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27.05.2017
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Sozial- und verhaltensökonomische Ansätze zur Lösung globaler Probleme

 

Seit dem letzten Jahrhundert ist die Menschheit mit zahlreichen globalen Problemen konfrontiert, für die sich nur schwer praktisch umsetzbare Lösungen finden lassen. Neben ökonomischen Problemen wie Finanzkrisen, Jugendarbeitslosigkeit und Armut sind insbesondere auch Umweltprobleme wie Klimawandel, Artensterben und Wassermangel sowie politische Probleme wie Waffenhandel und Korruption zu nennen. Wir verfügen über genügend Kapazitäten, um viele dieser Probleme zu bewältigen, haben aber dennoch nur wenige Fortschritte vorzuweisen.

Ein Versagen des freien Marktes wird als Erklärung der etablierten Volkswirtschaftslehre für die Beständigkeit vieler globaler Probleme ausgewiesen. Auf dieser Grundlage plädieren Volkswirte üblicherweise für eine Politik, die Individuen eine volle Kompensation für alle Leistungen und Kosten bietet. Das kann durch Steuern, Subvention, Neudefinition von Eigentumsrechten sowie verschiedene Gesetze und Regulierungen geschehen. Die unsichtbare Hand setzt mit den damit verbundenen Erklärungen für ein Marktversagen voraus, dass Menschen

(i) individualistisch, eigenständig, eigennützig und materialistisch (ihr Nutzen hängt primär von Gütern und Dienstleistungen ab) sind,

(ii) konsistente, stabile und weitsichtige Präferenzen haben,

(iii) rational in dem Sinne sind, dass sie alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um ihre Ziele zu erreichen und

(iv) ihren Nutzen maximieren, der zugleich ihr Entscheidungsverhalten als auch ihr Wohlergehen beschreibt.

Die Grundlage des Forschungsbereich ist es, dass diese Konzeption menschlicher Motivation und menschlichen Entscheidungsverhaltens überholt und nicht konsistent mit Ergebnissen anderer Fachrichtungen, wie zum Beispiel den Neurowissenschaften, Kognitionswissenschaften, der kognitiven Psychologie, der Entwicklungspsychologie, der Verhaltensökonomie und anderer Disziplinen, ist. So sind Menschen nicht ausschließlich eigennützig, da sie die Fähigkeit zu Fairness, Empathie, Mitgefühl und Fürsorge besitzen. Sie sind nicht ausschließlich rational, da menschliches Verhalten zu einem großen Teil durch Emotionen und Heuristiken beeinflusst wird. Sie sind nicht ausschließlich individualistisch, da ihre Präferenzen stark durch ihre soziale Gruppe bestimmt werden. Ihre Entscheidungen sind keine Reaktion auf propositionales Wissen unter Risikobedingungen, da ihre Entscheidungsfindung ein reflexartiger Prozess (sowohl kognitiv als auch kausativ) unter Unsicherheit ist.

Dieser Forschungsbereich analysiert die Bedeutung von sozialer Interaktion und Verhaltensprozessen einzelner Agenten für die Entstehung von globalen wirtschaftlichen Problemen und auf der Grundlage dieser Ergebnisse die Konzeption möglicher Lösungen. Dieser Forschungsbereich vertritt die Ansicht, dass es, um menschliches Verhalten zu verstehen, notwendig ist zu wissen

(i) wie das Gehirn funktioniert, insbesondere wie Motivationssysteme und körperliche Reaktionen unsere Entscheidungen prägen und

(ii) wie sich soziale Interaktion auf Entscheidungsprozesse auswirkt, da Menschen meist nicht ausschließlich eigennützig sind, sondern nach Fairness und Gleichheit streben.

Aus diesen Gründen schließt unsere Arbeit Einsichten aus verwandten Disziplinen, wie den Neurowissenschaften, der Psychologie, den Kognitionswissenschaften und der Verhaltensökonomie mit ein, um ihre Implikationen bei der Analyse globaler Probleme zu untersuchen.

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