Statement

Deutschland muss sich auf deutlich steigende Zahl von Geflüchteten aus Ukraine einstellen

25.05.2022

Prof. Dr. Tobias Heidland, Forschungsdirektor für „Internationale Entwicklung“ am IfW Kiel und Senior Researcher im MEDAM-Projekt kommentiert die aktuelle Flüchtlingssituation im Kontext des Ukraine-Krieges:

„Deutschland muss sich dringend darauf vorbereiten, dass sich schon in naher Zukunft deutlich mehr aus der Ukraine Geflüchtete als bislang hierzulande registrieren und Unterstützung beantragen. Die Situation der vor dem Krieg Geflüchteten und Erfahrungen aus anderen Flüchtlingsbewegungen sprechen dafür, dass eine solche Entwicklung absehbar ist. Bund, Länder und Kommunen müssen deshalb jetzt Kapazitäten für die Aufnahme von weiteren Geflüchteten in Deutschland schaffen und Unterkunft, Spracherwerb, Kinderbetreuung und Arbeitsmarktintegration in die Wege leiten. Ein Grund ist unter anderem, dass für viele Flüchtlinge die 90-Tage-Frist für einen visafreien Aufenthalt bald abläuft. Damit steht für sie eine Entscheidung an, wo sie ihre Zukunft planen. Angesichts des anhaltenden Krieges könnte ein Teil der Flüchtlinge sich für einen Verbleib in Deutschland entscheiden oder aus Erstaufnahmeländern wie Polen nach Deutschland weiterziehen.

Deshalb sollten gleichzeitig stark belastete Aufnahmeländer wie Polen stärker finanziell unterstützt werden, damit Ukrainerinnen und Ukrainer auch dort zügig integriert werden können – bevor die Gastfreundschaft nachlässt.“

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