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Der Weg zu einer nachhaltigeren Welt

Medieninformation vom 26. Juli 2017

Ein Team von Forscherinnen und Forschern des Instituts für Weltwirtschaft und der Universität Kiel untersucht seit Jahresbeginn Wege zu einem nachhaltigerem Wachstum. Dabei geht es vor allem auch um die gesellschaftliche Akzeptanz klimapolitisch erwünschter Maßnahmen und um den Zielkonflikt zwischen Wachstum und einer schonenden Ressourcennutzung. Details zu dem vom Bund mit 1,1 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekt „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ wurden heute auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Autoreifen aus Löwenzahn, Flugkerosin aus Algen oder Plastik aus Kartoffeln: Bioökonomie verbindet natürliche Rohstoffe mit neuen Konzepten. Regierungen, Forschende und Unternehmen rund um den Globus zielen damit auf eine fundamentale Transformation unserer Wirtschaft, und sie erhoffen sich Lösungen für die zentrale Frage des 21. Jahrhunderts: Wie können in Zeiten des Klimawandels immer mehr Menschen von immer weniger Ressourcen mit Nahrung, Energie und Materialien zugleich versorgt werden? In einem Verbundvorhaben zwischen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) wollen Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Suche nach Antworten mitwirken. Anhand ausgewählter Industrie- und Entwicklungsländer wie Deutschland und Senegal sollen gesellschaftspolitische Prozesse zur Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaft modelliert werden.

Seit Jahresbeginn läuft das Projekt „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 1,1 Millionen Euro über drei Jahre gefördert wird. Eine Balance zwischen Ökologie und Ökonomie erfordert eine angemessene politische Steuerung. Zentral dabei ist die Formulierung einer nachhaltigen Agrar-, Energie- und Klimaschutzpolitik. Doch unter welchen Umständen verhalten sich Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen sowie Wählerinnen und Wähler bioökonomisch? Die Projektteilnehmenden analysieren unter anderem den Prozess, wie sich die öffentliche Meinung bildet. „Die Gesellschaft soll diese neuen, nachhaltigen Produkte konsumieren, deshalb dürfen wir die Einstellung der Endnachfrager nicht vernachlässigen“, erklärt Projektkoordinator Professor Christian Henning. Denn der Wandel zur Bioökonomie berge Konflikte: „Jede Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise fordert Opfer.“ Deshalb seien leistungsfähige Prozesse notwendig, die einen tragfähigen gesellschaftlichen Kompromiss hervorbringen.

Ziel des Kieler Projektes ist es, gesellschaftliche Ansprüche, technische Lösungsmöglichkeiten und deren politische Umsetzbarkeit zusammenzubringen. Und das ist gar nicht so leicht, wenn sich falsche Annahmen beispielsweise zum Klimawandel in den Köpfen festsetzen. Wichtig ist dem Team um Henning, zu untersuchen, wie diese „naiven“ Vorstellungen entstehen und wie sie sich systematisch ändern lassen. „Unser Projekt ist innovativ, weil nicht nur politische Praktiker von wissenschaftlichen Modellen lernen, sondern auch umgekehrt die Modelle von dem Fachwissen der Experten lernen“, sagt Henning. Da Wissenschaft und Politik in der Regel nicht die gleiche Sprache sprechen, bedarf es einer speziellen Mensch-Modell-Übersetzungstechnik. Darauf habe sich unter anderem die Informatiker Professor Bernhard Thalheim und Johannes Hedtrich spezialisiert. Insgesamt umfasst das Forschungsteam Fachpersonen der internationalen Klima- und Energiepolitik (Dr. Ruth Delzeit, IfW), der Entwicklungsökonomie und Armutsforschung (Professor Manfred Wiebelt, IfW) sowie der Europäischen Agrarpolitik und der Ökonomischen Theorie der Politik (Professor Henning, CAU) sowie der Informatik (Professor Thalheim, CAU).

Das Projektvorhaben stellten Henning, Wiebelt und Delzeit heute der Öffentlichkeit vor. Wiebelt unterstrich dabei, dass mit der Transformation zur Bioökonomie im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sowohl ökologische als auch ökonomische und soziale Ziele verfolgt werden: „Unser Projekt hilft, mögliche Zielkonflikte, aber auch Synergien bei der Agenda 2030 aufzuzeigen und unterstützt damit die evidenzbasierte politische Entscheidungsfindung und Prioritätensetzung.“ Dies sei besonders wichtig in Niedrigeinkommensländern wie zum Beispiel dem Senegal, wo breite Bevölkerungsschichten in extremer Armut leben und die staatlichen Mittel zur Umverteilung und für die Bereitstellung öffentlicher Güter begrenzt sind. Delzeit fügte hinzu: „Ökonomisches Wachstum geht bislang fast immer mit einem hohen Verbrauch unserer Ressourcen einher. Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen, brauchen wir Wege und Lösungen aus diesem Dilemma, die auch von der Gesellschaft akzeptiert werden, etwa ein langsameres, aber dafür nachhaltigeres Wachstum. Die Politik wird hier aber erst die entsprechenden Weichen stellen, wenn es dafür eine gesellschaftliche Akzeptanz gibt.“

Doch nicht immer müsse der „optimale“ Weg bei Klima-, Energie- Agrar- und Entwicklungspolitiken gegangen werden, ist sich Henning sicher. Auch alternative Optionen, die in den gegebenen politischen Systemen besser durchsetzbar sind, möchten die Forschenden deshalb identifizieren und dabei die Arbeit von Interessengruppen berücksichtigten. „Schließlich geht es letztlich um reale Empfehlungen für eine effiziente Politik“, so Henning.

Weitere Informationen: www.bio-pop.agrarpol.uni-kiel.de

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