Konjunkturbericht

Deutsche Wirtschaft mit überhöhter Drehzahl

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 32 (2017 | Q2)

Die deutsche Konjunktur läuft auf hohen Touren. Wir gehen wie in unserer Frühjahrsprognose davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 1,7 Prozent und im Jahr 2018 um 2 Prozent steigen wird. Damit würde die gesamtwirtschaftliche Produk­tion im gesamten Prognosezeitraum mit höherem Tempo zulegen als das Produktionspotenzial, das das nachhaltig erzielbare Wirt­schaftswachstum widerspiegelt. Bei bereits merklich über normal aus­gelasteten Kapazitäten steht Deutschland damit an der Schwelle zur Hochkon­junktur. Vor diesem Hin­tergrund nehmen auch die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft mehr und mehr zu. Insge­samt expandiert die deutsche Wirtschaft auf breiter Front. So ziehen die Exporte mit der Belebung der Weltkonjunktur wieder beschleunigt an. Die Bau­tätigkeit wird vor allem durch die anhaltend sehr güns­tigen Finanzie­rungsbedingungen kräftig ange­scho­ben. Schließlich weiten auch die Unternehmen auf­grund der günsti­gen Geschäftsaussichten ihre Inves­titionen wieder rascher aus. Lediglich der Anstieg des privaten Kon­sums fällt voraussichtlich geringer aus als in den Vorjahren, vor allem weil die höhere Inflation die Kaufkraft der verfügbaren Ein­kommen der privaten Haushalte belastet. Gestützt wird der private Kon­sum jedoch weiter durch die gute Lage am Arbeits­markt. Der Beschäftigungsaufbau setzt sich fort, wenngleich das Tempo etwas nachlassen dürfte. Mit den zunehmenden Anspan­nungen am Arbeitsmarkt nehmen auch die Löhne dynamischer zu. Der ge­samt­staatliche Bud­getüber­schuss wird den Rekord­wert vom Vorjahr im laufen­den Jahr wohl leicht übertreffen und im Jahr 2018 ähnlich hoch bleiben. Der hohe Überschuss ist frei­lich vor allem der konjunkturellen Dynamik sowie den niedrigen Zinsen geschuldet und somit ein temporäres Phä­nomen. Für eine vorausschauende Finanzpolitik sind die Spiel­räume für Maßnahmen, die mit dauerhaften Aus­ga­bensteigerungen oder Einnahmesenkungen einher­gehen, daher eng begrenzt.