Sektionen
Benutzerspezifische Werkzeuge
25.06.2017
>> Medien >> Medieninformationen >> 2013 >> Deutsche Konjunktur nimmt allmählich Fahrt auf  
Medien
Folgen Sie uns auf...

facebook-logo  twitter-logo  youtube-logo  linkedin-logo  xing-logo

IfW Meinung
ifw_fokus.jpgStefan Kooths: Chinas Investoren – Keine Angst vor Fernost
KPB_DeckblattKlaus-Jürgen Gern, Ulrich Stolzenburg: Italien am Scheideweg
@kielinstitute

Twitter LogoKlicken Sie hier für unsere neuesten Tweets.

Zwei Klicks für mehr Datenschutz. Aktivieren Sie die Verbindung zu Twitter und lesen und kommentieren Sie die neuesten Tweets des IfW. Informationen zur Verwendung Ihrer Daten durch Twitter finden Sie unter http://twitter.com/privacy.

 
Artikelaktionen

Deutsche Konjunktur nimmt allmählich Fahrt auf


ifw_logo_small.jpg Medieninformation vom 12. September 2013

 
Die konjunkturelle Dynamik in Deutschland hat sich im Verlauf dieses Jahres spürbar belebt. Der Erholungsprozess dürfte sich im Prognosezeitraum fortsetzen und im nächsten Jahr sowohl an Breite als auch an Tempo gewinnen. Verwendungsseitig wird die Expansion binnenwirtschaftlich getragen. Absorbiert in diesem Jahr der Konsum die Produktionszuwächse, so tritt im nächsten Jahr der einsetzende Investitionsaufschwung als zweite Säule hinzu. Dieser wird durch weiterhin extrem günstige Finanzierungsbedingungen befeuert. Der Außenhandel wirkt nahezu neutral. Insgesamt erwarten wir für das laufende Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,5 Prozent und für das nächste Jahr eine Zunahme von 1,8 Prozent. Gegen Ende des Prognosezeitraums dürften die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten wieder annähernd normal ausgelastet sein. Bei im Verlauf leicht sinkender Arbeitslosigkeit dürfte die Beschäftigung weiterhin merklich ausgeweitet werden (Anstieg um 240 Tausend und 225 Tausend Personen in diesem bzw. im nächsten Jahr). Der Preisauftrieb wird sich voraussichtlich von 1,6 Prozent (2013) auf 2,1 Prozent (2014) verstärken. Die zu erwartenden leichten Überschüsse im Staatshaushalt von 1 Mrd. Euro in diesem und 7 Mrd. Euro im nächsten Jahr dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konsolidierungsprozess nach der bislang absehbaren Finanzpolitik zum Stillstand gekommen ist. Die hier vorgelegte Prognose beschreibt einen Aufschwung mit erheblichen Risiken. Diese rühren vor allem von Unwägbarkeiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Krise im Euroraum. Aber auch im Inland könnten wirtschaftspolitische Weichenstellungen, die seitens der Regulierung die Investitions- und Leistungsbedingungen verschlechtern, die Wachstums- und Expansionskräfte schwächen.

