COVID19

Datenmonitor Corona-Krise

Der Corona-Datenmonitor des IfW Kiel zeigt laufend aktualisierte Indikatoren, die Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland und Europa und die Ausbreitung der Pandemie zulassen. Er gibt damit Hinweise, wie sich das Verhalten von Unternehmen und Menschen angesichts der einschneidenden Auflagen der Regierungen und möglicher Lockerungen verändert.

Stromverbrauch in Deutschland

Nach dem erheblichen Absturz der deutschen Wirtschaft im April erreichte der Stromverbrauch in den Sommermonaten eine anhaltende Bodenbildung. Nach den ersten Lockerungen Ende April pendelte sich der deutsche Stromverbrauch bei einem Level von 8 bis 12 Prozent unter seinem Normalniveau ein und fiel nicht mehr weiter. Die Industrieproduktion korreliert mit dem Stromverbrauch etwa mit dem Faktor 1,5, daher ist davon auszugehen, dass auch sie nicht mehr weiter zurückging und bei einem Level von 12 bis 18 Prozent unter der normalen Auslastung lag. Der Stromverbrauch in Deutschland hat sich während des Lockdowns immer weiter von seinem zu erwartenden Niveau ohne Corona-Effekt entfernt, welches das IfW Kiel mit Hilfe eines ökonometrischen Modells schätzt, das langfristige Trends, saisonale Einflüsse, das Wetter und Feiertage berücksichtigt. Im Sommer setzte eine Erholung ein und im Oktober erreichte der Stromverbrauch wieder sein erwartetes Niveau. Der „Teil-Lockdown“ seit dem 2. November hat bisher keine Auswirkung auf den Stromverbrauch.

Übersicht der Indikatoren

Nachfrage nach CO2-Zertifikaten

Die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten ist ein Indikator für die von der Industrie erwartete Produktion. Der Preis für 1 Tonne CO2 ist zu Beginn der Kirse um fast 40% stark eingebrochen. Seit dem Tiefpunkt Ende März hat er sich aber wieder vollständig erholt und bewegt sich seitdem überwiegend über dem Niveau im März.

Das Frachtvolumen im Roten Meer

Die Grafik misst die summierte Kapazität der Containerschiffe, die sich täglich im Roten Meer und im Suezkanal befinden. Wegen der besonderen geografischen Lage des Roten Meeres spiegelt die Schifffahrt hier die Handelsaktivität zwischen Europa und Asien wieder. Der erwartete Wert berechnet sich aus dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, skaliert auf das Jahr 2020 mit Hilfe von vergangenen Wachstumsraten. Zu Beginn der Krise im März sank das tägliche Frachtvolumen stark ab und erholte sich danach nur langsam. Im September erreichte es erstmal wieder sein erwartetes Niveau, um das es seitdem pendelt.

LKW-Fahrleistung

Während der internationale Handel stockt zeigt sich der innerdeutsche Warenhandel weitgehend stabil. Nach einem Rückgang der durchschnittlichen LKW Fahrleistung, gemessen anhand von Mautdaten, während des Lockdowns, ist der Güterverkehr auf der Straße inzwischen wieder auf Normalniveau und zeigt sich deutlich stabiler als prognostiziert.

Stromverbrauch in der EU

Der deutsche Stromverbrauch ist gegenüber einer Schätzung seit Mitte März um ca. 10 Prozent an Wochentagen gefallen. Im europäischen Vergleich war dieser Rückgang zunächst eher gering: Durch das Virus hart getroffene Länder wie Spanien und Italien hatten ihren Stromverbrauch Mitte April um fast ein Drittel gesenkt. Inzwischen ist der Stromverbrauch in den drei Ländern wieder zu seinem Normalniveau zurückgekehrt, wobei Spanien und Italien sich schneller erholt haben als Deutschland. In allen 3 Ländern hat die jüngste Entwicklung der Pandemie noch keinen Einfluss auf den Stromverbrauch.

Stromverbrauch in Österreich

Die Entwicklung Österreichs ähnelt der in Deutschland. Während des harten „Lockdowns“ sank der Stromverbrauch um 10% im Vergleich zum Normalniveau. Seitdem hat er sich nur langsam erholt und zeigt, dass das Hochfahren der Wirtschaft einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Der Anfang November eingeführte „Teil-Lockdown“ zeigt allerdings keinen erneuten Einfluss auf den Stromverbrauch.  

Passantendaten

Während des harten „Lockdowns“ kamen durchschnittlich 90% weniger Passanten in deutsche Fußgängerzonen. Seit den Lockerungen sind die Passanten langsam aber stetig zurück in die Innenstädte gekommen. Dies lässt darauf schließen, dass auch die Umsätze wieder zulegen. In einigen Städten war man zwischenzeitlich annähernd wieder auf dem Normalniveau. Durch den „Teil-Lockdown“ ist das Passantenaufkommen im November wieder deutschlandweit gesunken und hat sich sich bei minus 30 bis 50% unter Normalniveau eingependelt. Damit sind die negativen Auswirkungen in den deutschen Innenstädten deutlich geringer im Vergleich zum harten Lockdown im März.

Suche nach einem Eigenheim

Die Suche nach einem Eigenheim beginnt häufig mit einer Suche im Internet. Das Volumen der Google-Suchanfragen nach "Haus kaufen" könnte somit ein guter Indikator für die Nachfrage nach Immobilien sein. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche. Zwischenzeitlich hatte sich die Anzahl der Suchanfragen fast halbiert — seit Ende März hat sie sich wieder stabilisiert.

Suchanfragen nach Taxi

Die Maßnahmen des "Lockdowns" haben viele Firmen in ihrem eigentlichen Handeln eingeschränkt, die Bevölkerung war aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Geschäfts- und Privatreisen wurden abgesagt. Das Volumen von Suchanfragen nach einem Taxi spiegelt dies: Im Vergleich zur ersten Märzwoche ist die Anzahl der Suchanfragen zeitweise um ca. 50 Prozent zurückgegangen. Im Juli war sie in vielen Städten zurück auf früheren Niveaus. Allerdings ist sie in mehreren Städten bereits seit Anfang Oktober erneut zurückgegangen mit einem erneuten Tiefpunkt in der ersten Novemberwoche.

Google Maps Suchanfragen

Google Maps ist ein häufig genutzter Routenplaner für den Nah- und Fernverkehr. Das Volumen der Suche nach dem Dienst ist somit ein guter Indikator für die Mobilität der Bevölkerung in Deutschland. Der Index ist normiert auf 1 in der ersten Märzwoche, d.h. seit Mitte März sank die Anzahl der Suchanfragen um mehr als die Hälfte — Deutschland blieb zu Hause. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung im Sommer, sind die Suchanfragen seit Oktober allerdings wieder in vielen Städten gesunken.

Kiel Policy Briefs zum Thema Corona

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