Konjunkturbericht

Deutsche Konjunktur kühlt ab

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 53 (2019 | Q1)

Die deutsche Konjunktur hat einen Gang zurückge­schaltet. Nachdem die konjunkturelle Dynamik in Deutschland bis zur Mitte des vergangenen Jahres noch äußerst hoch war, geriet die Produktion spürbar ins Stocken. Wesentlich dazu beigetragen haben zwar temporäre belastende Faktoren wie die Pro­bleme der Automobilhersteller mit dem neuen WLTP-Standard sowie die niedrigen Pegelstände des Rheins. Allerdings hat sich die konjunkturelle Dyna­mik auch abgesehen davon verlangsamt. Zu den schlechteren Geschäftsaussichten beigetragen hat nicht zuletzt das außenwirtschaftliche Umfeld, das von einer ausgesprochen hohen politischen Unsi­cherheit geprägt ist. Dies belastet die Ausfuhren, und auch die Investitionsfreude der Unternehmen hat sich trotz der weiterhin recht hohen Kapazitätsauslastung zu­letzt eingetrübt. Zudem behindern Kapazitätseng­pässe offenbar die Produktion. So liegt der Anteil der Unternehmen, die über Produktionsbehinderungen aufgrund von Fachkräftemangel und Knappheiten bei Material und Ausrüstungen klagen, seit einiger Zeit auf ungewöhnlich hohem Niveau. Vor diesem Hinter­grund haben wir unsere Prognose für die Zuwachs­rate des Bruttoinlandsprodukts für das laufende Jahr deutlich um 0,8 Prozentpunkte auf 1 Prozent redu­ziert. Mit dem Auslaufen der temporären Belas­tungsfaktoren zum Jahreswechsel dürfte sich die Konjunktur wieder fangen. Zudem werden die priva­ten Konsumausgaben angesichts der kräftig steigen­den verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte wieder rascher ausgeweitet werden. So planen die Unternehmen, die Beschäftigung weiter zu erhöhen, und die Effektivverdienste dürften angesichts der Knappheiten am Arbeitsmarkt mit überdurchschnittli­chen Raten zulegen. Hinzu kommen spürbare Abga­bensenkungen und Leistungsausweitungen der öf­fentlichen Hand. Für das Jahr 2020 rechnen wir mit einer Zuwachsrate von 1,8 Prozent. Diese Beschleu­nigung ist aber vor allem der deutlich höheren Zahl an Arbeitstagen geschuldet; im Verlauf dürfte sich die Konjunktur weiter verlangsamen. Vor diesem Hinter­grund werden sich die Überschüsse der öffentlichen Haushalte deutlich verringern und im Jahr 2020 ein strukturell ausgeglichener Budgetsaldo erreicht sein.