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Kommentar: EZB-Maßnahmen zu Corona: „Zusatzliquidität für gesamten Euroraum überflüssig“

12.03.2020

Konjunkturchef Stefan Kooths kommentiert die von der EZB vor dem Hintergrund der Corona-Krise bekannt gegebenen Schritte zur Liquiditätsversorgung. Er sieht es kritisch, dass die EZB weiter ins Risiko geht.

Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter Prognosezentrum IfW Kiel: „Die EZB dreht den Geldhahn weiter auf. Hierzu weitet sie sowohl die Langfristkredite an Geschäftsbanken als auch die Käufe von Unternehmensanleihen aus. Die zusätzliche Liquidität ist aus Sicht des Euroraums als Ganzem buchstäblich überflüssig. Entscheidend ist, dass die EZB den Zugang zu Zentralbankgeld auch dann für einzelne Banken offen hält, wenn die übrigen Marktteilnehmer diesen nicht mehr über den Weg trauen. Indem die EZB die Sicherheitsanforderungen für ihre Geldgeschäfte lockert, geht sie selbst weiter ins Risiko. Die Zentralbank nimmt damit abermals Risiko aus dem Markt heraus. Banken gegen Kreditrisiken abzusichern, wäre jedoch eine Aufgabe der Staaten, nicht der Geldpolitik. Die EZB schaltet damit wieder aktiv in den Krisenmodus, weil sie das Finanzsystem offenbar immer noch nicht für robust genug und zumindest einzelne Staaten nicht für ausreichend handlungsfähig hält.

Den Weg in noch tiefere Negativzinsen ist die EZB aus guten Gründen nicht gegangen, weil dies die Liquiditätshaltung für Banken und Unternehmen noch weiter verteuert hätte. Die Liquiditätsbestände der Unternehmen sind derzeit aber zentral für ihre Widerstandsfähigkeit angesichts der Umsatzausfälle im Zuge der Corona-Krise. Dies hätte für eine Rückführung des Einlagensatzes auf Null gesprochen. Insofern ist die heutige Reaktion nicht schlüssig.“

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