Wirtschaftspolitischer Beitrag

Europäische Gemeinschaftsanleihen seit der Ölkrise: Lehren für heute?

Kiel Policy Briefs, 136

Im Zuge der Corona Krise werden europäische Gemeinschaftsanleihen zur Unterstützung von besonders betroffenen Mitgliedsländern intensiv diskutiert. Die Autoren zeigen, dass Gemeinschaftsanleihen europäischer Staaten keine Neuigkeit wären. Seit den 1970er Jahren hat die Europäische Kommission wiederholt Anleihen auf dem privaten Kapitalmarkt ausgegeben, die durch die Mitgliedsländer garantiert und an Krisenländer ausgeschüttet wurden. „Coronabonds“, wie derzeit diskutiert, stünden in einer langen Tradition. Die erste Gemeinschaftsanleihe wurde 1976 zu Gunsten Italiens und Irlands emittiert,  in den 1980er und 1990er Jahren folgten weitere Anleihen für Frankreich, Griechenland und Portugal, sowie, nach 2008, für Ungarn, Lettland und Rumänien. Zusätzlich wurde 2012 der ESM für Eurozonen-Länder etabliert. Aus der Geschichte kann somit die Lehre gezogen werden, dass die europäischen Regierungen in tiefen Krisen immer wieder bereit waren gemeinschaftliche Anleihen auszugeben und dafür zu haften, wenn auch nur für begrenzte Zeit. Die dafür notwendigen Institutionen wurden flexibel und kurzfristig entwickelt. Eine zweite Lehre ist, dass der EU Haushalt seit den 70er Jahren wiederholt genutzt wurde, um die Rückzahlung der Anleihen zu garantieren. Es ist kein Zufall, dass derzeit auch wieder vorgeschlagen wird „Coronabonds“ über einen deutlich erweiterten EU Haushalt zu bedienen