Statement

EZB-Entscheidung erhöht geldpolitische Risiken unnötig

09.06.2022

Prof. Dr. Stefan Kooths, Vizepräsident und Konjunkturchef des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) kommentiert die Beschlüsse des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB):

Kiel Institute Statements - Stefan Kooths

„Dass die EZB von einer Zinsanhebung abgesehen hat und diese erst für die nächsten Monate ankündigt, erhöht die geldpolitischen Risiken unnötig. Die verkündeten Schritte sind ein überfälliger Anfang, aber eben auch nur das. Die EZB muss dringend weitere Schritte unternehmen, um die Geldpolitik zu normalisieren, denn ihre Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Ihr zentraler Auftrag ist die Geldwertstabilität, und der sollte sie sich jetzt ausschließlich widmen. Verfestigt sich der Eindruck, dass sie sich vor allem von den Nöten der Finanzpolitik in einigen Euro-Ländern treiben lässt, droht sich die Erwartung einer weiter steigenden Inflation zu verselbständigen. Erst wenn das eintritt, verfestigt sich die Geldentwertung.  

Die Finanzpolitik kann es der Notenbank vor allem über ihr Verschuldungsgebaren leichter oder schwerer machen, für Preisstabilität zu sorgen, letztlich ist aber die Geldpolitik allein dafür verantwortlich. In der zurückliegenden Phase moderater Inflation entstand mehr und mehr der Eindruck, die Zentralbank könne Preisstabilität nebenbei erreichen, und sie hat sich dann immer mehr neue Ziele gesucht (Klimapolitik, Verteilungspolitik etc.). Das war ohnehin falsch, jetzt ist diese Zeit definitiv vorbei.“

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