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Handelskonflikt mit der EU würde US-Firmen hart treffen

Medieninformation, 08. März 2017

Eine protektionistische Handelspolitik der Vereinigten Staaten gegen die Europäische Union (EU) wäre auch für die amerikanische Seite mit erheblichen Risiken verbunden. US-Firmen sind mit hohen Direktinvestitionen im europä­ischen Binnenmarkt engagiert, ein Handelskonflikt würde ihre Geschäftsgrund­lage massiv schädigen. Dies geht aus einer Analyse im Rahmen der Konjunktur­prognose des Instituts für Weltwirtschaft hervor, die morgen erscheint.

Gemessen an der Investitionstätigkeit ist der europäische Binnenmarkt für US-Unternehmen der wichtigste ausländische Wirtschaftsraum. Bislang flossen 50,4 Prozent aller Direktinvestitionen der Vereinigten Staaten in die Länder der EU. Selbst bei einem Austritt des Vereinigten Königreiches beliefe sich der Anteil noch auf fast 40 Prozent. Die Umsätze der im europäischen Binnenmarkt operierenden Unternehmen, die mehrheitlich im Eigentum amerikanischer Muttergesellschaften stehen, übertreffen mit über 2,5 Billionen US-Dollar die Exporte der Vereinigten Staaten in die EU mit 500 Milliarden US-Dollar um das Fünffache. Dieses geht aus einer Analyse im Rahmen der Konjunkturprognose des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) hervor, die morgen erscheint.

„Jede protektionistische Maßnahme der neuen US-Regierung, die über eine Behinderung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen Sand ins ökonomische Getriebe der Europäischen Union streut, beträfe daher auch unmittelbar vitale Interessen US-amerikanischer Unternehmen“, sagte Stefan Kooths, Leiter des IfW-Prognosezentrums. „Insgesamt kann damit ein handelspolitischer Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der EU zwar nicht restlos ausgeschlossen werden. Es zeigt sich indes, dass die enge Kapitalverflechtung ein solches Szenario insgesamt weit weniger wahrscheinlich erscheinen lässt, als es die derzeit betont handelszentrierte Debatte vermuten lässt.“

Die aggressive Kritik der neuen US-amerikanischen Präsidentschaft an den hohen bilateralen Handelsüberschüssen der EU bzw. Deutschlands und damit verbundene Drohungen einer in Zukunft protektionistisch ausgerichteten US-Außenhandelspolitik nähren derzeit Befürchtungen eines Handelskonflikts zwischen den USA und der EU, der durch Gegenmaßnahmen der EU eskalieren könnte. „Im EU-Binnenmarkt investierte US-Firmen dürften in einem solchen Falle ihren Einfluss auf die Regierung der Vereinigten Staaten geltend machen. Gerade weil die neue Administration in den Kategorien eng umrissener „nationaler Interessen“ denkt, wird dieser Einflusskanal besonders wirksam sein und dürfte europäische Drohungen mit Gegenmaßnahmen an Bedeutung übertreffen“, so Kooths.

Im abgelaufenen Jahr betrug der Exportüberschuss der EU gegenüber den Vereinigten Staaten 115 Mrd. (deutscher Anteil: 49 Mrd. Euro). 15,3 Prozent aller EU-Exporte gingen in die Vereinigten Staaten, im Gegenzug waren die EU-Länder nur Abnehmer für 11 Prozent aller US-amerikanischen Ausfuhren. Von den europäischen Direktinvestitionen entfallen 32 Prozent auf die Vereinigten Staaten.

Bedeutung des EU-Binnenmarktes für die Vereinigten Staaten 2014

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Die Analyse ist Teil der Konjunkturprognose des IfW, die morgen, 09.03.2017, erscheint (Kasten 3, „Zur Protektionismusgefahr im transatlantischen Wirtschaftsraum“).

Fachlicher Ansprechpartner:

Prof. Dr. Stefan Kooths
Leiter Prognosezentrum IfW
T +49 431 8814-579 (Büro Kiel)
T +49 30 2067-9664 (Büro Berlin)
stefan.kooths@ifw-kiel.de

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