Konjunkturbericht

Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 35 (2017 | Q3)

Die deutsche Wirtschaft hat ihre bereits hohe Dreh­zahl weiter gesteigert. Wir erhöhen unsere Prognose für die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts für das laufende Jahr auf 2 Prozent (zuvor: 1,7 Prozent) und für das kommende Jahr auf 2,2 Prozent (zuvor: 2 Prozent). Auch im Jahr 2019 dürfte das Brutto­inlandsprodukt mit 2,1 Prozent deutlich zulegen. Bei bereits überdurchschnittlich ausgelasteten Produkti­onskapazitäten nähert sich die deutsche Wirtschaft damit der Hochkonjunktur. Der Aufschwung hat dabei an Breite gewonnen. Neben den Konsumausgaben werden die Investitionen und die Exporte nach und nach zu weiteren Standbeinen des Aufschwungs. So dürften sich die Unternehmensinvestitionen aufgrund der sehr günstigen Absatz- und Ertragsaussichten beschleunigen, zumal die aus dem unsicheren inter­nationalen Umfeld resultierenden belastenden Fakto­ren offenbar allmählich abklingen. Zudem werden Bauinvestitionen angesichts der sehr anregenden Rahmenbedingungen, darunter nicht zuletzt die äu­ßerst günstigen Finanzierungsbedingungen, weiter mit hohen Raten ausgeweitet werden. Schließlich werden sich die Exporte stimuliert durch die anzie­hende Weltkonjunktur voraussichtlich beschleunigen. Die anhaltend günstige Lage am Arbeitsmarkt macht sich neben den weiter steigenden Beschäftigtenzah­len zunehmend auch in höheren Lohnabschlüssen bemerkbar und sorgt so für hohe Einkommens­zuwächse. Vor diesem Hintergrund dürften die pri­vaten Konsumausgaben in den kommenden Jahren um jährlich mehr als 1,5 Prozent zunehmen. Einem stärkeren Anstieg steht die im Vergleich zum Vorjahr deutlich höhere Inflation entgegen, die die Kaufkraft der privaten Haushalte schmälert. Für das Jahr 2019 rechnen wir mit einer Inflationsrate von 2 Prozent. Getragen wird der Aufschwung zudem von der höhe­ren Dynamik bei den Exporten. Der gesamtwirt­schaftliche Budgetüberschuss dürfte weiter steigen. Für eine vorausschauende Finanzpolitik sind die - daraus scheinbar resultierenden - Spielräume für Ausgabensteigerungen freilich eng begrenzt, da die Überschüsse temporären Phänomenen wie der ho­hen konjunkturellen Dynamik sowie den niedrigen Zinsen geschuldet sind