Sektionen
Benutzerspezifische Werkzeuge
18.11.2017
>> Medien >> Medieninformationen >> 2013 >> Konjunktur in Deutschland fängt sich  
Medien
Folgen Sie uns auf...

facebook-logo  twitter-logo  youtube-logo  linkedin-logo  xing-logo

IfW Meinung
ifw_fokus.jpgStefan Kooths: Chinas Investoren – Keine Angst vor Fernost
KPB_DeckblattKlaus-Jürgen Gern, Ulrich Stolzenburg: Italien am Scheideweg
@kielinstitute

Twitter LogoKlicken Sie hier für unsere neuesten Tweets.

Zwei Klicks für mehr Datenschutz. Aktivieren Sie die Verbindung zu Twitter und lesen und kommentieren Sie die neuesten Tweets des IfW. Informationen zur Verwendung Ihrer Daten durch Twitter finden Sie unter http://twitter.com/privacy.

 
Artikelaktionen

Konjunktur in Deutschland fängt sich


ifw_logo_small.jpg Medieninformation vom 20. Juni 2013

 
Die Produktionstätigkeit hat sich nach dem Einbruch im letzten Herbst während des Winterhalbjahres stabilisiert. Im ersten Quartal verzögerten noch witterungsbedingte Hemmnisse die raschere Rückkehr auf einen Expansionspfad. Nachholeffekte dürften im Frühling den Produktionsanstieg deutlich über das Tempo anheben, das aufgrund der moderat aufwärts gerichteten konjunkturellen Grundtendenz angelegt ist. Diese wird zwar weiterhin erheblich d urch den für Deutschland sehr expansiv wirkenden Kurs der Geldpolitik beflügelt, zugleich belastet aber die Unsicherheit über den Fortgang der Krise im Euroraum zunächst noch die Investitionsbereitschaft in den Unternehmen. In diesem und im nächsten Jahr dürfte die Expansion nahezu exklusiv von binnenwirtschaftlichen Faktoren getragen werden. Insbesondere ist im nächsten Jahr mit einer deutlichen Belebung der Investitionstätigkeit zu rechnen. Wir erwarten für das laufende Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent, im nächsten Jahr dürfte der Zuwachs 1,8 Prozent betragen. Die Verlaufsraten liegen in beiden Jahren mit 1,7 Prozent (2013) bzw. 1,9 Prozent (2014) etwa einen halben bzw. ein dreiviertel Prozentpunkt oberhalb der Potenzialwachstumsrate. Die Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten nimmt somit im Prognosezeitraum kontinuierlich zu und dürfte im nächsten Jahr das Normalniveau um 0,6 Prozent überschreiten. Die Zahl der Erwerbstägigen wird weiter steigen (um 270 Tausend in diesem und 210 Tausend im nächsten Jahr), die Arbeitslosenquote bleibt aber unverändert. Im Verlauf des Prognosezeitraums dürfte der Preisauftrieb stärker werden. So wird sich die Lebenshaltung voraussichtlich im nächsten Jahr um 2,1 Prozent verteuern, nach 1,7 Prozent in diesem Jahr. Die öffentlichen Haushalte werden das laufende Jahr wohl mit einem geringfügigen Defizit von knapp einer Milliarde Euro abschließen und im nächsten Jahr einen Überschuss von gut drei Milliarden Euro aufweisen.

Der aktuelle IfW-Konjunkturbericht beleuchtet in gesonderten Kästen u.a. die Folgen der jüngsten Flutkatastrophe und diskutiert mit Beiträgen zur Einführung von Mindestlöhnen sowie zur Notwendigkeit von Steuererhöhungen zwei zentrale Themen im Vorfeld der Bundestagswahl aus volkswirtschaftlicher Sicht.

Die Konjunktur in Deutschland hat sich nach einer Schwächephase stabilisiert, ein kräftiger Aufschwung ist allerdings noch nicht in Sicht. So hat sich die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft nach dem günstigen Start in das Jahr lediglich auf leicht erhöhtem Niveau gehalten, und die Auftragslage in der Industrie hat sich bislang nicht nachhaltig gebessert. Nach wie vor herrscht eine große Unsicherheit darüber, ob die Problemländer im Euroraum hinreichend schnelle Fortschritte bei ihren Reformen erzielen, und entsprechend hoch ist die Unsicherheit bezüglich der Wirtschaftspolitik, auch in Deutschland. Dies dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass sich die Unternehmen trotz ungewöhnlich günstiger Finanzierungsbedingungen mit Investitionen zurückhalten. Zwar scheinen die Gewinnaussichten gemessen an dem Anstieg der Aktienkurse ausgesprochen positiv zu sein; der Aufschwung an den Finanzmärkten ist aber wohl hauptsächlich der weltweit sehr expansiven Geldpolitik geschuldet.

Im Verlauf dieses Jahres dürfte die Konjunktur wieder etwas Fahrt aufnehmen. Dabei fällt die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal wegen des Aufholeffekts sogar etwas höher aus als in der zweiten Hälfte des Jahres. Für die konjunkturelle Grundtendenz ist bedeutsam, dass die Impulse aus dem Ausland allmählich zunehmen, die Ausfuhren dürften nach dem Rückschlag im vergangenen Winterhalbjahr wieder zulegen. Auch die inländische Verwendung dürfte aufwärts gerichtet sein, nachdem sie im Verlauf des Jahres 2012 gesunken war. Insbesondere erwarten wir, dass die anhaltend niedrigen Zinsen die Nachfrage nach Wohnbauten antreiben werden. Auch für die Unternehmen sind die Finanzierungsbedingungen ausgesprochen günstig. Da sich die Absatzperspektiven im Ausland etwas aufhellen und im Verlauf dieses Jahres auch die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung wieder leicht zunehmen dürfte, werden die Unternehmen wohl wieder etwas mehr in Ausrüstungen investieren. Einem kräftigen Aufschwung der Investitionstätigkeit steht allerdings entgegen, dass die Unsicherheit nach wie vor recht hoch ist. Dies erschwert den Unternehmen die langfristige Planung. Die privaten Konsumausgaben dürften moderat steigen. So werden die verfügbaren Einkommen real gerechnet spürbar zunehmen; stützend wirkt dabei der robuste Arbeitsmarkt.

