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Konjunktur in Deutschland erholt sich nur langsam


ifw_logo_small.jpg Medieninformation vom 14. März 2013

 
Der Produktionseinbruch im Schlussquartal des vergangenen Jahres dürfte in der ersten Hälfte dieses Jahres überwunden werden. Die deutsche Volkswirtschaft wird dann auf einen sich allmählich verstärkenden Expansionspfad einschwenken. Dieser wird maßgeblich von einer Erholung der Investitionstätigkeit geprägt sein, die bei allmählich steigender Kapazitätsauslastung weiterhin durch ein sehr günstiges Finanzierungsumfeld stimuliert wird. Vom Außenhandel sind im Prognosezeitraum rein rechnerisch keine produktionswirksamen Impulse zu erwarten, auch wenn sich die Handelsströme wieder merklich beleben werden. Für das laufende Jahr erwarten wir einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte die Produktion um 1,5 Prozent zulegen. Die Zahl der Erwerbstägigen dürfte in beiden Jahren moderat steigen, die Arbeitszeit indes sinken. Der zu Beginn dieses Jahres wieder einsetzende Abbau der Arbeitslosigkeit wird sich im gesamten Prognosezeitraum fortsetzen; die Arbeitslosenquote dürfte auf 6,7 Prozent (2013) und 6,6 Prozent (2014) sinken. Im Verlauf dieses Jahres wird der Preisauftrieb von binnenwirtschaftlicher Seite zunehmen und im nächsten Jahr noch stärker werden. Die Verbraucherpreise werden in diesem Jahr wohl um 2 Prozent und im nächsten Jahr um 2,6 Prozent steigen. Die öffentlichen Haushalte werden in beiden Jahren voraussichtlich nahezu ausgeglichen sein. Einem geringfügigen gesamtstaatlichen Defizit in diesem Jahr steht ein leichter Überschuss im kommenden Jahr gegenüber. Dieser Verbesserung liegen allerdings hauptsächlich konjunkturelle Einflüsse zugrunde – darüber hinaus gehende Konsolidierungsschritte sind derzeit nicht in Sicht und Sonderfaktoren lassen die Haushaltslage günstiger erscheinen, als sie ist. Das derzeit extrem expansive monetäre Umfeld im Euroraum dürfte in den kommenden Jahren noch anhalten und die deutsche Volkswirtschaft beträchtlichen Risiken aussetzen. Insbesondere droht eine Fehlverwendung knapper Ressourcen in großem Stil, sobald das Niedrigzinsumfeld hierzulande einen monetären Boom in Gang setzt.

Das Expansionstempo der deutschen Volkswirtschaft hatte sich im Verlauf des vergangenen Jahres suk-zessive verlangsamt, im Schlussquartal ist die Wirtschaftsleistung um 2,4 Prozent gesunken. Parallel hierzu ging die Kapazitätsauslastung in der Industrie kontinuierlich zurück und fiel in der zweiten Jahreshälfte unter das Normalniveau. Verwendungsseitig war der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes hauptsächlich außenwirtschaftlich bedingt. Binnenwirtschaftlich bremsten die abermals rückläufigen Ausrüstungsinvestitionen, während der private Verbrauch nahezu stagnierte.

Die Stimmungsindikatoren, die zuletzt fünf Monate in Folge zulegen konnten, deuten darauf hin, dass die konjunkturelle Schwächephase demnächst überwunden wird. Auch die zuletzt (Februar-Umfrage) wieder deutlich gestiegene industrielle Kapazitätsauslastung deutet in diese Richtung. In den Auftragseingängen spiegelt sich dies bislang jedoch noch nicht wider. Sie neigten bis zuletzt (Januar-Erhebung) in allen Hauptgruppen noch zur Schwäche. Insgesamt dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Quartal dieses Jahres um 1,9 Prozent recht kräftig zunehmen, vor allem weil der zuletzt dämpfende Impuls vom Außenhandel wegfallen dürfte. Nach der ausgeprägten Schwäche der Ausfuhren erwarten wir nun eine Erholung. So haben die Exporterwartungen der deutschen Unternehmen zuletzt angezogen, und auch das Geschäftsklima in wichtigen Handelspartnerländern hat sich aufgehellt.

