Wirtschaftspolitischer Beitrag

Mittelfristprojektion: Potenzialwachstum vor Zwischenhoch

Kieler Konjunkturberichte Mittelfristprojektion, Nr. 18 (2016 | Q1)

Das Produktionspotenzial wird in den kommenden Jahren voraussichtlich in beschleunigtem Tempo zu­legen. Für die Jahre von 2016 bis 2020  rechnen wir mit einem Wachstum von durchschnittlich 1,5 Pro­zent. In den kommenden beiden Jahren dürfte das Potenzial mit so hohen Raten wachsen wie sie zu­letzt zur Jahrtausendwende verzeichnet wurden. Da­bei handelt es jedoch lediglich um ein Zwischenhoch, zu dem auch die Zuwanderung von Flüchtlingen et­was beitragen wird. Aufgrund der Alterung der Bevöl­kerung ist demografisch ein spürbares Abflachen des Potentialwachstums über das Jahr 2020 hinaus an­gelegt, und bereits gegen Ende des Projektionszeit­raums dürfte sich das Wachstum wieder etwas ver­ringern. Vor diesem Hintergrund besteht die Gefahr, dass die Wirtschaftspolitik es aufgrund der zwischen­zeitlich scheinbar günstigen Wachstumsperspektiven verpasst, rechtzeitig die richtigen Weichenstellungen zu vollziehen, um die deutsche Wirtschaft wetterfest gegenüber dem demografischen Wandel zu machen. Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik ergeben sich auch daraus, dass die deutsche Wirtschaft, nicht zuletzt aufgrund der sehr expansiv ausgerichteten Geldpolitik, mehr und mehr in die Hochkonjunktur abdriftet und so das Rückschlagpotenzial spürbar zunimmt. Unserer Einschätzung zufolge dürfte sich die Produktionslücke am Ende des Projektionszeit­raums so weit geöffnet haben wie zuletzt vor dem Beginn der Finanzkrise. Vor diesem Hintergrund wäre die Wirtschaftspolitik gut beraten, von Maß­nahmen abzusehen, die die Konjunktur zusätzlich anheizen und die öffentlichen Haushalte krisenfester zu machen.