Konjunkturbericht

Deutsche Konjunktur auf Expansionskurs

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 26 (2016 | Q4)

Die deutsche Konjunktur bleibt in einem unruhigen interna­tionalen Umfeld auf Expansionskurs. Wir gehen wie in unserer Herbstprognose davon aus, dass das Brutto­inlandsprodukt im laufenden Jahr um 1,9 Prozent und im kommenden Jahr um 1,7 Prozent zulegen wird. Das Brexit-Votum wird die Konjunktur voraussichtlich kaum belasten. Die langfristigen Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und des Verfassungs-Referen­dums in Italien sind derzeit nur schwer absehbar; kurzfristig dürften die Folgen begrenzt sein. Vor diesem Hintergrund werden die Exporte im Prognosezeitraum wohl wieder anziehen und den Aufschwung stützen. Getragen wird der Aufschwung jedoch weiterhin vor allem von den binnenwirt­schaftlichen Auftriebskräften. So dürften die Bauinvestitio­nen aufgrund der günstigen Finanzierungsbedingungen im gesamten Prognosezeitraum mit hohen Raten expandieren. Auch der private Konsum wird aufgrund der günstigen Lage am Arbeitsmarkt und der weiterhin recht hohen An­stiege bei den staatlichen Transferzahlungen wohl weiter kräftig aus­geweitet werden. In den kommenden beiden Jahren dürften die privaten Konsumausgaben ihr hohes Expansionstempo jedoch nicht ganz halten können, da die Verbraucherpreise mit dem Auslaufen der preisdämpfenden Effekte seitens der Ölpreise wieder anziehen und so die Kaufkraft der privaten Haushalte schmä­lern. Im Jahr 2018 dürfte die Inflation bei knapp 2 Prozent liegen, nach einer Rate von voraussichtlich 0,5 Prozent im laufenden Jahr. Die Unternehmensinvesti­ti­onen tendierten im Sommerhalbjahr deutlich zur Schwäche, nicht zuletzt weil die politischen Unsicherheiten im interna­tio­nalen Um­feld vor allem die Investitions­bereit­schaft von exportorien­tierten Unternehmen gedämpft haben dürften. Mit dem Aus­laufen dieser Effekte werden die Auftriebs­kräfte wieder mehr und mehr die Ober­hand gewin­nen, da die Geschäftsaussichten bei bereits überdurch­schnittlich aus­gelasteten Kapazitäten günstig sind und von der Finan­zierungsseite her keinerlei Hemmnisse bestehen. Die öffentlichen Haushalte werden bei spürbar steigenden Ein­nahmen und Ausgaben weiterhin Über­schüsse in Höhe von rund 0,5 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt fah­ren. Der Aufschwung am Arbeits­markt wird sich fort­setzen. Im Jahr 2018 werden wohl 44,5 Millionen Men­schen beschäftigt sein und die Arbeitslosen­quote auf unter 6 Pro­zent sinken.