Im Verlauf des Jahres wird die Expansion der inländischen Verwendung spürbar stärker sein als im Jahr 2012 – auch der Lagerabbau, der im vergangenen Jahr rein rechnerisch 0,5 Prozent der Produktion ersetzt hatte, dürfte sich nicht fortsetzen. Mit einem raschen Anspringen des Investitionsmotors ist vorerst nicht zu rechnen. Allerdings dürfte – sofern keine neuen Erschütterungen das Investorenvertrauen belasten – der Attentismus allmählich überwunden werden. Aufgrund des statistischen Unterhangs dürften die Ausrüstungsinvestitionen in diesem Jahr trotz eines aufwärts gerichteten Verlaufs im Jahresdurchschnitt um 3,4 Prozent schrumpfen. Im Jahresverlauf dürften die Wohnungsbauinvestitionen deutlich ausgeweitet werden (+ 2 Prozent), auch wenn dies im Jahresdurchschnitt nur in einem Zuwachs von 0,5 Prozent zu Buche schlägt. Gestützt wird die Konjunktur von den privaten Konsumausgaben (Anstieg um 0,6 Prozent), die von Abgabensenkungen stimuliert werden und darüber hinaus von einem robusten Arbeitsmarkt profitieren. So hat sich der Anstieg der Beschäftigung trotz der Abnahme der Kapazitätsauslastung fortgesetzt. Wir rechnen damit, dass die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr um rund 180 000 zunimmt. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahresdurchschnitt mit 2,9 ähnlich hoch sein wie im Jahr 2012. Für das Jahr 2013 insgesamt erwarten wir eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent, nach 0,7 Prozent im Jahr 2012. Dabei wird der Anstieg im Jahresverlauf mit einer Rate von 1,3 Prozent spürbar höher sein und etwa der Wachstumsrate des Produktionspotenzials entsprechen. Im Jahresdurchschnitt wird der Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion ausschließlich von der Zunahme der inländischen Verwendung getragen; hingegen gehen vom Außenhandel, anders als in den Vorjahren, sogar leicht negative Impulse auf die Expansion aus. Die Inflationsrate dürfte mit 2,0 Prozent so hoch sein wie im Vorjahr. Für die öffentlichen Finanzen ist damit zu rechnen, dass das gesamtstaatliche Budget erneut annähernd ausgeglichen sein wird; die Konsolidierung des Bundeshaushalts wird nicht fortgesetzt.

Im Jahr 2014 dürfte sich die konjunkturelle Expansion festigen, sofern neue Störungen durch die Krise im Euroraum ausbleiben. Die günstigen monetären Rahmenbedingungen dürften dann mehr und mehr zum Tragen kommen, zudem dürften die rezessiven Tendenzen im übrigen Euroraum allmählich nachlassen. Dann werden wohl auch die Unternehmensinvestitionen wieder kräftiger anziehen. Ferner werden die Wohnungsbauinvestitionen weiterhin angeregt durch niedrige Zinsen, aber auch die Flucht in Sachwerte dürfte ein Motiv für die Investoren sein. Mit der anziehenden Konjunktur wird sich auch die Lage am Arbeitsmarkt verbessern, im Jahresverlauf dürfte die Beschäftigung in moderatem Tempo zunehmen. Gleichwohl wird die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt nur geringfügig niedriger sein als im Vorjahr. Nicht zuletzt der anhaltende Kostendruck wird dazu beitragen, dass sich der Preisauftrieb verstärkt. Die Inflationsrate dürfte 2014 bei 2,6 Prozent liegen und damit deutlich höher sein als im übrigen Euroraum. Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich leicht entspannen, der Staat dürfte vor allem dank der besseren Konjunktur einen leichten Überschuss im Haushalt aufweisen.

Tabelle: Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland 2011–2014

 2011201220132014
Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt3,00,70,61,5
Erwerbstätige im Inland (1 000 Personen)41 16441 61341 79641 906
Arbeitslose, BA (1 000)  2 976  2 897  2 900  2 877
Verbraucherpreise 2,12,0 2,02,6
Finanzierungssaldo des Staates in Prozent des BIP-0,80,2-0,10,3
Schuldenstand in Prozent des BIP80,681,9 80,076,7 
Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise: Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent; Arbeitslose: Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1.2; Deutsche Bundesbank, Monatsbericht; Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht; grau hinterlegt: Prognose des IfW.

Kurzfassung Kieler Diskussionsbeitrag 520/521 von Jens Boysen-Hogrefe, Dominik Groll, Nils Jannsen, Stefan Kooths, Björn van Roye und Joachim Scheide „Deutschland: Konjunktur erholt sich nur langsam“.

Vollständiger Text

Fachliche Ansprechpartner: Prof. Dr. Joachim Scheide und Dr. Stefan Kooths

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