Medieninformation

Kommentar von Prof. Gernot Klepper zu COP21

24.11.2015

Was ist vom Klimagipfel in Paris zu erwarten, und wie ist ein besserer Klimaschutz erreichbar? – Antworten auf diese und weitere Fragen hat der IfW-Klimaökonom Prof. Gernot Klepper heute auf einer Presseveranstaltung des Deutschen Klimakonsortiums (DKK) zur UN-Klimakonferenz COP21 vorgestellt.

Gernot Klepper leitet den Forschungsbereich Umwelt und natürliche Ressourcen am IfW und ist stv. Vorstandsvorsitzender des DKK.

Was ist vom Klimagipfel in Paris zu erwarten?

  • Die 196 Staaten werden sich nicht auf bindende Emissionsreduktionen einigen.
  • Die bislang vorgeschlagenen freiwilligen Maßnahmen (INDCs) würden einen Anstieg der CO2-Emmissionen bis 2030 um 10 Prozent auf 55 Gigatonnen-Äquivalente bedeuten. Nötig ist aber mindestens eine Reduktion um 20 Prozent.
  • Dennoch: die INDC´s sind ein erster Schritt zu einem globalen Prozess, weil ihr Erfolg öffentlich nachprüfbar ist, die Diskussion könnte neue Dynamik für den Klimaschutz bringen.
  • Dafür muss Paris klare Regeln zur Erfolgsmessung der INDC´s festlegen, beispielsweise Standards für die Messung von Treibhausgasemissionen und die Verifizierung und das Monitoring der nationalen Emissionen.

Warum sind verbindliche Klimaschutzabkommen so schwer zu vereinbaren?

  • Klimaschutz stellt ein klassisches Gefangenendilemma dar: Jeder Staat hat einen Anreiz von den Emissionsminderungen der anderen zu profitieren, aber die eigenen Maßnahmen so klein wie möglich zu halten.

Was sind die wichtigsten Klimaziele der Zukunft und können sie erreicht werden?

  • Zentrale Herausforderung ist, wie bis zur Mitte dieses Jahrhunderts die fossilen Brennstoffe weitgehend durch alternative Energien ersetzt werden können.
  • Dies erfordert auf der einen Seite riesige Investitionen in das Energiesystem, in alternative Energieträger und in die damit verbundenen Infrastrukturen. Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht von 53 Billionen US$ bis 2035.
  • Noch größer ist die Herausforderung, dass die meisten fossilen Energieträger im Boden bleiben müssen. Damit wären noch ein mal 300 Milliarden US$ an „stranded investments“ verbunden. Die Vermögensverluste der Besitzer von fossilen Ressourcen, die sich noch im Boden befinden, noch nicht mit eingerechnet. Auf die Exporteure von Kohle, Erdöl und Erdgas entfallen die höchsten wirtschaftlichen Kosten des Klimaschutzes.
  • Ein Problem der Energiewende liegt in der Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien. Die ist umso niedriger, je günstiger die Preise für fossile Energie. Die Geschwindigkeit, mit der die Energiewende umgesetzt werden kann, wird maßgeblich durch die Prognosen für die Entwicklung der CO2-Preise und das mit diesen Prognosen verbundene Risiko bestimmt.
  • Der Verfall der Preise für Erdöl und Kohle hat viele Gründe, aber ein wichtiger ist sicher, dass viele Staaten wenig Sinn darin sehen, das Angebot zu verknappen, wenn sowieso absehbar ist, dass die Nachfrage nach fossilen Energien in der Zukunft zurückgehen wird.
  • Mittelfristig muss es deshalb auch darum gehen, Staaten mit einem Reichtum an fossilen Ressourcen Perspektiven für eine wirtschaftliche Entwicklung ohne die Nutzung dieses volkswirtschaftlichen Vermögens zu bieten. Diese werden sich sonst kaum einem Klimaabkommen anschließen, das den Ausstieg aus der fossilen Energienutzung festlegt.

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