Konjunkturbericht

Deutsche Wirtschaft im Zeichen des Corona-V(irus)

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 65 (2020|Q1)

Die Verbreitung des Corona-Virus wird sich in erheb­lichem Maße auf die Konjunktur in Deutschland aus­wirken. Die deutsche Wirtschaft wird dabei in einer Situation getroffen, in der sie nach dem Abschwung im vergangenen Jahre gerade im Begriff war, wieder Tritt zu fassen. So mehrten sich zuletzt die Zeichen, dass die Industrie ihren Boden finden und sich all­mählich wieder aus der Rezession lösen würde. Die konkreten wirtschaftlichen Schäden durch das Corona-Virus lassen sich derzeit kaum beziffern. Zum einen werden die Auswirkungen in den vorlie­genden Frühindikatoren noch nicht abgebildet. Zum anderen ist auch der weitere Fortgang der Virus­erkrankung ungewiss, zumal die wirtschaftlichen Folgen zu einem Gutteil auch von den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus abhängen. Für unsere Prognose haben wir unterstellt, dass das Corona-Virus die wirtschaftliche Aktivität vor allem in der ersten Jahreshälfte dämpft und es danach zu spürba­ren Aufholeffekten kommt. In diesem Szenario wird das Konjunkturbild im Verlauf dieses Jahres einer ausgeprägten V-Form ähneln. Absehbar ist bereits, dass der Außenhandel in den kommenden Monaten deutlich in Mitleidenschaft gezogen werden wird. Dabei dürfte nicht nur der Austausch nach China, sondern auch in andere besonders stark von dem Virus betroffene Regionen deutlich rückläufig sein. In Zuge dessen könnten Lieferprobleme bei Vorleis­tungsgütern zusätzlich zu spürbaren Produktions­rückrängen führen. Aber auch in der Binnenkonjunk­tur dürfte sich die Verbreitung des Virus deutlich bemerkbar machen. So werden sich die privaten Haushalte wohl insbesondere bei Freizeitaktivitäten zurückhalten, um eine Ansteckung zu vermeiden. Die Unternehmen werden angesichts des unsicheren Fortgangs der Viruserkrankung voraussichtlich In­vestitionsvorhaben verschieben. Sofern sich die größten negativen Effekte tatsächlich auf die erste Jahreshälfte beschränken, dürften die Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen gering sein. Alles in allem rechnen wir für das laufende Jahr mit einem leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 0,1 Prozent. In unserer jüngsten Winterprognosen waren wir noch von einem Anstieg von 1,1 Prozent ausge­gangen. Im kommenden Jahr dürfte das Brutto­inlandsprodukt auch aufgrund der Aufholeffekte recht kräftig um 2,3 Prozent zulegen. Insgesamt überwie­gen für unsere Prognose jedoch die Abwärtsrisiken und je nach dem weiteren Fortgang bezüglich der Corona-Erkrankungen sind auch deutlich negativere Szenarien denkbar.