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Ukraine Support Tracker: Neue Hilfszusagen für die Ukraine fallen auf fast null

18.08.2022

Die Ukraine erhält aus dem Westen kaum noch neue Hilfszusagen. Insbesondere die großen europäischen Länder wie Deutschland, Frankreich oder Italien haben im Juli keine nennenswerten Militär- oder Finanzhilfen angekündigt. Allerdings verkleinerte sich die Lücke zwischen zugesagter und tatsächlich geleisteter Unterstützung. Das ergeben die Auswertungen für das jüngste Update des Ukraine Support Trackers

Im nun zusätzlich für den Ukraine Support Tracker erfassten Zeitraum (2. Juli bis 3. August) sind als neue Zusagen lediglich rund 1,5 Mrd. Euro an Unterstützungszusagen hinzugekommen. Das ist ein Bruchteil dessen, was etwa im April oder Mai zugesagt wurde. Der größte Teil der neuen Zusagen kommt zudem aus einem Land, Norwegen, in Form einer Finanzhilfe von 1 Mrd. Euro. Insgesamt sind jetzt Unterstützungszusagen von 84,2 Mrd. Euro erfasst.

„Im Juli haben die Geberländer vor allem Zugesagtes geliefert und wenig Initiativen für neue Hilfen angestoßen“, sagt Christoph Trebesch, Forschungszentrumsdirektor am IfW Kiel und Leiter des Teams, das den Ukraine Support Tracker erstellt. So hat Deutschland im Juni und Juli kaum neue Waffen zugesagt, jedoch einige bereits zugesagte Waffensysteme geliefert. „Noch immer liegt die finanzielle wie militärische Unterstützung deutlich unter dem Bedarf der Ukraine. Sie bleibt auch klein im Verhältnis zu dem, was die Geber zum Teil in ihren eigenen Ländern zur Krisenabwehr mobilisieren“, sagt Trebesch.

Von Umfang und Konstanz her zeigen sich die USA, die EU-Kommission und Großbritannien als verlässlichste Unterstützer der Ukraine. Die Amerikaner haben vor allem im März und Mai große Pakete beschlossen, die seitdem in Tranchen abgerufen werden. Die Briten sind im Länderranking hinter den USA auf Platz 2 und haben mittlerweile doppelt so hohe Hilfen zugesagt wie Deutschland, das mit Kanada und Polen in etwa gleichauf liegt. Bemerkenswert ist die Konstanz der Hilfen aus angelsächsischen Ländern. „Die EU-Kommission setzt sich regelmäßig für größere Hilfspakete an die Ukraine ein. In der Umsetzung kommt es aber auf Ebene der Mitgliedsländer immer wieder zu Verzögerungen. Für ein Land in einer Kriegssituation sind jedoch neben dem Umfang vor allem Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit der Hilfe entscheidend“, sagt Trebesch. Bedeutende EU-Länder wie Frankreich, Spanien und Italien leisten bislang wenig Unterstützung oder bleiben intransparent, was ihre Hilfen angeht.


Über den Ukraine Support Tracker

Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische, finanzielle und humanitäre Hilfen, die der Ukraine seit dem 24. Januar 2022 (aktuell bis zum 3. August 2022) zugesagt wurden. Berücksichtigt sind 40 Länder, spezifisch die EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7, Australien, Südkorea, Türkei, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei, China, Taiwan und Indien. Erfasst sind Zusagen, die Regierungen dieser Länder der ukrainischen Regierung gemacht haben; Hilfszusagen der EU-Kommission und der Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt; private Spenden oder solche internationaler Organisationen wie des IWF sind in der Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind Hilfen an Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder – etwa für die Aufnahme von Geflüchteten.

Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.

Der Ukraine Support Trackers wird laufend erweitert, korrigiert und verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an E-Mail verschleiert. Bitte Javascript aktivieren. geschickt werden.

Mehr Informationen und alle Detaildaten finden Sie auf der Webseite des Ukraine Support Trackers.

Mehr zur Methodik des Ukraine Support Trackers steht in einem vertiefenden Kiel Working Paper:

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