    • Konjunkturelle Erholung setzt sich fort
      das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland expandiert um 0,5 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im nächsten Jahr.
    • Monetäres Umfeld auf Jahre hinaus extrem expansiv
      eine nach der EZB-Konzeption am Durchschnitt des Euroraums orientierte Geldpolitik bleibt aus deutscher Perspektive extrem expansiv ausgerichtet. Auch wenn – wie hier unterstellt – abermalige Erschütterungen seitens der Krise im Euroraum ausbleiben, wird die wirtschaftliche Entwicklung in den Krisenländern noch für längere Zeit deutlich hinter der in Deutschland zurückbleiben – und damit die Zinsen niedriger als es für Deutschland allein angemessen wäre.
    • Weniger unausgelastete Kapazitäten
      im Verlauf des Prognosezeitraums expandiert die deutsche Volkswirtschaft mit Raten oberhalb des Potenzialwachstums von 1,3 Prozent. Die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung nimmt in der Folge zu und erreicht gegen Ende des kommenden Jahres das Normalniveau. Danach droht der Eintritt in eine Überhitzungsphase.
    • Talfahrt bei den Anlageinvestitionen gestoppt
      im kommenden Jahr zieht die Investitionstätigkeit nach zweijähriger Flaute wieder kräftiger an. Neben der Kapazitätserweiterung durch vermehrte Anschaffung von Ausrüstungsgütern wird auch die Wohnungsbautätigkeit deutlich anziehen. Die gesamtwirtschaftliche Investitionsquote kommt aber auch im kommenden Jahr noch nicht über 18 Prozent hinaus.
    • Allmähliche Beschleunigung des Außenhandels
      der grenzüberschreitende Handel schaltet nach der kräftigen Belebung im Frühjahr zunächst einen Gang zurück, das Handelsvolumen bleibt aber auf Expansionskurs mit Beschleunigungstendenz. Leicht stärker steigende Ein- als Ausfuhren führen dazu, dass der Außenhandel im nächsten Jahr rein rechnerisch neutral auf die heimische Wertschöpfung wirkt. Der Leistungsbilanzsaldo nimmt in Relation zum Bruttoinlandsprodukt leicht zu und liegt in beiden Prognosejahren leicht über der 7-Prozent-Marke. Risiken für den Export gehen zunehmend auch von den verhaltenen Aussichten in den Schwellenländern aus. So könnte ein konjunktureller Einbruch in China insbesondere den deutschen Investitionsgüterproduzenten einen merklichen Dämpfer verpassen.
    • Arbeitsmarkt weiterhin in robuster Verfassung
      die Beschäftigung überschreitet im nächsten Jahr die 42-Millionen-Marke. Die Arbeitslosigkeit nimmt ab, aber um weniger als die Beschäftigung zunimmt. Gründe hierfür sind höhere Partizipationsraten und steigende Nettozuwanderung nach Deutschland. Im Prognosezeitraum wird der alterungsbedingte Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials mehr als ausgeglichen – dies wird jedoch nur noch wenige Jahre der Fall sein.
    • Preisauftrieb verstärkt sich
      die steigende Kapazitätsauslastung wird binnenwirtschaftlich die Lebenshaltung beschleunigt verteuern. Die Teuerung klettert von 1,6 Prozent (2013) auf 2,1 Prozent (2014).
    • Konsolidierung gerät ins Stocken
      zwar schließt der staatliche Gesamthaushalt (Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherungen) in diesem und im nächsten Jahr mit leichten Überschüssen ab. Diese gehen aber auf Sonderfaktoren zurück, die nicht einer engagierten Konsolidierungspolitik zugeschrieben werden können. Auch die günstige Arbeitsmarktentwicklung und die konjunkturelle Belebung verbessern die Haushaltslage – die entsprechenden Minderausgaben und Mehreinnahmen stellen aber keine strukturelle Verbesserung des finanzpolitischen Kurses da.
    • Budgetentlastung durch Mindestlöhne massiv überschätzt
      ohne die Berücksichtigung von Gewinnkompressionseffekten und die daraus resultierenden staatlichen Mindereinnahmen liefern Berechnungen der Budgetwirkungen von Mindestlöhnen stark verzerrte Ergebnisse. Es ist sogar keineswegs ausgeschlossen, dass die Einführung von Mindestlöhnen die staatlichen Kassen zusätzlich belasten.
    • 40 Mrd. Euro für ad hoc Stabilisierung Griechenlands
      bisher hat sich die griechische Schuldenkrise kaum in größerem Ausmaß direkt auf die öffentlichen Haushalte in Deutschland ausgewirkt. Grob geschätzt belaufen sich die realisierten Verluste für den deutschen Steuerzahler auf 10 Mrd. Euro. Die eigentlichen Gefahren lauern in der Mithaftung für einen beträchtlichen Teil der ausstehenden griechischen Staatsverschuldung in Höhe von aktuell 340 Mrd. Euro. Soll die Tragfähigkeit dieser Schuldenlast durch einen Schuldenerlass in einen zumindest annährend tragfähigen Bereich gedrückt werden (Rückführung der Schuldenquote auf 90 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt), so würde dies die öffentlichen Kassen in Deutschland mit rund 40 Mrd. Euro belasten.
    • Aufschwung mit Risiken
      die Krise im Euroraum schwelt weiter und kann sich jederzeit erneut zuspitzen. Damit würden sich auch Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland verdüstern, da z. B. Finanzmarktstress negativ auf die ökonomische Aktivität wirkt und auch der Außenhandelskanal erneut einen Dämpfer erleiden könnte.
    • Mittelfristprojektion 2013 bis 2018
      diese Kurzfristprognose ist eingebettet in die gemeinsame Mittelfristprojektion von IfW und ZEW, die am Montag, den 16. September 2013, veröffentlicht wird.


Tabelle: Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland 2011–2014

 2011201220132014
Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt3,30,70,51,8
Erwerbstätige im Inland (1 000 Personen)41 15241 60741 84842 073
Arbeitslose, BA (1 000)  2 976  2 897  2 934  2 883
Verbraucherpreise 2,12,01,62,1
Finanzierungssaldo des Staates in Prozent des BIP-0,80,10,00,2
Schuldenstand in Prozent des BIP80,0 81,2 78,5 75,7 
Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise: Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent; Arbeitslose: Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1.2; Deutsche Bundesbank, Monatsbericht; Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht; grau hinterlegt: Prognose des IfW.

Kernpunkte des Kieler Diskussionsbeitrags 524/525 von Jens Boysen-Hogrefe, Dominik Groll, Nils Jannsen, Stefan Kooths, Björn van Roye und Joachim Scheide „Deutschland: Konjunktur nimmt allmählich Fahrt auf“.

Vollständiger Text

Fachliche Ansprechpartner: Prof. Dr. Joachim Scheide und Dr. Stefan Kooths

Medienanfragen
Tel. 0431/8814-774
Ansprechpartner

warlimont_q.jpg
Guido Warlimont
Leiter Zentrum Kommunikation
Tel. 0431/8814-629


rauck_q.jpg
Mathias Rauck

Sprecher
Tel. 0431/8814-411


radike_q.jpg
Melanie Radike
Sprecherin Migration
Tel. 0431/8814-329
melanie.radike@ifw-kiel.de


laaser_q.jpg
Dr. Claus-Friedrich Laaser
Sprecher
Tel. 0431/8814-463