Medieninformation

Bessere Prognosen dank Google-Suchanfragen

26.05.2016

Das IfW unterstützt als deutsches Forschungsinstitut ein internationales Projekt, das die Arbeitslosenquote für die Länder der EU mit Hilfe von Google-Suchanfragen in Echtzeit prognostiziert

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) unterstützt Forscher des finnischen Wirtschaftsforschungsinstitutes ETLA dabei, die Arbeitslosenquote für die 28 Länder der EU anhand von Google-Suchanfragen in Echtzeit zu prognostizieren. Bislang müssen Schätzungen auf Daten aus der offiziellen Statistik zurückgreifen, die nur mit Zeitverzögerung veröffentlicht werden und daher nur die Vergangenheit abbilden. Das Analysetool ETLAnow wertet täglich die Suchanfragen auf Google rund um Begriffe zum Thema Arbeitslosigkeit aus, etwa nach offenen Stellen oder Arbeitslosengeld. Anhand der Daten werden tagesaktuelle Prognosen zur jetzigen und künftigen Arbeitslosenquote veröffentlicht.

Rezessive Tendenzen  früher erkennen

„Da ETLAnow auf sehr viel aktuellere Daten zurückgreifen kann, hilft das Tool dabei, die Prognosegüte in der kurzen Frist bis etwa drei Monate zu verbessern. Insbesondere können Wendepunkte am Arbeitsmarkt früher erkannt werden“, sagte Dominik Groll, Arbeitsmarktexperte am IfW. „Gerade beim Übergang in eine Rezession steigt die Arbeitslosenquote sehr plötzlich. Herkömmliche Schätzmodelle bilden eine solche Entwicklung häufig zu spät ab und laufen der aktuellen Entwicklung hinterher. In diesem speziellen Fall können mithilfe der Echtzeitanalyse rezessive Tendenzen früher erkannt werden und die Politik hat entsprechend früher die Möglichkeit, gegenzusteuern.“

Big-Data besser verstehen

Das IfW lieferte für Deutschland die entsprechenden Google-Suchbegriffe rund um das Thema Arbeitslosigkeit, die von ETLAnow ausgewertet werden. Insgesamt wird das Projekt von 29 führenden europäischen Wirtschaftsforschungsinstituten unterstützt. Ziel sei es auch, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob Big-Data grundsätzlich die Qualität von Schätzungen verbessern kann, so die finnischen Forscher.

Prognostiziert wird die Arbeitslosenquote nach dem Standard der International-Labour-Organization (ILO), nicht gemäß nationalen Konzepten wie z.B. dem der Bundesagentur für Arbeit. Veröffentlich werden die Zahlen auf www.etlanow.eu sowie auf Twitter im Kanal von @ETLAnow. Nach heutigem Stand sieht ETLAnow die Arbeitslosenquote für Deutschland im Mai bei 4,51 Prozent (Juni: 4,58%; Juli 4,64%; August: 4,55%).

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