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Europäer sind offener für Einwanderung als vor 15 Jahren

19.10.2018

Umfragedaten aus 13 EU-Mitgliedstaaten zeigen, dass Europäer die Auswirkungen der Einwanderung auf ihr Land positiver bewerten als noch 2002. Trotz der Flüchtlingskrise und einer zunehmenden Polarisierung der Bevölkerung gegenüber Zuwanderung legen diese Ergebnisse nahe, dass politische Entscheidungsträger viel Handlungsspielraum haben, um ganzheitlich ausgewogene Lösungen für die Asyl- und Einwanderungspolitik zu entwickeln.

Ein neuer Policy Brief von Esther Ademmer und Tobias Stöhr untersucht, wie Europäer die Auswirkungen der Zuwanderung auf ihre Länder bewerten, insbesondere nach der Flüchtlingskrise im Jahr 2015. Obwohl die europäische Asyl- und Einwanderungspolitik nach wie vor von politischen Konflikten geprägt ist und Spaltungen innerhalb und zwischen den politischen Parteien verursacht, ist die Mehrheit der europäischen Wähler gegenüber Migranten nicht per se kritisch eingestellt – und würden womöglich auch mehr legale Arbeitsmigration aus Nicht-EU-Staaten begrüßen.

Europäer sind offener für Einwanderung als noch 2002…

Auf der Grundlage des European Social Survey (ESS), der seit 2001 Einstellungen, Überzeugungen und Verhaltensmuster der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Europa misst, analysieren Ademmer und Stöhr acht Erhebungswellen des ESS, einschließlich der neuesten Daten über Einstellungen der Bürger nach der Flüchtlingskrise. Der ESS fragt regelmäßig, wie die Menschen die Auswirkungen der Einwanderung auf ihr Land im Allgemeinen und auf das kulturelle Leben beurteilen, und ob sie diese als gut oder schlecht für die nationale Wirtschaft betrachten. Die Daten zeigen, dass Menschen in ganz Europa – unabhängig von den verschiedenen Einwanderungswegen und -arten (z.B. EU-Migranten versus Nicht-EU-Migranten) – Zuwanderung seit 2002/2003 im Durchschnitt positiver bewerten. Ein Trend, der sich auch nach der Flüchtlingskrise nicht umgekehrt hat.

…doch die Polarisierung innerhalb der Staaten nimmt zu

Im Durchschnitt gibt es in diesen Fragen auch keine großen Unterschiede zwischen den europäischen Staaten. Doch während die öffentliche Meinung zwischen den betrachteten EU-Mitgliedstaaten nur wenig variiert, hat sie sich innerhalb der Mitgliedstaaten polarisiert. Diese Veränderung zeigt sich zumindest, wenn man die Umfrageergebnisse innerhalb Deutschlands und Ungarns vergleicht. In diesen Ländern war der Großteil der Befragten bisher der Meinung, dass Einwanderung ihr Land weder verbessere noch verschlechtere. Diese Gruppe ist sowohl in Deutschland als auch in Ungarn kleiner geworden, was darauf hindeutet, dass 2016–2017 mehr Menschen eher positive oder negative – im Gegensatz zu neutralen – Meinungen haben.

Trotz des Aufstiegs der AfD haben sich die Ansichten der Befragten in Deutschland auch im Vergleich zu den beiden Umfragen von 2014–2015 und 2016–2017 im Durchschnitt nicht sehr verändert. In Ungarn dagegen ist die Zunahme der Menschen, die Migration als sehr nachteilig betrachten, erheblich.

Den Handlungsspielraum nutzen

Insgesamt zeigen die Daten, dass Europäerinnen und Europäer Einwanderung im Allgemeinen nicht als zunehmend negativ bewerten. Im Gegenteil, ihre Antworten belegen, dass die öffentliche Meinung seit 2002–2003 Zuwanderung eher mehr als weniger akzeptiert.

"Der Ruf nach Abschottung mag lauter geworden sein, doch er spiegelt nicht die gesamte Bandbreite der öffentlichen Meinung wider“, so Esther Ademmer. „Die ESS-Daten weisen stark darauf hin, dass eine bedeutende Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern Migrationspolitiken unterstützen würde, die nicht ausschließlich darauf abzielen, Zuwanderung zu unterbinden. Die Vielschichtigkeit der öffentlichen Meinung bietet den politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern einen erheblichen Handlungsspielraum für gemeinsame europäische Politikmaßnahmen, um mit den aktuellen Herausforderungen effektiv umzugehen.“

Zum MEDAM Policy Brief:
Europeans are more accepting of immigrants today than 15 years ago – Evidence from eight waves of the European Social Survey

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