Konjunkturbericht

Deutsche Konjunktur im Sinkflug

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 56 (2019 | Q2)

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Abschwung. In den vergangenen Mona­ten hat sich die konjunktu­relle Dynamik weiter ver­langsamt, und die Unter­nehmen blicken deutlich pessimistischer in die Zu­kunft. Dazu beigetragen haben dürfte nicht zuletzt auch die weltweit hohe wirtschaftspolitische Unsi­cherheit. Für das zweite Quartal zeichnet sich sogar ein Rückgang des Brut­toinlandsprodukts ab. Vor diesem Hintergrund rech­nen wir nun gegenüber unserer Prognose vom Frühjahr mit geringeren Zu­wachsraten des Brutto­inlandsprodukts von 0,6 Pro­zent im laufenden Jahr (Frühjahr: 1 Prozent) und 1,6 Prozent im kommen­den Jahr (1,8 Prozent). In der zweiten Jahreshälfte dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion wieder aufwärts gerichtet sein, wenn auch in moderatem Tempo. Dafür spricht, dass der private Konsum mit den weiter kräftig steigenden Einkommen wieder spürbar zulegen dürfte, nachdem er im zweiten Quartal angesichts der sehr hohen Zuwachsrate zum Jahresauftakt eine Verschnauf­pause einlegen wird. Auch die Exporte, die zuletzt deutlich hinter der recht robusten weltwirtschaftlichen Expan­sion zurückgeblieben sind, werden wohl all­mählich wieder Tritt fassen. Schließlich dürften die Bauinves­titionen deutlich aufwärts gerichtet bleiben, wobei die fortbestehenden Kapazitätsengpässe zu weiter kräftig steigenden Baupreisen führen werden. Von den Unternehmensinvestitionen sind angesichts der eingetrübten Absatz- und Ertragsaussichten dage­gen keine größeren Impulse mehr zu erwarten. Die langsamere konjunkturelle Entwicklung wird auch am Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. Insbe­sondere im Verarbeitenden Gewerbe planen mehr und mehr Unternehmen, die Zahl der Beschäftigten zu reduzie­ren. Hinzu kommt, dass offenbar immer noch viele Unterneh­men, die weiterhin nach Fach­personal suchen, Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Vor diesem Hintergrund dürften die Über­schüsse der öffentlichen Haushalte merklich zurück­gehen, da die geringere konjunkturelle Dyna­mik insbesondere die Einnahmen belasten wird, während die Ausgaben planmäßig deutlich aus­ge­weitet wer­den.