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Konjunkturaussichten für Europa: Viele stimulierende Faktoren, aber nur moderate Zuwächse

29.01.2016

Reales BIP in der Eurozone steigt jeweils um 1,8 Prozent in 2016 und 2017

Niedrige Ölpreise haben gesamtwirtschaftlich positiven Effekt

Hohe Flüchtlingszahlen bringen kurzfristigen Wachstumseffekt

Die EUROFRAME-Gruppe, eine Gemeinschaft aus zehn der bedeutendsten Wirtschaftsforschungsinstitute Europas, sieht in ihrer aktuellen Prognose die konjunkturellen Aussichten für Europa positiv. „Auch wenn der schwankende Ölpreis und die hohe Zahl an Flüchtlingen Risiken bergen, überwiegen im Moment aus gesamtwirtschaftlicher Sicht die positiven Effekte“, sagt Klaus-Jürgen Gern, Experte für internationale Konjunktur am Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Die Experten erwarten einen Zuwachs des realen BIPs um je 1,8 Prozent in 2016 und 2017, nach 1,5 Prozent im letzten Jahr. Ursache sind die nach wie vor stark stimulierende Geldpolitik, ein schwacher Euro, das Fehlen von fiskalischen Einschränkungen zur Haushaltskonsolidierung und der anhaltend niedrige Ölpreis. „Der dennoch nur moderate Anstieg der Zuwachsraten ist vor allem der fehlenden Dynamik der Weltwirtschaft geschuldet“, so Gern. Die EUROFRAME-Prognostiker erwar­ten für die USA nur eine moderate Steigerung der Wirtschaftskraft, eine anhaltende Verlangsamung der chinesischen Wachstumsraten sowie erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten in anderen Schwellenländern. Die Arbeitslosigkeit im Euroraum sinkt nach aktueller Prognose weiter bis auf 9,5 Prozent in 2017.

Die niedrigen Ölpreise haben laut Schätzungen für die Eurozone und die Weltwirtschaft als Ganzes positive Effekte. Das Risiko von Ansteckungsgefahren durch ölexportierende Länder, die von hohen finanziellen Einbußen betroffen sind, hat sich durch enge Handelsverflechtungen und mögliche negative Auswirkungen über die Finanzmärkte aber erhöht. „Der starke Fall der Ölpreise steht auch für einen fundamentalen Politikwechsel der OPEC-Staaten, die keine Marktanteile gegen kostenintensiver fördernde Konkurrenten, etwa die Fracking-Industrie in den USA, verlieren wollen und daher bislang nicht durch Kürzungen der Fördermengen gegensteuern, wie dies früher der Fall war“, so Gern. Nach Modellrechnungen von EUROFRAME wiegen die positiven Wachstumseffekte des billigen Öls für die ölimportierenden Länder stärker als die negativen Effekte auf das Wachstum der ölexportierenden Länder. „Die starken internationalen Umverteilungswirkungen haben die Anfälligkeit der Weltwirtschaft allerdings erhöht“, so Gern.

Die hohe Zahl an Flüchtlingen, die aktuell nach Europa kommt, hat erhebliche zusätzliche Staatsausgaben zur Folge, was kurzfristig einen spürbaren konjunk­turellen Stimulus für die meisten betroffenen Länder bedeutet, so die Experten. In Ländern wie Deutschland oder Finnland könnten sich dadurch die Zuwachsraten des BIP um rund einen halben Prozentpunkt erhöhen. Sollten sich die Europäischen Länder aber nicht auf eine gemeinsame Strategie zur Lösung zur Flüchtlingskrise einigen und sollten noch mehr Schengen-Grenzen geschlossen werden, könnten Sorgen über die Zukunft der EU an Bedeutung gewinnen und die Unterstützung in der Bevölkerung schwinden, was wiederum negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stimmung und den Konsum haben könnte.

Die EUROFRAME-Gruppe besteht aus zehn der bedeutendsten europäischen Wirtschaftsforschungsinstituten, diese sind: CASE (Polen), CPB (Niederlande), DIW Berlin (Deutschland), ESRI (Irland), ETLA (Finnland), Institut für Weltwirtschaft, Kiel (Deutschland), NIESR (Vereinigtes Königreich, OFCE (Frankreich), PROMETEIA (Italien) und WIFO (Österreich).

Neben der aktuellen Konjunkturprognose für den Euroraum enthält der Bericht eine ausführliche Analyse zum Ölmarkt und eine Konjunkturprognose für Zentral- und Osteuropa sowie Berichte zu den konjunkturellen Folgen der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen und den Strukturreformen in Frankreich.

Vollständige Prognose

EUROFRAME Homepage: http://www.euroframe.org/.

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