Statement

Chips Act: EU sollte sich am Subventionswettlauf nicht beteiligen

10.02.2022

Prof. Dr. Stefan Kooths, Vizepräsident und Forschungsdirektor Konjunktur und Wachstum am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert den diese Woche von der EU-Kommission vorgestellten „Chips Act“:

Kiel Institute Statements - Stefan Kooths

„Der Chips Act der EU ist ökonomisch hochproblematisch, insbesondere weil er auf einer erheblichen Anmaßung von Wissen beruht. Bürokraten können das Marktpotenzial einzelner Industrien schlechter beurteilen als die unternehmerischen Akteure. Dieser Wissensvorsprung macht nicht nur staatliche Interventionen überflüssig, sondern versetzt Unternehmen in die Lage, den Staat bei der Subventionsvergabe auszubeuten. Ein Marktversagen ist weit und breit nicht in Sicht, wohl aber ein weltweiter Subventionswettlauf, an dem sich die EU nicht beteiligen sollte.

Subventionen ändern nichts an der Versorgungssicherheit. Chips werden nicht innerhalb von Ländergrenzen verkauft, sondern auf dem Weltmarkt gehandelt. Eine Monopolisierung des Weltmarkts steht ohnehin nicht zu befürchten. Wenn der Aufbau von Chip-Produktionen andernorts hochsubventioniert wird, ist es klug, die Finger davon zu lassen. Wir können dann die Chips aus Asien oder den USA kaufen und so deren Subventionen ausbeuten. Produzenten in Europa können sich dann auf andere Güter spezialisieren, wo sich komparative Vorteile ergeben.

Wenn die Angst davor, dass die Chip-Versorgung von China als Waffe eingesetzt wird, sich vergrößert, werden sich Unternehmen aus eigenem Antrieb dort nicht ansiedeln – nichts fürchten Investoren mehr als das Risiko der Enteignung. Darüber hinaus ist die Abhängigkeit im Welthandel immer eine gegenseitige, etwa dadurch dass aus Europa wichtige Maschinen oder andere Vorprodukte geliefert werden. Die EU-Staaten sollten sich daher gut überlegen, ob sie mit ihren Steuergeldern nicht etwas Sinnvolleres anfangen können, als sie hochprofitablen Chipherstellen zu überweisen.“

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