Konjunkturbericht

Deutsche Wirtschaft: Erholung vor zweitem Anlauf

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 77 (2021|Q1)

Die zweite Welle der Corona-Pandemie hat die Erholung in Deutschland unterbrochen. Für das erste Quartal zeichnet sich sogar ein recht deutlicher Rückgang der Wirtschaftsleistung ab. Mit dem Fortschreiten der Impfkampagne dürfte die wirtschaftliche Belastung durch die Pandemie nachlassen und die Erholung sich in hohem Tempo fortsetzen. Anders als im vergangenen Jahr konzentrieren sich die wirtschaftlichen Einbußen derzeit deutlich stärker auf die konsumnahen Dienstleistungsbranchen und den Handel. Auch wenn die privaten Konsumausgaben dadurch wohl vorübergehend noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als zu Beginn der Pandemie, fallen die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen ungleich geringer aus. Maßgeblich ist, dass sich die das Exportgeschäft weiter erholt. Da es zudem für viele Unternehmen aufgrund der Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe die Aussicht auf nachhaltige Entspannung gibt, wird es wohl zu keinen größeren Rückgängen bei den Investitionen kommen. Insgesamt dürfte das sich Bruttoinlandsprodukt nach dem Rückgang von 4,9 Prozent im Jahr 2020 mit Zuwachsraten von 3,7 Prozent im laufenden und 4,8 Prozent im kommenden Jahr kräftig anziehen. Die Erholung am Arbeitsmarkt wird etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Im Durchschnitt des laufenden Jahres wird die Erwerbstätigkeit voraussichtlich noch nicht höher ausfallen als im Jahr 2020, erst im Verlauf des Jahres 2022 wird sie wieder spürbar anziehen. Die Inflation dürfte im laufenden Jahr deutlich über 2 Prozent anziehen. Dazu tragen jedoch wesentlich temporäre Faktoren bei, so dass die Teuerungsrate im kommenden Jahr wohl wieder zurückgehen wird. Nicht zuletzt hinterlässt die Pandemie auch in den öffentlichen Haushalten sichtbare Spuren. Das Budgetdefizit wird angesichts der pandemiebedingten Mehrausgaben und Mindereinnahmen im laufenden Jahr voraussichtlich noch einmal deutlich über 4 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegen. Im Jahr 2022 wird das Defizit wohl deutlich auf 1,3 Prozent zurückgehen. Der Schuldenstand wird dann wieder knapp unter 70 Prozent