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Russlandsanktionen schaden beiden Seiten

Medieninformation, 14. Dezember 2017

Die Sanktionen gegen die Russische Föderation haben auch für die sanktionie­renden Länder massive negative Folgen. Insbesondere die EU und hier Deutsch­land sind durch deutliche Handelsverluste betroffen. Der Exportrückgang betrifft vor allem Produkte, die nicht unter das russische Embargo fallen.

Die Sanktionen gegen die Russische Föderation durch insgesamt 37 Länder, darunter alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union und die Vereinigten Staaten, haben zu hohen finanziellen Einbußen auf beiden Seiten geführt. Nach Berechnungen von Julian Hinz, Ökonom am Institut für Weltwirtschaft (IfW), Kiel, und Matthieu Crozet von der Universität Hongkong, führte der durch die Sanktionen verursachte Rückgang im Warenaustausch zwischen den Ländern bis Ende 2015 zu einem Handelsverlust von insgesamt 114 Milliarden US-Dollar.

Von diesen Kosten trägt Russland aber nur gut 60 Prozent, der Rest entfällt auf die sanktionierenden Länder. Für sie beläuft sich der Exportverlust auf rund 44 Milliarden Euro, wovon 90 Prozent auf die Europäische Union entfallen. Die deutschen Exporte sind im Durchschnitt um 727 Millionen US-Dollar pro Monat niedriger als bei einem Szenario ohne Sanktionen, dies entspricht 0,8 Prozent der gesamten Exporte. Deutschland trägt damit fast 40 Prozent des westlichen Verlustes, während andere wichtige geopolitische Akteure wie das Vereinigte Königreich, Frankreich und die Vereinigten Staaten viel weniger betroffen sind.

Der Exportrückgang in den sanktionierenden Ländern betrifft nur zu gut 9 Prozent Produkte, die dem russischen Embargo unterliegen. Gut 90 Prozent der Handelsverluste entstammen Produkten, die nicht vom russischen Embargo betroffen waren. Als Hauptursache machen die Autoren deutlich ver­schlechterte Finanzierungsbedingungen für Unternehmen aus, die mit bzw. in Russland Handel trei­ben. Grund dafür ist ein Vertrauensverlust der Kreditinstitute in den russischen Markt.

Generelles Bild nicht geändert

„Der Großteil der Handelsverluste in den westlichen Ländern ist also auf die von ihnen selbst verhängten Sanktionen zurückzuführen. Argumente gegen bestimmte Sanktionspolitiken beziehen sich oft nur auf mögliche Vergeltungsmaßnahmen, von denen hier aber nur ein verhältnismäßig geringer Schaden ausging“, sagte Hinz. „Auch waren die Exporteure der sanktionierenden Länder offenbar kaum in der Lage, sich alternative Absatzmärkte für ihre Produkte zu erschließen. Nur ein sehr kleiner Teil der Handelsverluste konnte durch neue Abnehmer ausgeglichen werden.“

Hinz rechnet auch für die Zeit nach 2015 mit hohen Handelsverlusten durch die Sanktionen gegen die Russische Föderation. „Generell hat sich das Bild nicht geändert. Insgesamt dürften die Handels­verluste aber etwas zurückgehen, da sich die Unternehmen zunehmend besser an die veränderte Situation anpassen und neue Handelsbeziehungen entstehen.“

Für ihre Berechnungen prognostizierten die Autoren die Handelsströme ohne Sanktionen auf Basis des Jahres 2013 und verglichen diese mit der tatsächlichen Entwicklung. Dabei berücksichtigten sie auch die Abkühlung der russischen Wirtschaft aufgrund des Zusammenbruchs der Öl­preise und der Abwertung des Rubels. Insgesamt ist der Exportrückgang in westlichen Ländern daher noch erheblich höher, die genannten Handelsverluste durch Sanktionen erklären ungefähr ein Drittel des gesamten Exportrückgangs.Die Berechnungen sind in Form einer IfW-Box Teil der IfW-Konjunkturprognose, die heute erscheint, und bereits zugänglich.

Fachlicher Ansprechpartner:

Dr. Julian Hinz
Die internationale Arbeitsteilung
T +49 431 8814 507
julian.hinz@ifw-kiel.de

Medienanfragen
Tel. 0431/8814-774
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Leiter Zentrum Kommunikation
Tel. 0431/8814-629


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