COVID19

Datenmonitor Corona-Krise

Der Corona-Datenmonitor des IfW Kiel zeigt laufend aktualisierte Indikatoren, die Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland und Europa und die Ausbreitung der Pandemie zulassen. Er gibt damit Hinweise, wie sich das Verhalten von Unternehmen und Menschen angesichts der einschneidenden Auflagen der Regierungen und möglicher Lockerungen verändert.

Stromverbrauch in Deutschland

Nach dem erheblichen Absturz der deutschen Wirtschaft im April ist man in einer anhaltenden Bodenbildung angelangt. Seit den ersten Lockerungen Ende April hat sich der deutsche Stromverbrauch bei einem Level von 8 bis 12 Prozent unter seinem Normalniveau eingependelt und fällt nicht mehr weiter. Die Industrieproduktion korreliert mit dem Stromverbrauch etwa mit dem Faktor 1,5, daher ist davon auszugehen, dass auch sie nicht mehr weiter zurückgeht und momentan bei einem Level von 12 bis 18 Prozent unter der normalen Auslastung liegt. Der Stromverbrauch in Deutschland hat sich während des Lockdowns immer weiter von seinem zu erwartenden Niveau ohne Corona-Effekt entfernt, welches das IfW Kiel mit Hilfe eines ökonometrischen Modells schätzt, das langfristige Trends, saisonale Einflüsse, das Wetter und Feiertage berücksichtigt.

Übersicht der Indikatoren

Nachfrage nach CO2-Zertifikaten

Die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten ist ein Indikator für die von der Industrie erwartete Produktion. Der Preis für 1 Tonne CO2 ist zu Beginn der Krise um fast 40% stark eingebrochen, seit dem Tiefpunkt Ende März hat sich der Preis aber inzwischen wieder vollständig erholt.

Das Frachtvolumen im Roten Meer

Die Grafik misst die summierte Kapazität der Containerschiffe, die sich täglich im Roten Meer und im Suezkanal befinden. Wegen der besonderen geografischen Lage des Roten Meeres spiegelt die Schifffahrt hier die Handelsaktivität zwischen Europa und Asien wieder. Der erwartete Wert berechnet sich aus dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, skaliert auf das Jahr 2020 mit Hilfe von vergangenen Wachstumsraten. Obwohl die strengsten Lockdown-Maßnahmen in China und Europa aufgehoben wurden, verharrt die Handelsaktivität bei etwa 15% unter dem erwarteten Wert.

LKW-Fahrleistung

Während der internationale Handel stockt zeigt sich der innerdeutsche Warenhandel weitgehend stabil. Nach einem Rückgang der durchschnittlichen LKW Fahrleistung, gemessen anhand von Mautdaten, während des Lockdowns, ist der Güterverkehr auf der Straße inzwischen wieder annähernd auf Normalniveau.

Stromverbrauch in der EU

Der deutsche Stromverbrauch ist gegenüber einer Schätzung seit Mitte März um ca. 10 Prozent an Wochentagen gefallen. Im europäischen Vergleich war dieser Rückgang zunächst eher gering: Durch das Virus hart getroffene Länder wie Spanien und Italien hatten ihren Stromverbrauch Mitte April um fast ein Drittel gesenkt. Seitdem zeichnet sich in diesen Ländern eine deutliche Erholung ab, während Deutschland auf einem niedrigen Niveau verharrt.

Stromverbrauch in Österreich

Die Entwicklung Österreichs ähnelt der in Deutschland. Während des harten „Lockdowns“ sank der Stromverbrauch um 10% im Vergleich zum Normalniveau. Seitdem erholt er sich nur sehr langsam und zeigt, dass das Hochfahren der Wirtschaft einige Zeit in Anspruch nehmen wird. (Netz: Austrian Power Grid)

Passantendaten

Während des harten „Lockdowns“ kamen durchschnittlich 90% weniger Passanten in deutsche Fußgängerzonen. Seit den Lockerungen kommen die Passanten langsam aber stetig zurück in die Innenstädte. Dies lässt darauf schließen, dass auch die Umsätze wieder zulegen. In einigen Städten wie Dortmund, Hamburg oder Leipzig ist man annähernd wieder auf dem Normalniveau. So schnell wie die Passanten Mitte März verschwunden waren, kamen sie aber nicht wieder. Bis der Einzelhandel wieder normale Umsätze erwarten kann, wird es immer noch einige Zeit dauern.

Suche nach einem Eigenheim

Die Suche nach einem Eigenheim beginnt häufig mit einer Suche im Internet. Das Volumen der Google-Suchanfragen nach "Haus kaufen" könnte somit ein guter Indikator für die Nachfrage nach Immobilien sein. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche. Zwischenzeitlich hatte sich die Anzahl der Suchanfragen fast halbiert — Ende März hat sie sich wieder stabilisiert.

Suchanfragen nach Taxi

Die Maßnahmen des "Lockdowns" haben viele Firmen in ihrem eigentlichen Handeln eingeschränkt, die Bevölkerung ist aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Geschäfts- und Privatreisen werden abgesagt. Das Volumen von Suchanfragen nach einem Taxi spiegelt dies: Im Vergleich zur ersten Märzwoche ist die Anzahl der Suchanfragen um ca. 50 Prozent zurückgegangen.

Google Maps Suchanfragen

Google Maps ist ein häufig genutzter Routenplaner für den Nah- und Fernverkehr. Das Volumen der Suche nach dem Dienst ist somit ein guter Indikator für die Mobilität der Bevölkerung in Deutschland. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche, d.h. seit Mitte März hat sich die Anzahl der Suchanfragen mehr als halbiert — Deutschland bleibt zu Hause.

Kiel Policy Briefs zum Thema Corona

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