Wirtschaftspolitischer Beitrag

Deutschland: mittelfristig droht Überhitzung

Wirtschaftsdienst, 2015, Nr. 4

Die Aufschwungskräfte in Deutschland haben wieder Tritt gefasst. Die Unternehmenszuversicht hellt sich seit einem halben Jahr von Monat zu Monat auf. Die Auslastung der Industriekapazitäten ist weiterhin aufwärts gerichtet und hat jüngst das Normalniveau überschritten; das Bauhauptgewerbe operiert nahe an der historischen Höchstauslastung - ebenfalls mit steigender Tendenz. Rückenwind erhält die Konjunktur durch die niedrigen Notierungen für Rohöl und die Abwertung des Euro. Alles in allem deuten die Frühindikatoren darauf hin, dass die Produktion weiter kräftig expandieren wird, wenn auch etwas langsamer als im äußerst starken vierten Quartal 2014. Für das Gesamtjahr 2015 ist mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8% zu rechnen, gefolgt von 2% im nächsten Jahr. Derzeit dürften die Produktionskapazitäten in Deutschland in etwa normal ausgelastet sein. Bei einem jährlichen Anstieg des Produktionspotenzials von schätzungsweise 1¼% expandiert die deutsche Wirtschaft somit nach und nach in die Überauslastung. Mittelfristig droht eine konjunkturelle Überhitzung.