Konjunkturbericht

Euroraum: Erholung weiterhin mit wenig Schwung

Kieler Konjunkturberichte Euroraum, Nr. 22 (2016 | Q3)

Die Konjunkturtendenz im Euroraum ist insgesamt verhalten aufwärts gerichtet und dürfte in den kom­menden beiden Jahren beibehalten werden. Wir erwarten für das laufende Jahr eine moderate Zu­nahme des Bruttoinlandsprodukts um 1,6 Prozent; in den Jahren 2017 und 2018 dürfte das Expansions­tempo mit 1,7 Prozent und 1,8 Prozent nur geringfü­gig höher ausfallen. Indikatoren zur Unternehmens­zuversicht haben sich am aktuellen Rand allerdings leicht eingetrübt, was als verspätete Reaktion auf das Brexit-Votum gewertet werden kann. Wir rechnen damit, dass der bevorstehende EU-Austritt des Ver­einigten Königreichs die Wirtschaft des Euroraums nur geringfügig – vor allem über direkte Handels­effekte – belastet, die sich aus einer konjunkturellen Abkühlung der britischen Wirtschaft ergeben. Diese Effekte werden sich auf das zweite Halbjahr des laufenden Jahres konzentrieren und aufgrund von Überhangeffekten vor allem die Expansionsrate des Jahres 2017 um rund einen Viertelprozentpunkt be­lasten. Gleichwohl sind die Auftriebskräfte im Euro­raum intakt – die Arbeitsmarktlage verbesserte sich weiter, viele Frühindikatoren sind weiterhin leicht aufwärts gerichtet und die Konjunktur wird durch anhaltend niedrige Zinsen und von dem nach wie vor relativ geringen Außenwert des Euro unterstützt. Zudem dürfte die Finanzpolitik über den Prognose­zeitraum hinweg leicht expansiv ausgerichtet sein. Sofern sich strukturelle Probleme in einigen Mitgliedsstaaten mit größerem zeitlichen Abstand zur Euro-Schuldenkrise nach und nach auflösen – bei­spielsweise die Probleme im italienischen Banken­sektor – und die damit verbundene Unsicherheit stärker in den Hintergrund rückt, dürfte die Konjunk­tur im Euroraum noch etwas mehr Schwung ent­wickeln.