Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsströme (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Die Weltkarte zeigt farbig eine zu erwartende Zunahme (grün) oder Abnahme (rot) für die einzelnen Länder. Mit Klick auf ein Land öffnet sich eine Grafik mit Details. Geschätzt werden die Handelsströme eines Landes mit dem Rest der Welt. Der Kiel Trade Indicator wird jeweils um den 5. und 20. eines Monats aktualisiert.

+++ Nächstes Datenupdate: 7. Juni, 2022 +++

Datenupdate 20. Mai 2022

Der internationale Handel stagniert im Mai weitestgehend im Vergleich zum Vormonat (preis- und saisonbereinigt). Laut jüngstem Datenupdate des Kiel Trade Indicators liegt die zu erwartende Entwicklung der Import und Exporte wichtiger Volkswirtschaften nahe Null. Die deutlichsten Veränderungen sind für China indiziert, wo sich vor allem bei den Importen ein Rückgang abzeichnet, während die Exporte wieder zulegen könnten. In dieses Bild passt die Entwicklung in bzw. vor Shanghais Containerhafen. Die Lücke der Warenausfuhren dort im Vergleich zu Chinas übrigen Häfen lag im Maximum bei rund 30 Prozent und hat sich nun auf rund 10 Prozent geschlossen, was für eine Erholung im Bereich der Exporte spricht. Gleichzeitig wächst der Stau vor dem Hafen wieder an, derzeit stecken dort über 3 Prozent der globalen Frachtkapazität von Containerschiffen fest, was den Importrückgang erklären würde.

„Der globale Handel agiert ohne klare Richtung. Zwar sind die unmittelbaren Verwerfungen infolge der russischen Invasion in der Ukraine offenbar verdaut, allerdings stehen Krieg, hohe Energiepreise und Lieferengpässe bei zahlreichen Produkten einem Handelswachstum im Weg“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

Mai 2022*

      Export Import
Deutschland     + 0,2 % - 0,3 %
EU     - 0,2 % - 0,1 %
USA     - 0,4 % 0,0 %
China     + 1,9 % - 4,1 %
Russland     - 1,7 % + 0,3 %
Welthandel - 0,2 %      

*Veränderung ggü. Vormonat, preis- und saisonbereinigt

Schiffsdaten

Die Grafik zeigt an, wie viel Prozent der globalen Frachtkapazität durch Staus in Seegebieten bis zu 500 Kilometer vor wichtigen Häfen weltweit gebunden ist und weder be- noch entladen werden kann. Die Berechnung erfolgt über Schiffspositionsdaten in Echtzeit und berücksichtigt die technisch mögliche Maximalkapazität der Containerschiffe. Die Regionen beinhalten Georgia und South Carolina (Häfen Savannah und Charleston), Süd Kalifornien (Häfen Los Angeles/ Long Beach und San Diego), Hong Kong und Guangdong (Häfen HK, Yantian, Shenzhen und Guangzhou), Shanghai und Zhejiang (v.a. Shanghai, Ningbo-Zhoushan), Nordsee (Nordsee Häfen der Niederlande, Belgiens, Deutschlands und Großbritanniens). Die Berechnung erfolgt über Schiffspositionsdaten in Echtzeit und berücksichtigt die technisch mögliche Maximalkapazität der Containerschiffe.

Die Grafik zeigt den Anteil an Waren an, die sich global auf wartenden Containerschiffen befinden. Die Berechnung erfolgt über weltweite Schiffspositionsdaten in Echtzeit sowie über die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs.

Die Grafik misst die summierte Kapazität der Containerschiffe, die sich täglich im Roten Meer und im Suezkanal befinden. Wegen der besonderen geografischen Lage des Roten Meeres spiegelt die Schifffahrt hier die Handelsaktivität zwischen Europa und Asien wieder. Der erwartete Wert berechnet sich aus dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, skaliert auf die Jahre 2020 und 2021 mit Hilfe von vergangenen Wachstumsraten.

Die Grafik zeigt die ankommende Containerladung im Vergleich zum Vorjahr für die drei größten Containerhäfen Russlands (St. Petersburg in der Ostsee, Novorossiysk im Schwarzen Meer, sowie Vladivostok im Pazifik) und den größten Hafen der Ukraine Odessa. Die Rückgänge der ankommenden Ladung bilden die Effekte des Ukraine Kriegs und der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab. Die Berechnung erfolgt mithilfe von Schiffspositionsdaten und bezieht Größe und Tiefgang der Schiffe ein.

Die Grafik misst die ablegende Containerladung aus dem Hafen Shanghai und im Vergleich von allen anderen Häfen Chinas, normiert auf den Beginn des Jahres. Der Abstand zeigt den Einbruch, der durch den Lockdown in Shanghai ausgelöst wurde. Die Berechnung erfolgt mithilfe von Schiffspositionsdaten und bezieht Größe und Tiefgang der Schiffe ein.

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von 75 Ländern und Regionen weltweit, sowie des Welthandels insgesamt. Im Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die Schiffsbewegungen in nominale, saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt zweimal im Monat. Um den 20. (ohne Pressemeldung) für den laufenden und den folgenden Monat und um den 5. (mit Pressemeldung) für den vergangenen und den laufenden Monat.

Anlegende und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst. Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen. Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indicators lernt mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

Methodik des Kiel Trade Indicator

Kiel Trade Indicator Working Paper

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