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Asylanträge aus sicheren Herkunftsstaaten deutlich geringer als aus Nachbarstaaten

17.09.2015

Länder als sichere Herkunftsstaaten zu klassifizieren, verringert die Anzahl der Asylanträge offenbar deutlich. Zu dieser Einschätzung kommen die IfW-Ökonomen Sebastian Braun und Richard Franke. Sie verglichen die Asylanträge der Jahre 2014 und 2015 aus den inzwischen als sicher deklarierten Ländern Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien mit denen der nicht als sicher deklarierten Nachbarstaaten Albanien, Kosovo und Montenegro. „Es gibt klare Indizien, dass die Klassifizierung in sichere und nicht sichere Herkunftsstaaten einen Einfluss auf die Zahl der gestellten Asylanträge hat“, so Sebastian Braun, Forschungsbereichsleiter Globalisierung und Wohlfahrtsstaat.

In den ersten acht Monaten 2015 stieg die Zahl der Asylerstanträge aus den nicht als sicher geltenden Staaten Albanien, Kosovo und Montenegro von 8.570 auf 70.637 und damit um 724 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Demgegenüber stellten aus den als sicher deklarierten Ländern Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien im gleichen Vergleichszeitraum nur 32 Prozent mehr Menschen einen Antrag auf Asyl in Deutschland, insgesamt 22.281. Damit wurden bislang in 2015 dreimal so viele Asylanträge aus den als nicht sicher geltenden Ländern gestellt als aus den sicheren Herkunftsstaaten. Vor der Gesetzesänderung im November 2014 war das Verhältnis fast umgekehrt (siehe Grafik).

„Hätte die Deklaration als sicherer Herkunftsstaat keinen Effekt, wäre zu erwarten, dass die Zahl der Asylanträge aus sicheren und nicht sicheren Herkunftsstaaten in der gleichen Region und bei ähnlichen politischen Entwicklungen, wie auf dem Westbalkan der Fall, auch einen ähnlichen Verlauf nimmt“, so Richard Franke, Experte für Migration und Arbeitsmarkt. Aus Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien hätten bei einem gleichen Anstieg der Asylanträge wie in den übrigen Ländern des Westbalkans aber 138.925 Menschen, statt „nur“ 22.281 einen Asylantrag stellen müssen.

Richard Franke: „Das Argument einiger Politiker, die Deklaration von Staaten als sichere Herkunftsländer sei wirkungslose Symbolpolitik, da sich die Anzahl der Asylanträge kaum verändert hat, ist nicht überzeugend. Ohne die Deklaration wäre die Anzahl der Asylanträge wahrscheinlich ähnlich sprunghaft angestiegen, wie in den übrigen Ländern des Westbalkans.

Grafik: Monatliche Asylerstantragszahlen aus den Balkanstaaten, getrennt nach den sicheren Herkunftsstaaten (Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien) und den übrigen Balkanstaaten (Albanien, Kosovo und Montenegro, gestrichelte Linie). Zudem gibt die vertikale Linie den Zeitpunkt an (November 2014), zu dem die drei erstgenannten Staaten zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt wurden.


Quellen: Eurostat und BAMF, eigene Darstellung.

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