswahl der Preisträger dokumentiert erneut das große wirtschaftliche und politische Ansehen des Weltwirtschaftlichen Preises. Schleswig-Holstein nutzt seine Bundesratspräsidentschaft im Besonderen auch für ein starkes Bekenntnis zur Europäischen Union und für eine intensive europäische Zusammenarbeit. Die Auszeichnung Wolfgang Schäubles mit dem Weltwirtschaftlichen Preis ist auch in diesem Kontext ein wichtiges Zeichen, denn die Einheit Europas ist ein bestimmendes Merkmal seiner politischen Arbeit. Auch ihm verdanken wir es, dass die Integration Europas bis heute so weit fortgeschritten ist.“

Dr. Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel:

„Die Verleihung des Weltwirtschaftlichen Preises leistet einen wichtigen Beitrag zu Fragen von globaler Bedeutung. Ich freue mich sehr, dass das Institut für Weltwirtschaft die Tradition der Verleihung während der Kieler Woche auch unter neuer Leitung fortführt. Die Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger zeugt vom großen Renommee dieses Preises. Mit Dr. Wolfgang Schäuble, Hikmet Ersek und Prof. Daron Acemoglu wird diese Liste in diesem Jahr um drei hochkarätige Namen ergänzt.“

Klaus-Hinrich Vater, Präsident der IHK zu Kiel und Vizepräsident der IHK Schleswig-Holstein:

„Freier Handel und arbeitsteiliges Wirtschaften waren jahrzehntelang die Wachstumsmotoren in der Welt und haben Europa, Deutschland und Schleswig-Holstein Wohlstand gebracht. Es braucht faire und verlässliche Rahmenbedingungen und Freiraum, damit sich die Ideen der kreativen Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gegenseitig befruchten und Produktives schaffen. Genau diesen Freiraum und den damit einhergehenden Austausch brauchen wir auch in Zukunft – in allen gesellschaftlichen Bereichen und allen Regionen der Welt. Der Weltwirtschaftliche Preis zeichnet Köpfe aus, die als Vorbilder für einen solchen offenen, kooperativen und dennoch kompetitiven Ansatz gelten können.“

Weitere Informationen über den Weltwirtschaftlichen Preis und die diesjährigen Preisträger finden Sie hier.

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