Medieninformation

Leichte Abkühlung der deutschen Logistikkonjunktur

19.06.2017

Das Konjunkturklima in der deutschen Logistikwirtschaft hat sich im laufenden Quartal etwas abgekühlt. Der vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Auftrag der Bundesvereinigung für Logistik (BVL) erstellte Logistik-Indikator ging im zweiten Quartal 2017 leicht zurück.

Grund für den Rückgang um gut 4 Punkte auf jetzt 134,1 Zähler ist eine deutliche Eintrübung der Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate (minus 12,3 Zähler). Demgegenüber hat die Lageeinschätzung für das laufende Quartal noch weiter um 4 Punkte zugelegt. Unterschiedliche Ergebnisse zeigen sich auf beiden Marktseiten: Die konjunkturelle Abkühlung in der Logistikwirtschaft geht vor allem auf die Logistikanwender in Industrie und Handel zurück. Deren Klimawert hat sich um 11,5 (auf 125,7) Punkte verringert. Das Klima der Logistikdienstleister hat sich dagegen sogar leicht um gut 3 Punkte (auf 142,5) verbessert.

Insgesamt bewegt sich das gemessene Konjunkturklima weiterhin oberhalb des langfristigen Indikatordurchschnittes und zeigt somit immer noch eine expansive Grundtendenz an. Die Kurzfristeinschätzung für das kommende Quartal ist gemischt, da sich Optimisten und Pessimisten im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung der kommenden 3 Monate auf beiden Marktseiten in etwa die Waage halten. „Es ist wieder einmal die gefühlte Unsicherheit, die aus eigener Kraft nicht nachhaltig überwunden werden kann, welche zu einer Eintrübung führt. Abzuwarten ist aber die falsche Strategie, insbesondere in den hoch dynamischen Zeiten der Digitalisierung von Supply Chain Management und Logistik. Besser ist es, in den Unternehmen Energien und Kompetenzen für die Entwicklung des Geschäfts einzusetzen“, sagte Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL), zu den Ergebnisse der Befragungen.

Anbieterseite: Geschäftslage verbessert, Erwartungen etwas rückläufig

Sämtliche Lageindikatoren der Logistikdienstleister haben moderat zugelegt. Insbesondere die Kapazitätsauslastung und die Geschäftslage haben sich im Vergleich zum Vorquartal verbessert, und auch der inländische Auftragseingang legte zu. „Die Erwartungskomponenten – mit Ausnahme der Investitionsbereitschaft – lagen dagegen leicht hinter den vor drei Monaten ermittelten Werten zurück, insbesondere die Bereitschaft zum Aufbau von Personal hat offenbar nachgelassen,“ sagte Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.

Anwenderseite: Lage nur leicht verschlechtert, Erwartungen deutlich schwächer

Die Lageeinschätzung der Logistikanwender in Industrie und Handel zeigt sich gegenüber dem Vor-quartal nur leicht verschlechtert. Hierzu trug bei, dass die Kapazitätsauslastung etwas weniger hoch eingeschätzt wurde. Auch die Nachfrage nach Logistikleistungen wurde als etwas schwächer angesehen. Bei den 12-Monats-Erwartungen haben sich – mit Ausnahme der unverändert expansiv eingeschätzten grenzüberschreitenden Logistikbedarfe – alle Indikatoren deutlich abgeschwächt. „Dies deutet darauf hin, dass die Befragten den Dämpfer für die Logistikkonjunktur weniger als außenwirtschaftlich bedingt ansehen. Sie erwarten vielmehr schwächere Auftriebskräfte aus der Binnenwirtschaft. Auch bei den Logistikanwendern ist die Bereitschaft zum Personalaufbau nun offenbar weniger ausgeprägt als noch im Vorquartal“, so Kooths.

Digitales Marketing

Zusätzlich wurden die Unternehmen zum Themenfeld „Digitales Marketing“ befragt. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Beide Marktseiten schätzen die Bedeutung digitaler Kanäle für die Kundengewinnung und -bindung als sehr hoch ein. Nur etwa 10 Prozent der Befragten stuften das Thema als eher unbedeutend ein (Bewertungen 0 und 1 auf einer Skala von 0 bis 5), etwa ein Drittel als mittelmäßig wichtig (Bewertungen 2 und 3) und etwa 55 Prozent als sehr wichtig (4 und 5).

Auf die Frage, wie stark die Unternehmen im Bereich Digitalmarketing unterwegs sind, gab nur ein knappes Viertel der Befragten an, dieser Bereich sei bisher „gar nicht“ oder nur „gering“ ausgeprägt. Mehr als drei Viertel der Befragten bewertete die Ausprägung digitaler Aktivitäten in ihrem Unternehmen dagegen als „mittel“ bzw. „stark“. Dabei gehen die Logistikdienstleister dieses Themenfeld offenbar noch etwas systematischer und professioneller an.

Trotz der wachsenden Bedeutung digitaler Plattformen und Kanäle wird der Löwenanteil der Geschäfte bislang allerdings noch auf anderen Wegen abgeschlossen: Gut ein Viertel der Befragten gab an, dass bei ihnen keinerlei Geschäfte über digitale Vertriebskanäle abgeschlossen werden, und weitere 50 Prozent der Befragten bezifferten den Anteil solcher Geschäftsabschlüsse auf weniger als ein Viertel. Nicht einmal jeder Zehnte gab an, dass die Mehrzahl der Geschäfte über digitale Vertriebskanäle zustande kommt. Insgesamt scheint die Bedeutung von Geschäftsabschlüssen auf digitalem Weg allerdings aufseiten der Logistikdienstleister etwas höher zu sein.

Der Logistik-Indikator wird quartalsweise vom IfW im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik ermittelt.

Der Logistik-Indikator wird vom Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. berechnet. Er basiert auf der quartalsweisen Expertenbefragung der jeweils 100 größten deutschen Unternehmen, für die Logistikleistungen als Anbieter (Logistikdienstleister) bzw. als Anwender in Industrie und Handel eine besondere Rolle spielen. Die Befragung läuft jeweils in der ersten Hälfte des mittleren Quartalsmonats. Das Fragendesign zielt auf die konjunkturelle Beurteilung der mit Logistikleistungen verbundenen ökonomischen Aktivitäten innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland ab. Sämtliche quartalsbezogenen Fragen beziehen sich auf eine jahreszeitlich übliche (um saisonale Effekte bereinigte) Einschätzung.

Verlauf Gesamtindikator (Indexpunkte)

Experten

Ulrike Grünrock-Kern

Guest, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.
T 0421 17 38 421