Konjunkturbericht

Deutsche Wirtschaft in voller Fahrt

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 38 (2017 | Q4)

Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf. Im laufen­den Jahr hat sich die konjunkturelle Dynamik noch einmal beschleunigt, und die Frühindikatoren sprechen dafür, dass die rasche Gangart auch im kommenden Jahr beibehalten wird. Wir erhöhen unsere Prognose für die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent (2017) bzw. 2,5 Prozent (2018). Bei bereits deutlich über normal ausgelasteten Kapazitäten nähert sich die deutsche Wirtschaft damit in großen Schritten der Hoch­konjunktur. Anspannungen zeigen sich zunehmend am Arbeitsmarkt. In der Folge dürften sich die Einkommenszu­wächse der privaten Haushalte mehr und mehr aus Lohn­erhöhungen speisen, während sich der Beschäftigungsauf­bau allmählich etwas verlangsamen dürfte. Die Inflation bleibt in der Tendenz aufwärts gerichtet und dürfte im Jahr 2019 bei 2 Prozent liegen. Der Aufschwung steht auf einem breiten Fundament. Die privaten Konsumausgaben werden aufgrund der hohen Einkommenszuwächse wohl weiter lebhaft expandieren. Der Bau-Boom wird sich angesichts der anhaltend günstigen Finanzierungsbedingungen fort­setzen, auch wenn Kapazitätsengpässe zu zunehmend steigenden Baupreisen führen werden. Die Exporte dürften durch den kräftigen Aufschwung der Weltwirtschaft weiter stimuliert werden. Schließlich mehren sich die Zeichen, dass die Unternehmen ihren Investitionsattentismus über­winden und die Unternehmensinvestitionen in Anbetracht der hohen Kapazitätsauslastung und der hervorragenden Geschäftsaussichten zu einem weiteren Standbein des Auf­schwungs werden. Die konjunkturbedingt sprudelnden Steuereinnahmen führen zu hohen Budgetüberschüssen von rund 1,5 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Da die kräftigen Einnahmesteigerungen jedoch nur ein temporäres Phänomen sind und aufgrund des demografi­schen Wandels erhebliche haushaltspolitische Belastungen vor der Tür stehen, sind die Spielräume für zusätzliche Aus­gaben eng begrenzt.