Wirtschaftspolitischer Beitrag

Öko-Abwrackprämie trägt wenig zum Klimaschutz bei

Kiel Focus

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Eine so genannten Abwrack- oder Innovationsprämie soll helfen, die Autoindustrie nach der Corona-Krise aus dem Absatztief zu bringen und gleichzeitig das Klima zu schützen. Doch dem Klimaschutz ist selbst dann kaum gedient, wenn die Prämie nur für E-Autos fließt, wie eine einfache Rechnung zeigt.

Um den wirtschaftlichen Einbruch in Folge des Corona-Lockdowns schneller zu überwinden, wurde in den vergangenen Wochen häufig die erneute Einführung der Abwrackprämie aus dem Jahr 2009 gefordert. Insbesondere wurde auch angeregt, die neue Abwrackprämie an ökologischen Gesichtspunkten zu orientieren und damit einen Anreiz zum Kauf klimafreundlicherer Autos, insbesondere Elektroautos zu bieten. Eine Maßnahme, die gleichzeitig die Konjunktur ankurbelt und den Klimaschutz beflügelt, erscheint auf den ersten Blick sehr verlockend.

Bei genauerem Hinsehen erweist sich eine solche Öko-Abwrackprämie jedoch als relativ wirkungslos für den Klimaschutz: Es werden nur sehr wenige Treibhausgasemissionen eingespart, selbst wenn sich im Idealfall alle Nutzer der Prämie für ein Elektroauto entscheiden würden. Dies liegt daran, dass auch bei der Fahrzeugherstellung und –entsorgung viele Treibhausgasemissionen anfallen. Bei den existierenden Autos sind die Emissionen für die Herstellung schon angefallen und die für die Entsorgung fallen ohnehin an, unabhängig davon, ob man das Auto jetzt abwrackt oder noch weiter nutzt. Dies bedeutet, dass man diese Emissionen bei der Umweltbilanz einer möglichen Weiternutzung nicht veranschlagen darf. Bei dem neu zu produzierenden Elektroauto sind die Emissionen aus Herstellung und Entsorgung jedoch proportional zur Nutzungsdauer anzurechnen.    

Unter diesen Bedingungen lassen sich die Umweltwirkungen der Abwrackprämie leicht berechnen. Gemäß einer aktuellen Studie des ADAC aus dem Oktober 2019 verursacht ein Elektroauto der Golfklasse beim derzeitigen Strommix in Deutschland Treibhausgasemissionen in Höhe von 172,56 Gramm je gefahrenem Kilometer bzw. 17,256 Kilogramm je 100 km. In dieser Rechnung sind die Emissionen aus Fahrzeugherstellung und –entsorgung, der Fahrzeugnutzung sowie der Energiebereitstellung enthalten. Wie fällt der Vergleich mit einem vorhandenen Benziner oder Diesel aus, der anstelle des Elektroautos abgewrackt werden soll? Beim Verbrenner sind, wie oben beschrieben, nur die Emissionen aus Fahrzeugnutzung und Energiebereitstellung zu berücksichtigen. Gemäß dem Umweltbundesamt betragen die Treibhausgasemissionen unter Berücksichtigung der Kraftstoffproduktion und –bereitstellung 3,08 kg je Liter Diesel und 2,73 kg je Liter Benzin. Wenn wir diese Werte mit dem Verbrauch pro 100 km des Fahrzeugs multiplizieren erhalten wir die Emissionen je gefahrenen 100 km, die wir direkt mit den 17,256 kg des Elektroautos vergleichen können. Somit wäre eine Abwrackung bei gleichzeitigem Kauf eines Elektroautos nur dann klimafreundlich, wenn das abzuwrackende Fahrzeug mehr als 5,6 Liter Diesel bzw. 6,32 Liter Benzin verbrauchen würde. Da es sich aus Vergleichbarkeitsgründen bei allen Fahrzeugen um Fahrzeuge aus der Golfklasse handelt, dürfte der Effekt auf das Klima sehr gering ausfallen.

Als Fazit dieser Berechnungen kann man feststellen, dass die Abwrackprämie aus konjunkturpolitischer Sicht sinnvoll sein mag, sie jedoch aufgrund der geringen Klimaschutzwirkung nicht im grünen Mäntelchen verkauft werden darf.


Coverfoto:  © European Union 2014-EP

In der Reihe Kiel Focus veröffentlicht das Institut für Weltwirtschaft Essays zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen für deren Inhalte die Autorinnen und Autoren alleine verantwortlich zeichnen. Die in den Essays abgeleiteten wirtschaftspolitischen Empfehlungen spiegeln nicht notwendigerweise die Empfehlungen des Instituts für Weltwirtschaft wider.