Für das Jahr 2013 insgesamt erwarten wir eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent, nach 0,7 Prozent im Jahr 2012. Dabei wird der Anstieg im Jahresverlauf mit einer Rate von 1,7 Prozent spürbar höher sein und die Wachstumsrate des Produktionspotenzials um einen halben Prozentpunkt übersteigen. Im Jahresdurchschnitt wird der Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion ausschließlich von der Zunahme der inländischen Verwendung getragen; hingegen gehen vom Außenhandel, anders als in den Vorjahren, rein rechnerisch keine Impulse auf die Expansion aus. Die Inflationsrate dürfte mit 1,7 Prozent etwas niedriger sein als im Vorjahr. Das gesamtstaatliche Budget dürfte erneut annähernd ausgeglichen sein.

Im Jahr 2014 dürfte sich die konjunkturelle Expansion etwas beschleunigen, sofern neue Störungen durch die Krise im Euroraum ausbleiben. Die günstigen monetären Rahmenbedingungen dürften dann mehr und mehr zum Tragen kommen, zudem dürfte die Rezession im übrigen Euroraum allmählich überwunden werden. Dann werden wohl auch die Unternehmensinvestitionen wieder kräftiger anziehen. Ferner werden die Wohnungsbauinvestitionen angeregt durch niedrige Zinsen, aber auch die Flucht in Sachwerte dürfte ein Motiv für die Investoren sein. Mit der anziehenden Konjunktur wird sich auch die Lage am Arbeitsmarkt verbessern, die Beschäftigung dürfte in moderatem Tempo zunehmen. Gleichwohl wird die Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt geringfügig höher sein als im Vorjahr. Nicht zuletzt der anhaltende Kostendruck und die Zunahme der Kapazitätsauslastung werden dazu beitragen, dass sich der Preisauftrieb verstärkt. Die Inflationsrate dürfte 2014 bei 2,1 Prozent liegen und damit höher sein als im übrigen Euroraum. Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich leicht verbessern, der Staat dürfte vor allem dank der besseren Konjunktur einen leichten Überschuss im Haushalt aufweisen.

Neben der üblichen Unsicherheit bezüglich der Prognose sind die Abwärtsrisiken für die Konjunktur nach wie vor hoch. Sie resultieren zum einen in der Krise im Euroraum. Sollte sich zeigen, dass nach dem Eingreifen der EZB und den Beschlüssen, den Problemländern mehr Zeit für die Haushaltskonsolidierung zu geben, die Bemühungen hinsichtlich der Finanzpolitik und der Strukturreformen nachlassen, könnten an den Finanzmärkten neue Turbulenzen ausgelöst werden. Solche Störungen haben bereits in den vergangenen Jahren wiederholt zu einem Rückschlag für die Konjunktur geführt. Zum anderen scheint die expansive Politik der großen Notenbanken inzwischen einen Punkt erreicht zu haben, bei dem zunehmend Zweifel aufkommen, dass die Konjunktur auf diese Weise nennenswert angeregt werden kann. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Erwartungen der Anleger umschlagen und die inflationären Risiken der Politik stärker wahrgenommen werden. Dies könnte zu einem kräftigen Zinsanstieg in vielen Ländern führen, der sich dann negativ auf die Konjunktur auswirken würde.

Tabelle: Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland 2011–2014

 2011201220132014
Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt3,00,70,51,8
Erwerbstätige im Inland (1 000 Personen)41 16441 61941 89042 101
Arbeitslose, BA (1 000)  2 976  2 897  2 946  2 972
Verbraucherpreise 2,12,01,72,1
Finanzierungssaldo des Staates in Prozent des BIP-0,80,10,00,1
Schuldenstand in Prozent des BIP80,6 81,9 79,8 76,6 
Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise: Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent; Arbeitslose: Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1.2; Deutsche Bundesbank, Monatsbericht; Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht; grau hinterlegt: Prognose des IfW.

Kurzfassung Kieler Diskussionsbeitrag 524/525 von Jens Boysen-Hogrefe, Dominik Groll, Nils Jannsen, Stefan Kooths, Björn van Roye und Joachim Scheide „Deutschland: Konjunktur fängt sich“.

Vollständiger Text

Fachliche Ansprechpartner: Prof. Dr. Joachim Scheide und Dr. Stefan Kooths

Medienanfragen
Tel. 0431/8814-774
Ansprechpartner

warlimont_q.jpg
Guido Warlimont
Leiter Zentrum Kommunikation
Tel. 0431/8814-629


rauck_q.jpg
Mathias Rauck

Sprecher
Tel. 0431/8814-411


radke_elisabeth.JPG
Elisabeth Radke
Sprecherin
Tel. 0431/8814-598
elisabeth.radke@ifw-kiel.de


radike_q.jpg
Melanie Radike
Sprecherin Migration
Tel. 0431/8814-329
melanie.radike@ifw-kiel.de


laaser_q.jpg
Dr. Claus-Friedrich Laaser
Sprecher
Tel. 0431/8814-463