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Update Konjunkturbericht: Deutsches BIP dürfte 2020 zwischen 4,5 und 9 Prozent einbrechen

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Demzufolge fällt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 4,5 Prozent, sofern die derzeitige Stresssituation bis Ende April andauert und sich dann ab Mai allmählich entspannt. Dies wäre ein Rückgang der Wertschöpfung von 150 Milliarden Euro. Setzt die Erholung erst drei Monate später im August ein, würde das deutsche BIP um 8,7 Prozent fallen.

In seiner Frühjahrsprognose war das IfW Kiel noch von einem Rückgang des BIP 2020 um nur 0,1 Prozent ausgegangen, da sich die massiven Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung in Deutschland durch die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch nicht in der heutigen Dramatik abzeichneten.

In beiden Szenarien rechnet das IfW Kiel im März mit einem Rückgang des BIP im Vergleich zum Vormonat um fast 18 Prozent. Dieses niedrige Niveau wird voraussichtlich auch im April noch weitgehend Bestand haben. Für die weitere Entwicklung unterscheiden die Forscher ein V- und ein U-Szenario:

  • Im V-Szenario lassen die dämpfenden Maßnahmen ab Mai allmählich nach, und die Corona-bedingten Produktionsausfälle klingen binnen sechs Monaten ab.
  • Das U-Szenario sieht vor, dass die Erholung erst im August einsetzt und die Produktion in den verschiedenen Branchen erst zu Beginn des kommenden Jahres auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehrt.

Aufgrund der weltweiten Belastung der Konjunktur gehen beide Szenarien von keinen nennenswerten Nachholeffekten im weiteren Jahresverlauf aus, auch wenn dafür freie Kapazitäten – vor allem in der Industrie – verfügbar wären.

2021 legt das BIP aufgrund der Aufholeffekte in beiden Szenarien kräftig zu. Im V-Szenario um 7,2 Prozent, im U-Szenario um 10,9 Prozent.

„Das U-Szenario unterstellt einen fast halbjährigen Lockdown weiter Teile des Wirtschaftslebens und geht damit an die Grenze dessen, was man sich derzeit vorstellen kann. Daher dürfte die tatsächliche Entwicklung näher am V- als am U-Szenario liegen“, sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.

Zu den besonders betroffenen Wirtschaftsbereichen, für die ein anfänglicher Rückgang der Kapazitätsauslastung um 90 Prozent unterstellt wird, zählen Gastgewerbe, Luftfahrt sowie die Freizeitbranchen (Reisen, Sport, Unterhaltung). Der Fahrzeugbau als eines der Schwergewichte der deutschen Wirtschaft schränkt in dieser Rechnung seine Produktion zwischenzeitlich um bis zu 70 Prozent ein. Der Einzelhandel schrumpft während der Lockdown-Phase um 40 Prozent, wobei Lebensmittelhändler einen Teil der wegfallenden Gaststättenumsätze wettmachen.

Fast die Hälfte der deutschen Wirtschaft dürfte indes nur geringe oder gar keine Einbußen verzeichnen, allen voran das Grundstücks- und Wohnungswesen, die Informations- und Telekommunikationsbranche sowie weite Teile des öffentlichen Dienstes (Verwaltung, Erziehung und Wissenschaft, Heime und Sozialwesen). So wird sich wohl trotz geschlossener Bildungseinrichtungen und dem damit verbundenen Unterrichtsausfall aufgrund der Erhebungssystematik der amtlichen Statistik in diesem Bereich kein nennenswerter Rückgang in der ausgewiesenen Wirtschaftsleistung ergeben.

Neben dem Lebensmitteleinzelhandel werden im Wesentlichen nur die Zustelldienste ihre Aktivität vorübergehend ausweiten. Im Gesundheitswesen dürfte die Auslastung hingegen bis zum Ende des Jahres deutlich erhöht bleiben.

Kooths: „Die Entwicklung in diesem Jahr stellt eine krasse Ausnahmesituation dar. Die Produktionseinbußen sind der Reflex auf einen massiven exogenen Schock, für den es in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte keine Vergleichsmuster gibt. Der Einbruch der Börsenkurse und das Zurückfahren von Produktionsprozessen erfolgt viel rasanter als während der durch die Globale Finanzkrise ausgelösten Großen Rezession 2008/2009. Allerdings sind auch die Chancen gut, rascher wieder aus dem Produktionstal herauszukommen."