Wirtschaftspolitischer Beitrag

Aufkeimender Protektionismus, Sanktionen und Brexit: Herausforderungen für den baltischen Außenhandel

Estnische Gespräche über Wirtschaftspolitik, Berlin und Tallinn, Bd. 25 (2)

Vor dem Hintergrund der estnischen Präsidentschaft im Europäischen Rat in der zweiten Jahreshälfte 2017 schlagen die Autoren vor, die verschiedenen Bedrohungen für den Freihandel auf die politische Tagesordnung des Rats zu setzen. Dazu zählen die protektionistischen Ansätze der Trump-Administration, die diskutierten Restriktionen im Handel der EU mit dem Vereinigten Königreich im Zuge des Brexit sowie der weiterhin schwelende Ukraine-Konflikt mit Russland, der mit Handelssanktionen einhergeht. Die Autoren zeigen im Rahmen einer deskriptiven Handelsanalyse und mit einem Gravitationsmodell, inwieweit die drei baltischen Staaten vom Handel mit Russland, dem Vereinigten Königreich und mit den USA abhängen. Die Analysen machen deutlich, dass der baltische Güter- und Dienstleistungshandel von allen drei Störungen beeinträchtigt werden könnte. Denn Estland, Lettland und Litauen handeln nach wie vor überproportional mit Russland und haben erfolgreich begonnen, britische und amerikanische Märkte zu erschließen, die zudem grundsätzlich weiteres Entwicklungspotential bieten. Die Förderung des Freihandels entspricht damit den wirtschaftlichen Interessen der drei Länder.