Wirtschaftspolitischer Beitrag

Strukturschwächen als Hemmnis für Estlands Aufholprozess

Estnische Gespräche über Wirtschaftspolitik, Berlin und Tallinn, 24 (2)

Estland wird gemeinhin als ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Transformation von einer Zentralverwaltungswirtschaft in eine funktionstüchtige Marktwirtschaft angesehen. Auch hinsichtlich der Stabilitätsprobleme und dem Reformstau in Südeuropa wird Estlands stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik oft als ein erfolgreicher Gegenentwurf genannt. Angesichts dieser Erfolgsgeschichte werden aber häufig die immer noch bestehenden wirtschaftlichen Defizite Estlands übersehen, die sich insbesondere in dem noch unvollendeten Aufholprozess gegenüber den wohlhabenderen EU-Staaten zeigen. Die Autoren gehen daher der Frage nach, warum der estnische Aufholprozess nicht so erfolgreich war, wie es die wirtschaftspolitischen Weichenstellungen eigentlich nahe gelegt hätten. Es stellt sich heraus, dass Estlands Wirtschaft signifikante Produktivitätsschwächen aufweist, die insbesondere im Bereich handelbarer Güter und damit in der Industrie  zu beobachten sind. Die estnische Industrieproduktion und der Export weisen nach wie vor nur einen relativ geringen Anteil technologieintensiver Produkte auf, so dass von der Industrie nur geringe Wachstumsimpulse ausgehen. Daher wird der estnischen Wirtschaftspolitik empfohlen, den Strukturwandel durch verbesserte Standortbedingungen für industrielle Investoren voranzutreiben.