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Kiel Trade Indicator 11/21: Fragiler Aufwärtstrend im weltweiten Handel

07.12.2021

In seinem jüngsten Datenupdate für November 2021 signalisiert der Kiel Trade Indicator insgesamt recht positive Handelszahlen (Monat-zu-Monat, preis- und saisonbereinigt). Die Aufwärtsbewegung droht aber von kurzer Dauer zu sein. Zum einen schert China mit negativen Zahlen aus der Reihe. Zum anderen bleiben die Staus in der Containerschifffahrt auf ausgesprochen hohem Niveau und stehen damit einem längerfristigen Aufwärtstrend entgegen. Mit diesem Datenupdate führt das IfW Kiel eine Reihe von Verbesserungen für den Kiel Trade Indicator ein, die wichtigste: Ab sofort erfolgen die Schätzungen preisbereinigt, also in realen statt nominalen Veränderungsraten.

Der Handel der USA könnte nach Monaten der Stagnation im November im Vergleich zum Vormonat erstmals wieder einen positiven Handelsimpuls verzeichnen. Die Schätzungen des Kiel Trade Indicator liegen sowohl für die Exporte (+3,2 Prozent) als auch die Importe (+2,3 Prozent) im Plus (preis- und saisonbereinigt).

Deutschlands Exporte könnten leicht zulegen (+1,2 Prozent), die Importe dürften stagnieren (0,0 Prozent). Für die EU sind sowohl bei den Exporten (+0,9 Prozent) als auch bei den Importen (+0,4 Prozent) leicht positive Entwicklungen möglich.

Der gesamte Welthandel dürfte im November um 1,7 Prozent über dem Vormonat liegen.

Für Chinas Handel signalisiert der Kiel Trade Indicator allerdings negative Vorzeichen. Er zeigt einen Rückgang von 3,6 Prozent für die Exporte und von 2,0 Prozent für die Importe an. Der sanfte Aufwärtstrend der Monate September und Oktober wäre damit gebrochen.

„Die positiven Handelszahlen für den Monat November sind erfreulich. Allerdings ist die Aufwärtsbewegung äußerst fragil. Es ist zu befürchten, dass die Freude aufgrund der nach wie vor massiven Staus in der weltweiten Containerschifffahrt nur kurz währt. Die Staus verharren seit rund zwei Monaten auf einem sehr hohen Niveau und verhindern einen klaren Aufwärtstrend im weltweiten Handel“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator am IfW Kiel.

Vor den US-Häfen Los Angeles/Long Beach und Savannah sowie im Perlflussdelta und vor Ningbo-Zhou in China sind derzeit rund 8 Prozent der weltweiten Frachtkapazität der Containerschifffahrt durch Staus gebunden. Über 11 Prozent aller global verschifften Waren stecken in den Warteschlagen fest.

Das Frachtvolumen im Roten Meer, wichtiger Indikator für den europäisch-asiatischen Handel, hat sich seinem zu erwartenden Niveau zwar etwas angenähert, bleibt aber immer noch rund 7 Prozent dahinter zurück.

­ „Das Weihnachtsshopping steht in diesem Jahr klar unter den Vorzeichen der Lieferprobleme, was sich in einem reduzierten Angebot, längeren Lieferzeiten und höheren Preisen ausdrückt. Aber auch die deutsche Industrie kocht aufgrund fehlender Waren auf Sparflamme. Besserung ist erst nach dem chinesischen Neujahrsfest im ersten Halbjahr 2022 in Sicht, doch auch dann dürfte es noch dauern, bis das globale Liefernetzwerk wieder im Gleichtakt schwingt. Lieferverzögerungen und Engpässe könnten uns daher noch sehr weit ins nächste Jahr beschäftigen“, so Stamer.

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­ Update für den Kiel Trade Indicator

Mit dem jüngsten Datenupdate führt das IfW Kiel eine Reihe von Verbesserungen für den Kiel Trade Indicator ein. Die wichtigste ist die Umstellung der Handelsschätzungen von nominalen auf reale Daten. Die Preisbereinigung erhöht die Schätzgenauigkeit des Kiel Trade Indicator, etwa weil sich Preisschwankungen aufgrund von Lieferengpässen oder Inflation nicht mehr in den Handelsdaten niederschlagen.

Außerdem erfolgen die Schätzungen für eine höhere Anzahl an Ländern und Regionen. Das Update bietet eine bessere Abdeckung des Globalen Südens, etwa Subsahara-Afrika, Nordafrika, Mittlerer Osten oder Schwellenländer Asiens. Außerdem schlüsseln wir den Handel Europas in Intra- und Extra-EU-Handelsflüsse auf.

Damit einher geht eine Änderung der Berichterstattung für die Medien. Unverändert wird der Kiel Trade Indicator zweimal im Monat auf der Webseite aktualisiert. Um den 20. für den laufenden und den folgenden Monat (ab jetzt ohne Medieninformation) und um den 5. mit aktualisierten Daten für den abgelaufenen Monat (ab jetzt mit Medieninformation) sowie einer ersten Schätzung für den angebrochenen Monat.

Weitere Informationen zum Kiel Trade Indicator und einzelne Prognosen für 75 Länder finden Sie auf www.ifw-kiel.de/tradeindicator.

Die nächsten Aktualisierungen des Kiel Trade Indicator erfolgen am 20. Dezember 2021 (ohne Pressemeldung) und am 5. Januar 2022 (mit Pressemeldung).


Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) für 75 Länder weltweit, die EU sowie des Welthandels insgesamt. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die Schiffsbewegungen in reale, saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt zweimal im Monat. Um den 20. (ohne Pressemeldung) für den laufenden und den folgenden Monat und um den 5. (mit Pressemeldung) für den vergangenen und den laufenden Monat.

An- und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst. Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen. Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indikators lernt mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

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