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Skandinavien hat die erfolgreichsten Sozialsysteme Europas


ifw_logo_small.jpg Medieninformation vom 3. Juni 2015

  • Deutschland im Mittelfeld: Zwar profitiert der Arbeitsmarkt von der Agenda 2010, allerdings geht dadurch auch die Lohnschere weiter auseinander
  • Forscher sehen in Deutschland dank solider Staatshaushalte Spielraum für höhere soziale Investitionen, etwa in Bildung oder Ausbildung
  • Südeuropa schneidet wegen hoher Kosten und ungleicher Einkommensverteilung am schlechtesten ab

Forscher des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) haben die Sozialsysteme in Europa untersucht. Ziel war herauszufinden, wie eine gleichmäßige Verteilung von Einkommen und ein gleicher Lebensstand gewährleistet werden kann, ohne dabei die Sozialsysteme finanziell zu überlasten und das Wirtschaftswachstum zu hemmen. Dabei unterscheiden die Forscher die Sozialsysteme Nord-, Kontinental- und Südeuropas sowie den angelsächsischen Typ und untersuchten stellvertretend die Länder: Schweden, Deutschland und Frankreich, Italien, Großbritannien. Dabei kommen die Forscher zu dem Schluss, dass in Schweden der Spagat zwischen solidem Wirtschaftswachstum, hoher Beschäftigung und gerechter Einkommensverteilung am besten gelingt. „Schweden hat vor allem auch bei Frauen eine hohe Beschäftigungsquote, dadurch hat das Land eine breite Steuerbasis, solide Staatsfinanzen und nutzt die Potenziale seiner Bevölkerung bestens aus“, so Christiane Krieger-Boden vom IfW.

Schweden: Hohe Beschäftigungsquote bei Frauen

Schlüssel zum Erfolg sei, dass der Staat Arbeitslosen schnell zurück in den Job verhelfe und in Familien beiden Elternteilen ermögliche zu arbeiten, anstatt einen Elternteil durch Eltern- oder Erziehungsgeld fürs Zuhause-Bleiben zu entschädigen. Charakteristisch für den nordischen Typ Sozialsystem sei ein hochflexibler Arbeitsmarkt bei gleichzeitiger Verankerung „sozialer Bürgerrechte“ und der Bereitschaft der Bevölkerung, diese durch hohe Einkommenssteuersätze zu unterstützen. Im Vergleich habe Schweden trotz umfangreicher Sozialleistungen das höchste Wirtschaftswachstum nach Großbritannien erreicht. Die traditionelle Annahme, Verteilungsgerechtigkeit und Wirtschaftswachstum schlössen einander aus, sei damit nicht mehr haltbar. In Großbritannien werde in typisch angelsächsischer Manier auf die wohlfahrtsmaximierenden Eigenschaften der Märkte und die individuelle Verantwortung des Einzelnen vertraut, der Staat biete nur eine minimale soziale Grundabsicherung für den Notfall. In der Folge seien die Verteilungsgerechtigkeit am geringsten und die Vermögenszuwächse bei den hohen Einkommen am größten.

Italien: Privilegierte Bevölkerungsteile sorgen für ungleiche Verteilung

Die Sozialsysteme Südeuropas bezeichnen die Forscher als unzulänglich. Italien habe das geringste Wirtschaftswachstum, die zweithöchste Arbeitslosenquote nach Frankreich, das niedrigste Beschäftigungsniveau im Allgemeinen und speziell bei Frauen sowie die höchste Staatsschuldenquote. Das Einkommen in Italien sei neben Großbritannien am ungerechtesten verteilt. Während dies im angelsächsischen System in erster Linie dem freien Spiel der Märkte zuzuschreiben sei, fehle in Italien vor allem auch ein soziales Netz für Jugendliche, alleinerziehende Mütter und Langzeitarbeitslose.

Eine wichtige Ursache seien die für Südeuropa typischen, stark privilegierten Bevölkerungsgruppen (Staatsbedienstete, Unternehmer, Mittelschicht), die ihre Position zu Lasten der nicht privilegierten verteidigten. So sei etwa der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert und Sozialleistungen seien ungleich verteilt. Nur gut die Hälfte aller Angestellten in Italien sei durch staatliche Altersvorsorge abgesichert, der schlechteste Wert im Vergleich. Sie erhielten aber mit durchschnittlich 52 Prozent der vorherigen Bezüge die höchste Zuwendung aller fünf untersuchten Länder.

Deutschland: Sozialsysteme auf Alleinverdiener-Familien zugeschnitten

Die kontinentalen Sozialsysteme Deutschlands und Frankreichs würden hinsichtlich einer gleichen Einkommensverteilung zumindest nach Steuern im Mittelfeld liegen. Der Anteil der Bevölkerung, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, sei mit 15 Prozent in Deutschland und 14 Prozent in Frankreich am geringsten (Schweden: 16%, UK: 18%; Italien: 20%). Die kontinentalen Sozialsysteme seien aber, ebenso wie in Südeuropa, teilweise immer noch auf Statuserhalt und Bewahrung traditioneller Familienstrukturen mit einem (meist männlichen) Ernährer ausgerichtet, z.B. durch das Betreuungsgeld. Die Absicherung von Angestellten bei Verdienstausfall sei zwar gut, aber an Komponenten wie vorheriges Einkommen und Familienstatus gekoppelt. Erst ein Paradigmenwechsel in den späten 90ern führte zu mehr sozialen Investitionen für Familie, Bildung und Arbeitsmarktpolitik. Größtes Problem sei das nur moderate Wirtschaftswachstum.

Als einziges Land sei in Frankreich zwar der Einkommenszuwachs bei den Geringverdienern höher als bei den Topverdienern. Allerdings sei die Arbeitslosigkeit ebenso wie die Staatsschuldenquote zu hoch. Deutschland dagegen profitiere immer noch von der Agenda 2010, welche die Reallöhne senkte und zu einer geringen Arbeitslosenquote führte. Die Lohnschere ginge jedoch immer weiter auseinander, Geringverdiener hätten die geringsten Einkommenszuwächse aller Länder im Vergleich. Angesichts solider Staatshaushalte und bereits einiger Engpässe auf den Arbeitsmärkten sehen die Forscher Spielraum für Einkommenssteigerungen und höhere soziale Investitionen des Staates, etwa in Bildung und Ausbildung.

Vollständige Studie

Fachliche Ansprechpartnerin: Christiane Krieger-Boden

Medienansprechpartner: Mathias Rauck

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