Konjunkturbericht

Deutschland: Expansion trotzt weltwirtschaftlicher Unruhe

Kieler Konjunkturberichte Deutschland, Nr. 11 (2015 | Q3)

Die Konjunktur in Deutschland hält trotz eines unru­higen weltwirtschaftlichen Umfelds Kurs. Für das laufende und das kommende Jahr rechnen wir un­verändert mit Zuwachsraten des Bruttoinlandspro­dukts von 1,8 und 2,1 Prozent. Im Jahr 2017 dürfte sich das Expansionstempo nicht zuletzt aufgrund der anhaltend anregenden monetären Rahmenbedin­gungen und der günstigen Entwicklung am Arbeits­markt sogar noch einmal leicht auf 2,3 Prozent be­schleunigen. Damit wird der Zuwachs des Brutto­inlandsprodukts das Potenzialwachstum spürbar übersteigen, so dass sich Deutschland auf dem Weg in die Hochkonjunktur befindet. Die Exporte dürften trotz des schwierigen internationalen Umfelds im Prognosezeitraum kräftig expandieren, zumal im kommenden Jahr voraussichtlich auch die Weltwirt­schaft wieder etwas an Schwung gewinnen wird. Hohe Zuwachsraten dürfte weiterhin der private Kon­sum verzeichnen, da die Einkommen der privaten Haushalte sich wohl weiter spürbar erhöhen werden. Maßgeblich ist die günstige Entwicklung bei Beschäf­tigung und Löhnen, auch wenn der Arbeitsmarkt seit Jahresbeginn etwas an Schwung verloren hat. Hinzu kommen weiter anziehende öffentliche Sozialleistun­gen und der ölpreisbedingte Kaufkraftgewinn. Auf­grund der zusehends angespannten Produktions­kapazitäten und des allgemein günstigen Umfelds für Bauvorhaben dürfte der Investitionsaufschwung mehr und mehr Tritt fassen. Mit der hohen konjunkturellen Dynamik werden auch die Verbraucherpreise nach dem Auslaufen der dämpfenden Effekte des Ölpreis­verfalls rasch wieder anziehen. Die außenwirtschaft­lichen Risiken haben sich zuletzt regional verschoben und liegen derzeit vor allem in einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft begründet. Die binnen­wirtschaftlichen Risiken dürften sich zusehends er­höhen, da auf dem Weg in die Hochkonjunktur die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass es zu Übertrei­bungen kommt und sich das Rückschlagpotenzial für die deutsche Wirtschaft erhöht.