Konjunkturbericht

Aufschwung gewinnt an Breite

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 29 (2017 | Q1)

Der Aufschwung in Deutschland setzt sich fort. Wir gehen wie in unserer Winterprognose davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 1,7 Prozent und im Jahr 2018 um 2 Prozent zulegen wird. Die etwas niedrigere Zuwachsrate im laufenden Jahr geht ausschließlich auf die geringere Zahl an Werktagen zurück. Insgesamt gewinnt der Auf­schwung zunehmend an Breite. Zwar dürfte der pri­vate Konsum in deutlich verlangsamten Tempo ex­pandieren, da die Kaufkraft der verfügbaren Ein­kommen durch den ölpreisbedingten Anstieg der Inflation auf knapp 2 Prozent spürbar geschmälert wird. Auch wird der öffentliche Konsum nicht mehr ganz so rasch ausgeweitet werden, da es hier voraussichtlich zu keinen zusätzlichen Ausgaben im Zuge der Flüchtlingsmigration kommen wird. Dafür nimmt der Investitionsaufschwung jedoch wieder Fahrt auf. So dürften die Ausrüstungsinvestitionen nach und nach an Schwung gewinnen, nachdem sie in den vergangenen Quartalen aufgrund des unsiche­ren internationalen Umfelds zur Schwäche tendier­ten. Die Bauinvestitionen werden, abgesehen von witterungsbedingten Schwankungen, im gesamten Prognosezeitraum nicht zuletzt aufgrund der günsti­gen Finanzierungsbedingungen lebhaft expandieren. Zudem dürften die Exporte mit der allmählichen Be­lebung der Weltkonjunktur wieder zunehmend den Aufschwung stützen. Alles in allem wird sich die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung im Pro­gnosezeitraum merklich erhöhen, und die Produkti­onskapazitäten dürften im Jahr 2018 deutlich über­ausgelastet sein. Dies spiegelt sich auch bei den öffentlichen Haushalten wider, die voraussichtlich weiter Überschüsse in Höhe von rund 20 Mrd. Euro fahren werden. Diese Überschüsse sind jedoch vor allem der guten Konjunktur geschuldet. Der struktu­relle Budgetsaldo, der die Haushaltszahlen um die konjunkturellen Effekte bereinigt, wird dagegen wohl wieder in den negativen Bereich rutschen. Die Be­schäftigung bleibt weiter deutlich aufwärts gerichtet. Die Abschwächung, die sich seit Mitte des vergange­nen Jahres zunächst abgezeichnet hatte, ist nach der jüngsten Revision der Daten nicht mehr sichtbar.