COVID19

Datenmonitor Corona-Krise

Der Corona-Datenmonitor des IfW Kiel zeigt laufend aktualisierte Indikatoren, die Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland und Europa und die Ausbreitung der Pandemie zulassen. Er gibt damit Hinweise, wie sich das Verhalten von Unternehmen und Menschen angesichts der einschneidenden Auflagen der Regierungen und möglicher Lockerungen verändert.

Stromverbrauch in Deutschland:

Die deutsche Wirtschaft hat den schlimmsten Absturz hinter sich und es zeichnet sich nun eine Bodenbildung ab. Seit den ersten Lockerungen hat sich der deutsche Stromverbrauch bei einem Level von 7 bis 8 Prozent unter seinem Normalniveau eingependelt und fällt nicht mehr weiter. Die Industrieproduktion korreliert mit dem Stromverbrauch etwa mit dem Faktor 1,5, daher ist davon auszugehen, dass auch sie nicht mehr weiter zurückgeht und momentan bei einem Level von 10 bis 12 Prozent unter der normalen Auslastung liegt. Der Stromverbrauch in Deutschland hat sich während des Lockdowns immer weiter von seinem zu erwartenden Niveau ohne Corona-Effekt entfernt, welches das IfW Kiel mit Hilfe eines ökonometrischen Modells schätzt, das langfristige Trends, saisonale Einflüsse, das Wetter und Feiertage berücksichtigt.

Übersicht der Indikatoren

Entwicklung von Fallzahlen

Die Fallzahl pro 100.000 Einwohner, aufgeschlüsselt nach Bundesland, ist ein Indikator für den Grad der sogenannten Durchseuchung der Bevölkerung. Je flacher die Kurve desto langsamer ist die Ausbreitung über die Zeit. Die unterschiedlichen Verläufe zeigen die Heterogenität der Pandemie in Deutschland: Einige Länder sind erheblich stärker betroffen als andere.

Ausbremsen der Fallzahlen

Das Wachstum der Fallzahlen lässt sich Quantifizieren durch die Anzahl der Tage bis zu einer Verdopplung. Die Entwicklung der gemeldeten Zahlen vor Einführung des "Lockdowns", also der weitgehenden Schließung von Schulen und des Einzelhandels, war weit gestreut und die durchschnittliche Anzahl von Tagen zur Verdopplungen lag noch niedrig zwischen 2 und 3. Seitdem geht die Anzahl in allen Bundesländern stark nach oben.

Google Maps Suchanfragen

Google Maps ist ein häufig genutzter Routenplaner für den Nah- und Fernverkehr. Das Volumen der Suche nach dem Dienst ist somit ein guter Indikator für die Mobilität der Bevölkerung in Deutschland. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche, d.h. seit Mitte März hat sich die Anzahl der Suchanfragen mehr als halbiert — Deutschland bleibt zu Hause.

Stromverbrauch in der EU

Der deutsche Stromverbrauch ist gegenüber einer Schätzung seit Mitte März um ca. 8 Prozent an Wochentagen gefallen. Im europäischen Vergleich ist dieser Rückgang eher gering: Durch das Virus hart getroffene Länder wie Spanien und Italien haben ihren Stromverbrauch um fast ein Drittel gesenkt.

Stromverbrauch seit 01. März (Österreich)

Das (wirtschaftliche) Leben in Österreich bleibt heruntergefahren. Die angekündigte Lockerung der Maßnahmen hat noch keinen Effekt auf den Stromverbrauch. Selbst am Osterwochenende, an dem der Verbrauch aufgrund der geschlossenen Geschäfte und Unternehmen auch in normalen Zeiten niedrig ist, lag man mehr als 10% unterhalb der zu erwartenden Stromnutzung.

(Netz: Austrian Power Grid)

Passantendaten

Nachdem seit Anfang der laufenden Woche der Einzelhandel unter Auflagen wieder öffnen darf, beleben sich die deutschen Innenstädte wieder, teilweise deutlich. Dies lässt darauf schließen, dass auch die Umsätze wieder zulegen. Noch liegt die Anzahl der Innenstadt-Passanten aber massiv unter dem normalerweise für Mitte April zu erwartenden Niveau. Es ist noch ein weiter Weg zur Normalisierung.

Suche nach einem Eigenheim

Die Suche nach einem Eigenheim beginnt häufig mit einer Suche im Internet. Das Volumen der Google-Suchanfragen nach "Haus kaufen" könnte somit ein guter Indikator für die Nachfrage nach Immobilien sein. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche. Zwischenzeitlich hatte sich die Anzahl der Suchanfragen fast halbiert — Ende März hat sie sich wieder stabilisiert.

Suchanfragen nach Taxi

Die Maßnahmen des "Lockdowns" haben viele Firmen in ihrem eigentlichen Handeln eingeschränkt, die Bevölkerung ist aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Geschäfts- und Privatreisen werden abgesagt. Das Volumen von Suchanfragen nach einem Taxi spiegelt dies: Im Vergleich zur ersten Märzwoche ist die Anzahl der Suchanfragen um ca. 50 Prozent zurückgegangen.

Das Frachtvolumen im Roten Meer

Das Frachtvolumen im Roten Meer und im Suezkanal misst die Anzahl, Kapazität und Auslastung der Containerschiffe auf ihrer Fahrt von Asien nach Europa. Verglichen wird der tagesaktuelle Wert mit dem statistisch zu erwartenden Wert berechnet aus Observationen der vergangenen Jahre. Ein kurzes Zwischenhoch zeigt zwar, dass der Handel nicht unumkehrbar abgebrochen ist. Dennoch liegt der tagesaktuelle Wert bedingt durch Produktionsprobleme in China und geringere Nachfrage aus Europa unter den Erwartungen.

Kiel Policy Briefs zum Thema Corona

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