Wirtschaftspolitischer Beitrag

Industrielle Strukturen und Potentiale im Norden: Eine regionale Analyse der deutsch-dänischen Industrielandschaft

Kieler Beiträge zur Wirtschaftspolitik, 31 Download

In der Studie, die im Rahmen des nordwärts-Projekts erstellt wurde, wird das in Norddeutschland zu beobachtende Gefälle bei der Wirtschaftskraft mit strukturellen Ursachen erklärt. Aufgrund der relativ hohen Wachstumsbeiträge des Verarbeitenden Gewerbes und der unternehmensnahen Dienstleistungen bleiben die industrieschwachen Flächenländer Schleswig‐Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hinter dem Bundesdurchschnitt zurück, woran auch die Schwäche der Industrie während Pandemie und abflauender Weltkonjunktur wenig ändert.
Die Autoren zeigen, dass diese grundlegenden Zusammenhänge der Wirtschaftsentwicklung auch in Dänemark zu beobachten sind, wo hinter der deutsch-dänischen Grenze in Jütland das industrielles Zentrum Dänemarks liegt. Trotz struktureller Unterschiede ergeben sich in der deutsch-dänischen Nachbarschaft relevante industrielle Schnittstellen auf Branchenebene, etwa bei Ernährung und Maschinenbau. Eine regional tiefergehende Analyse auf Kreisebene zeigt, dass in Schleswig‐Holstein die regionale Bedeutung des Verarbeitenden Gewerbes in den Kreisen des Hamburger Umlands am größten ist, während im Landesteil Schleswig, aber auch im östlichen Holstein die Industrie ein geringes Gewicht hat. Erst in den jütländischen Festlandsregionen ist der Industrialisierungsgrad wieder deutlich höher. Die Unterschiede bei den Wirtschaftsstrukturen in der deutsch-dänischen Grenzregion werden auch mit der Landesgrenze als regulativer Trennmauer erklärt.
Die Autoren empfehlen eine stärkere wirtschaftspolitische Kooperation, die Ansatzpunkte in der industrienahen Bildungslandschaft, der Wirtschaftsförderung und der Regulierungspraxis finden könnte.