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Risiko zahlt sich bei Staatsanleihen aus

28.02.2019

Investoren, die Krisenländern wie Venezuela, Argentinien oder der Ukraine Geld leihen handeln sehr viel klüger, als bislang gedacht. Denn Schuldentitel riskanter Länder waren in den vergangenen rund 200 Jahren sehr lukrativ und erzielten eine vergleichbare Rendite wie Aktien.

United States Treasury Savings Bonds

Trotz globaler Krisen, immer wiederkehrenden Staatsbankrotten und Kriegen lag die Rendite von Staatsanleihen aus krisengeplagten Ländern in den letzten rund 200 Jahren inflationsbereinigt im Durchschnitt bei 7 Prozent pro Jahr. Dies übertrifft einen Großteil anderer Anlageklassen und liegt etwa auf dem Niveau von Aktieninvestments. Im Vergleich dazu brachten als sicher geltende Staatsanleihen aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien im Schnitt nur 3 Prozent Rendite. Ein höheres Ausfallrisiko zahlt sich bei Staatsanleihen also aus.

Dies zeigen Josefin Meyer und Christoph Trebesch vom Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) gemeinsam mit der Harvard-Ökonomin Carmen Reinhart in einem aktuellen Forschungspapier mit dem Titel „Sovereign Bonds since Waterloo“. Sie werteten zwischen der Schlacht von Waterloo 1815 und 2016 insgesamt 220.000 Preise an den Börsen New York und London für Staatsanleihen aus 91 Ländern aus, darunter sowohl heutige Industrienationen als auch Schwellen- und Entwicklungsländer, und berechneten die Gläubigerverluste bei mehr als 300 Schuldenschnitten.

Je mehr Staatspleiten, desto höher die Rendite

Das Papier erklärt erstmals, warum auch hochriskante Länder immer wieder an frisches Geld kommen, wie etwa Argentinien im Jahr 2017, als das Land kurz nach dem siebten Staatsbankrott eine Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit platzieren konnte. Meyer, Reinhart und Trebesch liefern damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung über Staatsschulden, denn bisherige Analysen nutzten eine sehr viel kleinere Datenbasis und kamen meist zu dem Schluss, dass Investoren im Schnitt kaum Renditevorteile auf riskante Staatsanleihen haben.

Laut Studie war die Rendite eines Schuldentitels im Schnitt umso höher, je mehr Staatspleiten ein Land bereits verzeichnen musste. Mexiko und Kolumbien etwa durchlebten 10 Staatsbankrotte, ihre Schuldentitel brachten im historischen Durchschnitt dafür aber eine Rendite von über 10 Prozent, Zahlungsausfälle eingerechnet. „Unsere empirische Studie zeigt, dass es im Schnitt ein gutes Geschäft ist, Krisenländern Geld zu leihen, weil die zu erwartende Rendite mit dem Ausfallrisiko von Staatspapieren steigt“, sagte Christoph Trebesch, Leiter des Forschungsbereiches Internationale Finanzmärkte und Global Governance am IfW Kiel. „Zahlungsausfälle und Umschuldungen sind bei Staatsanleihen zwar Teil des Risikos, Anleger werden dafür aber kompensiert. Die Historie ist gekennzeichnet durch gute Verdienstmöglichkeiten bei gelegentlichen Verlusten, besonders wenn man das Risiko über viele Länder streut.“

Kursrally nach Staatsbankrott mildert Verluste häufig

Kommt es tatsächlich zu einem Staatsbankrott, gehen Gläubiger in der Regel dennoch nicht leer aus. Häufig werden Verluste durch eine anschließende Kursrally abgemildert. Investoren, die zwei Jahre vor einem Staatsbankrott entsprechende Papiere kauften, hatten ihre Verluste im Durchschnitt etwa fünf Jahre nach der Pleite wieder wettgemacht. Allerdings ist die Schwankung zwischen einzelnen Titel sehr groß, sowohl große Verluste als auch Gewinne traten im Einzelfall auf.

Die Schlacht von Waterloo 1815 kann als Geburtsstunde moderner Staatsanleihemärkte gesehen werden. Napoleons Niederlage und das Ende der französischen Herrschaft über Spanien verhalf zahlreichen Republiken in Lateinamerika zur Unabhängigkeit, die dann zur Finanzierung Schuldentitel an der Londoner Börse verkauften und damit einen Boom für Staatsanleihen auslösten. 1825 folgte die erste Verkaufspanik. Seither folgten viele weitere Boom-Bust-Zyklen, von einer Staatspleite waren oftmals immer wieder dieselben Länder betroffen.

Die Studie ist jetzt als Arbeitspapier beim National Bureau of Economic Research erschienen

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