Konjunkturbericht

Deutsche Wirtschaft mit langsamerer Gangart

Kieler Konjunkturberichte Mittelfristprojektion, Nr. 48 (2018 | Q3)

Die deutsche Wirtschaft wird ihr derzeit hohes Ex­pansionstempo mittelfristig nicht beibehalten können. So dürfte sich das Wachstum des Produktionspoten­zials von 1,7 Prozent im laufenden Jahr auf unter 1,4 Prozent im Jahr 2023 sukzessive abschwächen. Maßgeblich ist, dass aufgrund des demografischen Wandels von der Entwicklung des Erwerbspersonen­potenzials kaum noch positive Impulse auf das Wachstum ausgehen. Hinzu kommt, dass sich die Hochkonjunktur in Deutschland wohl allmählich ihrem Ende entgegenneigt. Angesichts der bereits hohen Kapazitätsauslastung fällt es den Unternehmen zu­sehends schwerer, ihre Produktion weiter in hohem Tempo auszuweiten. In den kommenden beiden Jahren dürften die expansive Finanzpolitik (2019) bzw. die hohe Zahl an Arbeitstagen (2020) das Brut­toinlandsprodukt noch stützen. Für die Jahre danach zeichnet sich der Beginn eines Abschwungs ab, zumal dann die konjunkturelle Dynamik unserer Ein­schätzung zufolge bereits so hoch ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Dies alles stellt die Wirtschaftspolitik vor erhebliche Herausforderungen, da sie mittelfristig nicht nur konjunkturell, sondern auch strukturell bedingt niedrigeren Einnahmen und höheren Ausgaben entgegensieht.