Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsströme (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Die Weltkarte zeigt farbig eine zu erwartende Zunahme (grün) oder Abnahme (rot) für die einzelnen Länder. Mit Klick auf ein Land öffnet sich eine Grafik mit Details. Geschätzt werden die Handelsströme eines Landes mit dem Rest der Welt. Der Kiel Trade Indicator wird jeweils um den 5. und 20. eines Monats aktualisiert.

+++ Nächstes Datenupdate: 7. Februar 2023 +++

Datenupdate 23. Januar 2023

Der globale Handel startet stabil ins neue Jahr. Laut jüngstem Datenupdate des Kiel Trade Indicator kann der Welthandel im Januar 2023 seine positive Tendenz aus dem Vormonat fortsetzen und liegt gegenüber dem Dezember 2022 mit 1 Prozent im Plus (preis- und saisonbereinigt). „Dazu trägt insbesondere bei, dass die Exporte in China nach dem Ende der Null-Covid-Politik wieder zulegen“, sagt Timo Hoffmann, Projektverantwortlicher für den Kiel Trade Indicator.

Der europäische Außenhandel startet hingegen verhalten, hier zeigen die Werte für die Exporte im Vergleich zum Vormonat nur eine moderate Zunahme an, für Deutschland sogar einen Rückgang. „Dies könnte auf eine verhaltene Nachfrage nach deutschen Produkten zurückzuführen sein, aber auch auf anhaltende Probleme der deutschen Industrie, die Produktion zu steigern“, so Hoffmann. Für Russland deuten die Daten darauf hin, dass sich der gegen Jahresende verzeichnete kräftige Rückgang bei den Importen fortgesetzt hat, während sich die Exporte anscheinend etwas beleben.

Im Zuge der Belebung des Welthandels, abnehmender Coronabeschränkungen und sich entspannender Lieferengpässen nehmen die Staus vor wichtigen Containerhäfen ab. Die Ausnahme bildet hier China. Grund dürfte die mit einem raschen Ende der Null-Covid-Politik stark ansteigende Handelsaktivität des Landes sein.

Januar 2023*

      Export Import
Deutschland     - 1,8 % + 1,4 %
EU     + 0,5 % - 0,2 %
USA     - 0,9 % + 0,1 %
China     + 2,8 % + 0,1 %
Russland     + 2,2 % - 1,9 %
Welthandel + 1,0 %      

*Veränderung ggü. Vormonat, preis- und saisonbereinigt

Schiffsdaten

Die Grafik zeigt an, wie viel Prozent der globalen Frachtkapazität durch Staus in Seegebieten bis zu 500 Kilometer vor wichtigen Häfen weltweit gebunden ist und weder be- noch entladen werden kann. Die Berechnung erfolgt über Schiffspositionsdaten in Echtzeit und berücksichtigt die technisch mögliche Maximalkapazität der Containerschiffe. Die Regionen beinhalten Georgia und South Carolina (Häfen Savannah und Charleston), Süd Kalifornien (Häfen Los Angeles/ Long Beach und San Diego), Hong Kong und Guangdong (Häfen HK, Yantian, Shenzhen und Guangzhou), Shanghai und Zhejiang (v.a. Shanghai, Ningbo-Zhoushan), Nordsee (Nordsee Häfen der Niederlande, Belgiens, Deutschlands und Großbritanniens).

Die Grafik zeigt den Anteil an Waren an, die sich global auf wartenden Containerschiffen befinden. Die Berechnung erfolgt über weltweite Schiffspositionsdaten in Echtzeit sowie über die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs.

Die Grafik zeigt die geschätzte Menge an global gehandelten Containern pro Monat in Millionen TEU (20-Fuß-Standardcontainern). Die Zeitreihe basiert auf Schiffsbewegungen an weltweit über 1.200 Häfen sowie auf See und ist saisonal bereinigt.

Die Grafik misst die summierte Kapazität der Containerschiffe, die sich täglich im Roten Meer und im Suezkanal befinden. Wegen der besonderen geografischen Lage des Roten Meeres spiegelt die Schifffahrt hier die Handelsaktivität zwischen Europa und Asien wieder. Der erwartete Wert berechnet sich aus dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, skaliert auf die Jahre 2020 und 2021 mit Hilfe von vergangenen Wachstumsraten.

Die Grafik zeigt die ankommende Containerladung im Vergleich zum Vorjahr für die drei größten Containerhäfen Russlands (St. Petersburg in der Ostsee, Novorossiysk im Schwarzen Meer, sowie Vladivostok im Pazifik) und den größten Hafen der Ukraine Odessa. Die Rückgänge der ankommenden Ladung bilden die Effekte des Ukraine Kriegs und der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab. Die Berechnung erfolgt mithilfe von Schiffspositionsdaten und bezieht Größe und Tiefgang der Schiffe ein.

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Im Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die Schiffsbewegungen in nominale, saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt zweimal im Monat. Um den 20. (ohne Pressemeldung) für den laufenden und den folgenden Monat und um den 5. (mit Pressemeldung) für den vergangenen und den laufenden Monat.

Anlegende und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst. Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen. Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indicators lernt mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

Methodik des Kiel Trade Indicator

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